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Re: Wie geht es weiter in der Ukraine?

From Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de>
Newsgroups ger.ct
Subject Re: Wie geht es weiter in der Ukraine?
Date 2026-06-02 10:18 +0200
Organization A noiseless patient Spider
Message-ID <10vm3kc$2pib4$1@dont-email.me> (permalink)
References (8 earlier) <u99ea3$2n28$1@solani.org> <ki6ft9FsqmbU1@mid.individual.net> <u9mivc$9bou$1@solani.org> <u9mm8d$pcvr$1@dont-email.me> <u9mugh$qd4t$2@dont-email.me>

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Salve allerseits,

Ingrid schrieb:
> Salve allerseits,
> Martin Ebert schrieb:
>> Am 24.07.23 um 21:21 schrieb Wilhelm Ernst:
>> 
>>> Jeder Krieg hat eine Vorgeschichte und die beginnt hier bei 
>>> Brzezinski.
>> 
>> Das wusste ich auch nicht: Der schreibt ein Buch und alle hören
>> auf ihn? Oder könnte es sein, dass Du nur russische Propaganda
>> nachplapperst?
>
> | Täglich werden auf unzähligen Telegram-Kanälen Videos der wohl
> | erfolgreichsten russischen Drohne, der Zala Lancet, gezeigt. Sie
> | bekämpft Haubitzen, Mehrfachraketenwerfer und Panzer – sogar Panzer aus
> | westlicher Produktion, darunter die deutschen "Leopard". Jetzt meldet
> | ein Telegram-Kanal den vierhundertsten visuell bestätigten Abschuss von
> | ukrainischem Militärgerät durch die russische Super-Drohne.
> 
+--- <hier abknabbern> ---
| Ein Roboter auf Ketten, nicht grösser als ein Bobby-Car, nähert sich
| einem Dorf in Trümmern, ein Panzer steht am Wegesrand. Der Roboter fährt
| auf eines der zerstörten Grundstücke, stoppt, dreht sich im Kreis, als
| suchte er etwas. Dann fährt er weiter, zwei Hunde jagen hinterher.
| Schliesslich stoppt er vor einem Loch im Boden und lässt sich
| hineinfallen. Es gibt eine Explosion, Rauch dringt aus dem Loch.
|
| Dann endet das Video. Im Abspann erscheint das Symbol des Produzenten:
| UGV Laboratory. Das ist ein ukrainisches Unternehmen, das unter anderem
| autonome Ketten- und Radfahrzeuge für den militärischen Einsatz
| herstellt, sogenannte Unmanned Ground Vehicles (UGV).
|
| Das Video zeigt, was solche Bodendrohnen inzwischen können. Das Gerät
| manövriert unfallfrei durch ein von Trümmern übersätes Terrain,
| lokalisiert ein kleines Loch im Boden und explodiert in
| selbstmörderischer Manier im Inneren eines mutmasslichen Unterstands der
| russischen Armee. In dem über Telegram verbreiteten Video ist kein
| einziger ukrainischer Soldat zu sehen.
|
| Seit Jahren fluten die Kriegsparteien das Netz mit Filmen über den
| Einsatz von Flugdrohnen. Diese Geräte sind zur Hauptwaffe des Kampfes an
| der ukrainischen Front geworden. Doch nun erlebt eine weitere Art
| unbemannter, teilweise autonomer Geräte ihren Aufstieg.
|
| *Die Logistik des Krieges verändert sich*
|
| Bodenroboter galten lange als teure Experimentaltechnik für
| Militärmessen und Forschungsprojekte. Inzwischen versucht vor allem die
| Ukraine, Tausende solcher Systeme an die Front zu bringen.
|
| Dabei sind die meisten dieser Roboter keine Kampfmaschinen, sondern eher
| Lastenträger. Das Video der Kamikazedrohne am Boden ist eine Ausnahme.
| Die Revolution am Boden findet weniger beim Angriff als in der Logistik
| statt. Bodendrohnen sind die neuen Maultiere des Krieges.
|
| Bislang erledigten meist Soldaten diese Aufgaben, oft mit gepanzerten
| Fahrzeugen, Autos, Quads oder zu Fuss. Verwundete wurden überwiegend von
| Soldaten aus der Feuerzone in Transportfahrzeuge geschafft. Munition,
| Wasser und Verpflegung mussten unter Beschuss oder ständiger
| Drohnengefahr in Stellungen getragen werden. Diese Art der Frontlogistik
| ist inzwischen zu einer der verlustreichsten Tätigkeiten überhaupt
| geworden.
|
| *Sie schaffen Verwundete oder Gefallene von der Front weg*
|
| Hier setzen die Bodenroboter an. Sie bringen zur Front, was gebraucht
| wird. Sie schaffen Gefallene oder Verwundete in den rückwärtigen Raum,
