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| From | Ulrich D i e z <ud.usenetcorrespondence@web.de> |
|---|---|
| Newsgroups | ger.ct |
| Subject | Re: Kollateralunverschämtheit |
| Date | 2025-07-20 16:35 +0200 |
| Message-ID | <105iuot$2itc9$1@solani.org> (permalink) |
| References | (3 earlier) <28927d76-2686-4211-98a2-864e40f8d341@news.goetz.co.uk> <1058856.9pk.1@privat.lahls.de> <10581tq$kg47$1@dont-email.me> <105e4ga$2ft9t$1@solani.org> <105ee9h.77c.1@privat.lahls.de> |
Ruediger Lahl schrieb: > *Ulrich D i e z* schrieb: > >> Lars Gebauer schrieb: >>> Am 16.07.2025 um 13:06 schrieb Ruediger Lahl: >>>> *Goetz Schultz* schrieb: >>>>> On 16/07/2025 11:17, Lars Gebauer wrote: >>>>>> Am 16.07.2025 um 11:25 schrieb Ruediger Lahl: >>>>>>> Der wirkliche Skandal ist, dass die hier mit Verfassungsklagen auflaufen >>>>>>> können. Letztens so ein Spinner, der uns dafür verantwortlich machen >>>>>>> wollte, dass sein Haus im Gletscherwasser absäuft und nun so was. >>>>>> >>>>>> Art. 103 GG ist ein Skandal? >>>> >>>> Nicht der Artikel, sondern dessen hier offensichtlich mögliche Auslegung >>>> ist der Skandal. >>> >>> | (1) Vor Gericht hat jedermann Anspruch auf rechtliches Gehör. > > "Jedermann" sollte im deutschen Grundgesetz auch nur für Deutsche > gelten. Gerade beim Verfassungsgericht halte ich das für nötig. Warum? Der Modus, den Anspruch auf rechtliches Gehör nur auf Deutsche zu beschränken, knüpft Rechte, Pflichten, Ansprüche, Bewertung von Rechtsgütern etc an Kriterien, ohne in der Sache eine Rechtfertigung für die Wahl dieser Kriterien zu haben. Solche Verknüpfungen sind Kennzeichen von Diskriminierung. Wodurch könnte es gerechtfertigt sein, das Recht/den Anspruch auf rechtliches Gehör eines Rechtssubjektes an Staats- oder Volkszugehörigkeit zu knüpfen? Soll die öffentliche Hand Nicht-Deutsche willkürlich ins Gefängnis werfen können, ohne ihnen zuvor rechtliches Gehör einzuräumen? Und wie soll das dann weitergehen, wenn die deutsche Bevölkerung uneins und gespalten ist? Welche Deutschen sollen dann rechtliches Gehör bekommen und welche nicht? Da Diskriminierung nicht per se gerechtfertigt ist, ist dieser Modus kein sicheres Rezept, etwa Denial of Service aufgrund von Überlastung mit Anfragen/Verfassungsbeschwerden beim Bundesverfassungsgericht und/oder fragwürdige Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts auf eine Weise zu vermeiden, die Rechtfertigungsprüfungen standhält. Außerdem sind dadurch Szenarien dergestalt, dass das Bundesverfassungsgericht durch von Deutschen ausgehende unsinnige Anfragen/Verfassungsbeschwerden überlastet wird, und/oder in von Deutschen ausgehenden Anfragen/Verfassungsbeschwerden fragwürdige Entscheidungen trifft, auch nicht sicher ausgeschlossen. Gegebenenfalls müssen derartige Probleme meiner Meinung nach anders als durch Diskriminierung gelöst werden. In einer Gesellschaft, in der nicht Verantwortung für das eigene Denken und Redlichkeit und reelles Arbeiten belohnt wird, sondern die wirkungsvolle Inszenierung, und deren Ausbildungssysteme unter anderem deshalb (bspw. in Baden-Württemberg bei angesichts von Lehrermangel angeblich aufgrund von Computerfehlern nicht besetzten Lehrer/innen/stellen) inflationär gute Noten vergeben und bald jedem größte Kompetenz bescheinigen, sehe ich da andere Ansatzpunkte. > Die Artikel des Grundgesetz sind zum Teil auch nur eine Richtschnur an > der entlang Gesetze und Verordnungen geschaffen werden. "Nur eine Richtschnur" - diese Formulierung mag auch eine subjektive Gewichtung des Verbindlichkeitscharakters beinhalten. Insofern halte ich diese Formulierung irgendwo auch für Geschmackssache, während sich über Geschmack bekanntlich nicht streiten lässt. Ich sehe es in meiner eigenen Subjektivität aber so: Es handelt sich mitunter schon auch um zentrale verfassungsrechtliche Leitideen, die ich für deutlich verbindlicher halte als Richtschnüre. Im Grundgesetz gibt es sowohl Artikel und Absätze, die eher rahmensetzende(!) verbindliche(!) zentrale verfassungsrechtliche Leitideen formulieren, als auch Artikel und Absätze, die handfeste eigenständige verfassungsrechtliche Instrumente darstellen. Zum Beispiel sehe ich in Artikel 1 Absatz 1 des Grundgesetzes das Statut einer rahmensetzenden verbindlichen zentralen verfassungsrechtlichen Leitidee, der alle staatliche Gewalt verpflichtet ist - unter anderem auch bei der Anwendung verfassungsrechtlicher Instrumente. Ich sehe ihn aber nicht als eigenständiges verfassungsrechtliches Instrument. Wäre er ein eigenständiges verfassungsrechtliches Instrument, könnte man etliche der auf ihn folgenden 196 - ich hoffe, ich habe richtig gezählt - nicht weggefallenen Artikel des Grundgesetzes, von denen einer besagt, das