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| From | Ulrich D i e z <ud.usenetcorrespondence@web.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Wer bin ich? |
| Date | 2025-09-12 01:11 +0200 |
| Message-ID | <109vkrn$81if$1@solani.org> (permalink) |
| References | <mig3jcFu1ojU2@mid.individual.net> |
Walter Brill schrieb: > Hallo, > > ich bin gestern über die Seite > <https://de.wikipedia.org/wiki/Big_Five_(Psychologie)#> auf den > nachstehenden Test gestossen: > > <https://bigfive-test.com/de> > > Das Ganze ist ein "nichtkommerzielles" OpenSource-Projekt > (https://github.com/rubynor/bigfive-web) und heute nun, habe ich den > Test mal gemacht. Sehr interessant und empfehlenswert :-) > > Wer traut sich? Warum wird dieser Test veranstaltet? (Habe einen Docker-Container erstellt und den Test darin laufen lassen und dann den Container im Nirvana versenkt.) ------------------------------------------------------------------------ Da gibt es bei jeder Frage die Antwortmöglichkeiten "Sehr unzutreffend", "unzutreffend", "Weder zutreffend noch unzutreffend", "zutreffend" und "sehr zutreffend". Was soll das sein? Die wollen da doch vielleicht, dass man Aussagen bzw. Aussageformen auf sich/einen selbst bezieht und der Aussage, die sich dabei ergibt, einen Wahrheitswert zuordnet. (Ich habe "sich/einen selbst" statt "sich selbst" geschrieben, um das Missverständnis, es gehe um selbstbezügliche Aussagen, zu vermeiden.) Ich kenne nur die Wahrheitswerte "wahr" und "falsch". "Sehr wahr" bzw. "sehr zutreffend" und "sehr falsch" bzw. "sehr unzutreffend" sind recht ungewöhnliche Kategorien. Ich sehe nur vier Möglichkeiten: 1. Die Annahme, in die Aussageform einen Bezug auf sich/einen selbst einsetzen zu können, ist korrekt und wenn man in die Aussageform einen Bezug auf sich/einen selbst einsetzt, ergibt sich ein Ausdruck, der eine wahre Aussage darstellt. Das wäre "zutreffend". 2. Die Annahme, in die Aussageform einen Bezug auf sich/einen selbst einsetzen zu können, ist korrekt und wenn man in die Aussageform einen Bezug auf sich/einen selbst einsetzt, ergibt sich ein Ausdruck, der eine falsche Aussage darstellt. Das wäre "unzutreffend". 3. Die Annahme, in die Aussageform einen Bezug auf sich/einen selbst einsetzen zu können, ist korrekt und wenn man in die Aussageform einen Bezug auf sich/einen selbst einsetzt, ergibt sich ein Ausdruck, dem man keinen Wahrheitswert zuordnen kann. 4. Die Annahme, in die Aussageform einen Bezug auf sich/einen selbst einsetzen zu können, ist falsch. Wenn man diese falsche Annahme zugrundelegt, gilt "ex falso quodlibet", d.h., man kann beliebige korrekte Implikationen mit dieser falschen Annahme als Antezedenz und beliebigen aus den Antezedenzien folgenden Konsequenzen formulieren, aber den Ausdrücken, die die Konsequenzen der Implikation darstellen, lässt sich kein Wahrheitswert zuordnen. Bei den letzten beiden Möglichkeiten geht es darum, keinen Wahrheitswert zuordnen zu können. Vielleicht ist das mit "Weder zutreffend noch unzutreffend" gemeint, aber das kann man nur vermuten: Nach meinem Sprachverständnis ist "Weder zutreffend noch unzutreffend" gleichbedeutend zu "ist nicht zutreffend und ist nicht unzutreffend". Es ist nirgendwo erklärt, was mit "ist nicht zutreffend" bzw. "ist nicht unzutreffend" gemeint ist. Meistens bedeutet "ist nicht zutreffend" dasselbe wie "ist unzutreffend" und "ist nicht unzutreffend" bedeutet meistens dasselbe wie "ist zutreffend". In diesem Sinne kann man "Weder zutreffend noch unzutreffend" als "ist unzutreffend und ist zutreffend" verstehen und die Auswahl dieser Antwort würde bedeuten, zwei Wahrheitswerte statt nur eines Wahrheitswertes zuzuordnen. (Dann handelt es sich bei dem fraglichen Ausdruck aber nicht um eine Aussage, denn Aussagen haben genau einen Wahrheitswert.) Mit viel gutem Willen kann man "Weder zutreffend noch unzutreffend" statt als Ist-Aussage als Kann-Aussage verstehen, im Sinne von "Weder ist es möglich, den fraglichen Ausdruck unter "zutreffend" zu subsumieren, noch ist es möglich, den Ausdruck unter "unzutreffend" zu subsumieren - eine Festlegung, ob überhaupt und ggfs. unter welchen der Kategorien "zutreffend"/"unzutreffend" der fragliche Ausdruck subsumierbar ist, kann nicht getroffen werden. ------------------------------------------------------------------------ Da gibt es Aussagen, bei denen ich das Zuordnen eines Wahrheitswertes nicht für sehr aussagekräftig halte. Beispielsweise "Ich erledige Aufgaben erfolgreich". Angenommen, es kommt vor, dass jemand Aufgaben erfolgreich erledigt. Angenommen, es kommt bei diesem jemand auch vor, dass sie/er Aufgaben nicht erfolgreich erledigt. Da beides vorkommt, muss so jemand wohl "Ich erledige Aufgaben