| wohin die Flugdrohnen nicht mehr ohne weiteres kommen. Sie legen dafür
| auch kilometerlange Strecken zurück.
|
| Die meisten UGV sehen unspektakulär aus. Es handelt sich um kleinere und
| grössere Fahrzeuge auf Ketten, mitunter gepanzert, ausser zur Versorgung
| der Fronttruppen dienen sie vor allem als Aufklärungsroboter oder
| mobiles Relais. Die Transport- und Unterstützungsroboter mögen banal
| wirken. Aber im Krieg in der Ukraine mit seinen erstarrten Fronten sind
| sie für die Soldaten von existenzieller Bedeutung.
|
| Gerade die Bergung der Verwundeten und Gefallenen von der Front zeigt
| das. Anfang des Jahres wurde ein Fall bekannt, bei dem ein verletzter
| ukrainischer Soldat mit einem unbemannten Fahrzeug aus der Gefechtszone
| transportiert wurde, das von einer russischen Drohne getroffen wurde.
| Der Soldat überlebte, weil das Fahrzeug gepanzert war.
|
| Ein anderes Beispiel belegt, dass auch mit Roboterfahrzeugen nicht alle
| Risiken zu reduzieren sind. Ein Video auf Telegram zeigt, wie ein
| ukrainischer Soldat seinen verletzten Kameraden auf ein unbemanntes
| Fahrzeug lädt, als eine russische Drohne einschlägt. Die beiden Soldaten
| sterben.
|
| Die Entwicklung von Bodendrohnen in der Ukraine ist nicht mit reinem
| technologischem Enthusiasmus zu erklären. Es ist vor allem der
| militärische Zwang, der die Ukrainer antreibt. Die Ukraine leidet unter
| Personalmangel. Im Gegensatz zu Russland hat sie als demokratisches Land
| zudem einen Anreiz, die Sterblichkeit ihrer Soldaten so gering wie
| möglich zu halten. Roboter helfen, Soldaten aus besonders gefährlichen
| Routineaufgaben herauszulösen und ihre Kampfkraft sinnvoller zu nutzen.
|
| *Maschinen kämpfen gegen Maschinen*
|
| Bei den Flugdrohnen ist zu sehen, wie weit das gehen kann. Schon heute
| bestimmen sie das Geschehen an der ukrainischen Front. Je mehr
| KI-gesteuerte Drohnen in das Geschehen eingreifen, desto häufiger
| kämpfen nur noch Maschinen gegeneinander.
|
| Wie die Flugdrohnen passen die Ukrainer innerhalb kurzer Zeit auch die
| Bodendrohnen den Bedingungen auf dem Gefechtsfeld an. Rückmeldungen von
| der Front fliessen in kurzer Zeit in die Systeme ein.
| Entwicklungszyklen, die in westlichen Beschaffungsprogrammen oft Jahre
| dauern würden, schrumpfen auf Wochen oder Monate.
|
| ARX Robotics, ein Hersteller von Bodendrohnen aus der Nähe von München,
| beschrieb diesen Unterschied vor kurzem in einer Pressemitteilung. Die
| in der Ukraine eingesetzte Version seines Bodenroboters Gereon, heisst
| es, würde in Deutschland keinen TÜV-Stempel erhalten, weil es zu lange
| dauere, die vielen Zulassungsregelungen zu erfüllen. Für die Ukraine
| seien Sicherheitsmechanismen, die westliche Beschaffungsvorschriften
| verlangten, entfernt worden, um die Systeme billiger und robuster zu
| machen.
|
| Anders ausgedrückt: Pragmatismus und Geschwindigkeit schlagen westliche
| Überregulierung.
|
| *Westliche Armeen experimentieren seit Jahrzehnten*
|
| Bodenroboter im Militär sind nichts Neues. Seit Jahrzehnten testen
| westliche Armeen unbemannte Systeme am Boden. Vieles wirkte lange Zeit
| wie experimentelle Forschungsrobotik ohne Chance auf eine Realisierung
| im Militär. Das lag auch daran, dass viele Roboter an Schlamm und
| Hindernissen im Gelände scheiterten und ihre Reichweite zu gering war.
|
| Der Krieg hat diese Probleme nicht verschwinden lassen. Westliche
| Streitkräfte dachten lange in Kategorien perfektionierter Plattformen.
| Doch die Ukraine akzeptiert heute bewusst billigere und unvollkommene
| Systeme, solange sie militärisch nützlich sind.
|
| Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen militärischer Robotik und
| zivilem autonomem Fahren. Moderne Bodendrohnen nutzen ähnliche
| Technologien wie selbstfahrende Autos: Kameras, Sensoren zur
| Abstandsmessung, künstliche Intelligenz, Hinderniserkennung oder