fünf Artikel der deutschen Verfassung vom 11. August 1919 Bestandteil des Grundgesetzes sind, vielleicht für obsolet halten. > "Das nähere regelt ein Bundesgesetz" kommt im Grundgesetz über 30 mal vor. Unter anderem ist damit die Häufigkeit reduziert, in der Änderungen der gesetzlichen Ausgestaltung mit dem Erfordernis einer Grundgesetzänderung einhergehen. Auch eine Methode, die Verfassung zu schützen. >> Dabei, falsche Vorstellungen und zu große Illusionen zu vermeiden, >> könnte die Frage interessant sein, wer die Regeln für das Erfüllen >> dieses Anspruches macht und welche Regeln für das Erfüllen dieses >> Anspruches derzeit gelten. > Unser Problem sind die 76 Jahre seit bestehen des GG, in denen in > tausenden Richtersprüchen daran herum interpretiert wurde und Grenzen > immer weiter aufgeweicht und ausgeweitet wurden. Das konnten wir uns bis > vor 10 - 20 Jahren auch noch leisten. Heute steht uns für eine aktuell > effektive Rechtsprechung der ganze Mist im Wege. Wir haben kein Fallrecht/kein case law. Bei uns sind Änderungen in der herrschenden Meinung/in der herrschenden Lehre durch die ständige Rechtsprechung in vielen Bereichen leichter umsetzbar, als das zB in den USA der Fall ist. Unser Problem meiner Meinung nach ist größer: Die Ausbreitung und Verstärkung des Trends, wirkungsvolle Inszenierung vor reelle Arbeit und Redlichkeit und Verantwortung zu setzen, begünstigt Kak/ist/okratie und in Hierarchien die Besetzung von Posten mit Entscheidungsträger/inne/n nach dem Prinzip von Lawrence J. Peter. - Kakistokratie = Herrschaft der Schlechtesten. Kakokratie = Herrschaft der Schlechten. Aus dem Buch "Kakokratie - Der Weltfeind Nr. 1" des Physikers und Raketenwissenschaftlers Hermann Oberth: | Im Leben stehen einem anständigen Charakter so und soviele Wege | offen, um vorwärts zu kommen. Einem Schuft stehen bei gleicher | Intelligenz und Tatkraft auf dem gleichen Platz diese Wege auch alle | offen, daneben aber auch noch andere, die ein anständiger Kerl nicht | geht. Er hat daher mehr Chancen vorwärts zu kommen, und infolge | dieser negativen charakterlichen Auslese findet eine Anreicherung | der höheren Gesellschaftsschichten mit Schurken statt. (Da steht nichts darüber dabei, welcher Staatsform die betreffende Gesellschaft huldigt, nur, dass es verschieden hohe Gesellschaftsschichten gibt.) - Prinzip von Laurence J. Peter: Nach einer gewissen Zeit wird jede Position von einem Mitarbeiter besetzt, der unfähig ist, seine Aufgabe zu erfüllen. Denn: In einer ausreichend komplexen Hierarchie wird jeder so lange befördert, bis er eine Position besetzt, in der er seine Arbeit nicht gut macht. Auf dieser Position bleibt er dann, weil er nicht mehr befördert wird. > Aber auch das > Grundgesetz selbst ist in Teilen nicht mehr zu unserer Realität > kompatibel. Ich denke, dieser Eindruck kann auch entstehen, wenn man den Spielraum, den das Grundgesetz für die Ausgestaltung der Dinge lässt, unterschätzt, etwa, weil er von Amtswalter/inne/n der öffentlichen Hand nicht in der Weise ausgenutzt wird, wie man selbst meint, dass es geschehen müsse. > Hätte der Parlamentarischer Rat damals sehen können, was das > von ihnen geschaffene Asylrecht heute für Nachteile mit sich bringt, > hätten sie es anders formuliert. Auf welche Bestimmungen des Grundgesetzes beziehst du dich? Z.B. Artikel 16a räumt nach meinem Verständnis dem Gesetzgeber bzw. der öffentlichen Hand große Spielräume beim Umgang mit der Problematik ein. Mit freundlichem Gruß Ulrich
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Kollateralunverschämtheit Franz Brannt <address@is.invalid> - 2025-07-15 23:40 +0200
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Re: Kollateralunverschämtheit "Wendelin Uez" <wuez@online.de> - 2025-07-16 15:14 +0200
Re: Kollateralunverschämtheit Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2025-07-17 19:05 +0200
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Re: Kollateralunverschämtheit Stefan+Usenet@Froehlich.Priv.at (Stefan Froehlich) - 2025-07-21 16:53 +0000
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Re: Kollateralunverschämtheit Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2025-07-16 16:02 +0200
Re: Kollateralunverschämtheit Walter Brill <WalterBrill@t-online.de> - 2025-07-18 18:35 +0200
Re: Kollateralunverschämtheit Goetz Schultz <ng.expire1225@goetz.co.uk> - 2025-07-16 11:45 +0100
Re: Kollateralunverschämtheit Shinji Ikari <shinji@gmx.net> - 2025-07-16 21:41 +0200
Re: Kollateralunverschämtheit Ulrich D i e z <ud.usenetcorrespondence@web.de> - 2025-07-18 21:29 +0200
Re: Kollateralunverschämtheit Alfred <Juli.2025@anon.invalid> - 2025-07-20 17:48 +0200
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