erfolgreich" mit dem Prädikat "zutreffend" belegen ohne dass das viel über die jeweilige Häufigkeit aussagen würde. Beispielsweise "Ich betreibe selten Völlerei". Angenommen, jemand betreibt nie Völlerei. Auf so jemanden ist "Ich betreibe selten Völlerei" genausowenig zutreffend wie auf jemanden, die/der oft Völlerei betreibt. (Wobei nie/selten/oft genauso subjektiv sind wie die Einstufung einer Nahrungsaufnahme als Völlerei.) Beispielsweise "Ich bediene mich gerne konventioneller Methoden". Aber klar doch. Zutreffend. Genauso gerne bedient die-/derjenige, die/der das zutreffend findet, sich vielleicht auch unkonventioneller Methoden, da es ihr/ihm auf "konventionell" oder "unkonventionell" gar nicht ankommt, sondern darauf, dass die Methoden moralisch und ethisch vertretbar und zielführend sind. Teilweise liegt das auch daran, dass in den Fragen offene Begriffe vorkommen und mit anderen Begriffen verknüpft werden. Beispielsweise "Ich handle oft spontan, ohne nachzudenken". Wo zieht man die Grenze, ab wann Spontaneität nicht mehr gegeben ist? Wo zieht man die Grenze, ab wann etwas nicht oft und ab wann etwas oft vorkommt? Teilweise liegt das auch daran, dass ich für alles andere als sicher halte, dass die Teilnehmer/innen bei diesem Test, bei dem aus mir unerfindlichen Gründen eine Art Stoppuhr mitläuft (- vielleicht wird aus der Zeit, die man von einer Frage zur nächsten braucht, darauf geschlossen, ob man mit der Wahrheit ein Problem hat), auf die Schnelle immer korrekt erfassen, worauf in der Aussage der Fokus liegt. Beispielsweise "Ich handle oft spontan, ohne nachzudenken". Der Handlung geht häufig ein Entschluss voraus. Es ist denkbar, einen Entschluss spontan zu fassen und aufgrund des spontanen Entschlusses durchdacht zu handeln. In diesem Fall ist das Moment der Spontaneität nicht beim Handeln, sondern bei der dem Handeln vorausgehenden, auf das durch Handeln zu erreichende Ziel bezogenen Willensbildung gegeben. Wer dazu neigt, sich spontan zu entschließen, dann aber durchdacht zu handeln, sollte die Aussage mit dem Prädikat "nicht zutreffend" belegen. Fällt einem diese Subtilität auf, wenn man schnell macht, weil man sich von der laufenden Uhr beeindrucken lässt? ------------------------------------------------------------------------ Die Zuordnung der Wahrheitswerte zu auf einen selbst bezogenen Ausdrücken wird nur durch einen selbst vorgenommen. Wie wird sichergestellt, dass diese Zuordnungen nicht nur auf dem Wunschdenken der Testteilnehmerin/des Testteilnehmers und/oder auf deren/dessen verzerrten Wahrnehmung ihrer/seiner selbst bzw. auf ihrer/seiner verzerrten Wahrnehmung des Eindrucks, den sie/er auf andere macht, basieren? ------------------------------------------------------------------------ Ich denke an das Buch "Wir alle spielen Theater" von Erving Goffman. Bei diesem Test wird verlangt, bei der Zuordnung der Wahrheitswerte zu den Aussagen pauschal über alle Lebensspähren/Lebensbereiche, in denen man sich bewegt, herunter zu brechen. Es wird nicht berücksichtigt, dass man sich in verschiedenen Lebenssphären/verschiedenen Lebensbereichen bewegt und dabei verschiedene Rollen einnimmt. Dienstlich war ich in vielem anders als privat. Und privat bin ich gegenüber Familienmitgliedern nochmal anders als gegenüber nicht zur Familie Gehörenden. ------------------------------------------------------------------------ Die gelieferte Testauswertung strotzt vor Rechtschreibfehlern, was mich an der Sorgfalt der Ersteller/innen dieses Testmechanismus zweifeln lässt. Mit freundlichem Gruß Ulrich
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Wer bin ich? Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2025-09-11 16:10 +0200
Re: Wer bin ich? "Wendelin Uez" <wuez@online.de> - 2025-09-11 17:00 +0200
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Re: Wer bin ich? "Wendelin Uez" <wuez@online.de> - 2025-09-12 13:49 +0200
Re: Wer bin ich? Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2025-09-12 13:12 +0200
Re: Wer bin ich? Carlo XYZ <carloxyz@invalid.invalid> - 2025-09-11 19:43 +0200
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Re: Wer bin ich? Ulrich D i e z <ud.usenetcorrespondence@web.de> - 2025-09-12 01:11 +0200
Re: Wer bin ich? Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2025-09-12 01:42 +0200
Re: Wer bin ich? Bernd Ohm <invalid@invalid.invalid> - 2025-09-12 09:50 +0200
Re: Wer bin ich? Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2025-09-12 10:21 +0200
Re: Wer bin ich? Ulrich D i e z <ud.usenetcorrespondence@web.de> - 2025-09-14 01:20 +0200
Re: Wer bin ich? Bonita Montero <Bonita.Montero@gmail.com> - 2025-09-14 01:49 +0200
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