| Navigation. Die Militärrobotik profitiert massiv von der Industrie des
| autonomen Fahrens, auch wenn die vollautonome Navigation im unwegsamen
| Gelände unter Jamming-Bedingungen (GPS-Ausfall) an der Front oft noch
| scheitert.
|
| *Ein estnisches Unternehmen führt in Europa*
|
| Auffällig ist, dass die Dynamik bei unbemannten Bodensystemen weniger
| von traditionellen Rüstungskonzernen ausgeht als von kleinen Firmen. Das
| deutsche ARX Robotics verkörpert eine Startup-Logik: kleinere
| Plattformen, schnelle Software-Anpassung und enge Rückkopplung mit den
| ukrainischen Fronttruppen.
|
| Auch das estnische Unternehmen Milrem Robotics ist für Europa wichtig.
| Milrem hat eine Art robotischen Allzweckpanzer entwickelt, der nicht nur
| in der Ukraine, sondern in vielen europäischen Armeen eingesetzt wird.
| Milrem steht für die erste Generation europäischer Bodenroboter. Das
| Unternehmen produziert modulare Systeme für Logistik,
| Verwundetentransport oder Minenräumung.
|
| Vor allem die Entwicklung von Milrem entspringt den Zwängen der
| Sicherheitslage. Die baltischen Staaten nahmen die russische Bedrohung
| deutlich früher ernst als viele westeuropäische Staaten. Sie
| investierten massiv in Digitalisierung und autonome Systeme. Deutschland
| betrachtete die Bodenroboter lange Zeit eher als Zukunftstechnologie.
|
| Andere westliche Armeen sind da weiter. Sie experimentieren seit Jahren
| mit Bodenrobotern. Dazu zählt die US-Armee ebenso wie die britischen und
| die französischen Streitkräfte. Viele der Programme befinden sich noch
| im Versuchsstadium. Die Ukraine ist das erste Land, das solche Systeme
| massenhaft unter realen Gefechtsbedingungen einsetzt.
|
| *Eher ferngesteuerte Fahrzeuge als autonome Roboter*
| |
| Auch Russland setzt Bodenroboter ein. Die Armee experimentierte bereits
| vor dem Überfall auf die Ukraine mit bewaffneten unbemannten Systemen.
| Heute kommen vor allem kleinere Systeme für den Transport, die Räumung
| von Minen und als rollende Sprengsätze zum Einsatz.
|
| Doch die technischen Schwierigkeiten sind überall gleich. Bodenroboter
| scheitern noch immer an Schlamm, Funkverbindungen brechen ab, Batterien
| begrenzen die Reichweite. Viele Systeme sind bis jetzt eher
| ferngesteuerte Fahrzeuge als autonome Roboter.
|
| Doch der Krieg in der Ukraine zeigt, dass militärische Innovation selten
| dort entsteht, wo Armeen über unbegrenzte Ressourcen verfügen.
+--- </hier abknabbern> ---

©<https://www.nzz.ch/pro/automatisierung-des-krieges-die-ukraine-nutzt-tausende-bodenroboter-ld.10008089>

	M.f.G.

-- 
Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie
wird praktisch nie gelesen.  Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur
etwas komisch... ;-)

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Re: Wie geht es weiter in der Ukraine? Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2026-06-02 10:18 +0200
  Re: Wie geht es weiter in der Ukraine? Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2026-06-02 14:47 +0200
  Re: Wie geht es weiter in der Ukraine? Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2026-06-02 16:30 +0200
    Re: Wie geht es weiter in der Ukraine? Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> - 2026-06-02 15:32 +0000
      Re: Wie geht es weiter in der Ukraine? Ulf Kutzner <user2991@newsgrouper.org.invalid> - 2026-06-02 15:42 +0000
      Re: Wie geht es weiter in der Ukraine? Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2026-06-02 17:48 +0200
      Re: Wie geht es weiter in der Ukraine? gunter-kuehne <gunter-kuehne@mail.de> - 2026-06-02 18:36 +0200
      Re: Wie geht es weiter in der Ukraine? Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2026-06-03 13:45 +0200
    Re: Wie geht es weiter in der Ukraine? Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2026-06-02 18:01 +0200

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