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| Started by | Wilhelm Ernst <newstrap@t-online.de> |
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| First post | 2026-08-02 11:00 +0200 |
| Last post | 2026-08-03 13:58 +0200 |
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Für die LLM-Spezialisten allhier Wilhelm Ernst <newstrap@t-online.de> - 2026-08-02 11:00 +0200
Re: Für die LLM-Spezialisten allhier "Wendelin Uez" <wuez@online.de> - 2026-08-03 13:58 +0200
| From | Wilhelm Ernst <newstrap@t-online.de> |
|---|---|
| Date | 2026-08-02 11:00 +0200 |
| Subject | Für die LLM-Spezialisten allhier |
| Message-ID | <nd8fa6Fbu3jU1@mid.individual.net> |
Da hat ein Münchner seinen geistigen Lichtblick ausgedrückt: "Der Spiegel den wir für ein Fenster halten Machen Sie ein Experiment. Es kostet nur zehn Minuten Ihrer Lebenszeit. Ein Leser im sonnigen Spanien hat mich darauf aufmerksam gemacht und mir seine Gespräche mit seinen KI-Kumpels gesendet. Es wird Zeit, dass ich darüber schreibe. Stellen Sie drei verschiedenen KI-Systemen dieselbe Frage, wortgleich. Sie werden drei verschiedene Antworten erhalten. Nicht drei Varianten derselben Antwort – drei verschiedene. Mit Unterschieden in der Gewichtung, im Ton, mal in dem, was schlicht fehlt. Spätestens da müsste eine Frage aufkommen, die erstaunlich selten gestellt wird: Wenn diese Maschinen die Wahrheit ausrechnen, warum rechnen sie dann nicht dasselbe aus? Die Antwort ist so einfach. Sie ist so unbequem. Weil sie nicht die Wahrheit ausrechnen. Eine KI ist keine Datenbank, kein digitales Lexikon. Sie ist ein statistisches Rechenmodell, das aus Milliarden Texten eine einzige Fähigkeit destilliert hat: vorherzusagen, welches Wort mit welcher Wahrscheinlichkeit auf das vorherige folgt. Die Maschine weiß nichts. Sie schätzt. Und wer schätzt, der schätzt auf einer Grundlage, die andere gelegt haben. Bevor Sie auch nur ein Wort eintippen, haben dennoch Menschen an fünf Stellen entschieden. Sie entscheiden, welche Daten in das Training einfließen und welche draußen bleiben sollen. Sie haben entschieden, wie das Modell gebaut ist. Wie es nachjustiert wird. Bewertet durch tausende menschliche Bewerter, die Antworten benoten und ihr damit nicht beibringen, was wahr ist, sondern was gefällt. Die Entwickler haben entschieden, wie viel Zufall die Antworten enthalten dürfen. Und schließlich der System-Prompt, eine unsichtbare Grundanweisung, die Sie nie zu sehen bekommen. Fünf Stellschrauben, an jeder hat ein Mensch gedreht. Wer Ihnen also erzählt, die KI sei objektiv, weil sie ja nur rechne, den fragen Sie einfach, wer die Rechenregeln geschrieben hat. Nun ist Filterung zunächst keine Verschwörung, sondern technische Notwendigkeit: Ein Algorithmus ohne Prioritäten liefert kein Ergebnis, sondern Rauschen. Die entscheidende Frage lautet anders: Wo endet die technische Relevanzbewertung, und wo beginnt die inhaltliche Steuerung? Diese Grenze ist fließend. Wenn ein System festlegt, welche Themen als »sensibel« gelten, welche Positionen als »Fehlinformation« einsortiert werden, welche wissenschaftliche Minderheitenmeinung gar nicht erst erscheint – dann bewertet niemand mehr Relevanz. Dann wird Information gesteuert. Früher listete die Suchmaschine Links auf, zehn blaue Zeilen. Man klickte selbst, las selbst, entschied selbst. Das war mühsam, aber es war die eigene Entscheidung. Heute liest die KI die Quellen für Sie, wägt ab, lässt weg – und serviert eine einzige, glatt formulierte Antwort. Was aussortiert wurde, erfahren Sie nie. Das ist der eigentliche Epochenbruch: nicht, dass gefiltert wird, sondern dass wir es nicht mehr sehen. Wer dreht an diesen Filtern? Konzernspitzen, die keinen Skandal riskieren wollen, weil Werbekunden scheu sind und Investoren scheuer – Vorsicht ist dort kein ethisches Prinzip, sondern eine Position in der Bilanz. Staaten, die per Gesetz filtern lassen; jede KI trägt die Rechtsordnung ihres Herkunftslandes im Gepäck, samt deren Tabus. Und die Trainer, deren kulturelle Selbstverständlichkeiten in die Maschine einfließen – ein sehr spezifisches Milieu der amerikanischen Westküste, nicht aus Bosheit, aus Herkunft. Über keine dieser Einflussgrößen gibt es demokratische Kontrolle. Was als wahr und richtig gilt, entscheidet kein Parlament, sondern es entscheiden private Großkonzerne. Und das ist nur die unbewusste Schlagseite. Denken wir den Gedanken weiter: Was, wenn jemand sie absichtlich einbaut? Man kann Trainingsdaten vergiften, dann trägt die Maschine Falsches mit derselben ruhigen Autorität vor wie das Einmaleins. Man kann Hintertüren einbauen, die bei einem Signalwort umschalten. Und man kann framen, die subtilste Form: Das System bevorzugt bei Klima, Gesundheit, Finanzen, Politik leise eine Richtung. Die Antwort wirkt sachlich, enthält keine einzige Lüge – sie lässt nur die Gegenargumente weg. Das ist die eleganteste Beeinflussung, die je erfunden wurde. Gegen eine Lüge können Sie sich wehren. Gegen eine Auslassung nicht, denn Sie müssten wissen, was fehlt. Im Alltag erleben Sie das bei jedem aufgeladenen Thema. Die großen Systeme folgen dort fast ausschließlich den etablierten Institutionen, und ausgeblendet werden nicht nur die Spinner, sondern auch berechtigte Debatten, abweichende Daten, Kritik an konkreten Maßnahmen. Die Maschine präsentiert das Thema als erledigt. Sie gibt keine Auskunft mehr, sie erteilt Bescheid. Eine Regel steht in keinem System-Prompt und doch über allen: Die KI eines Konzerns wird nie eine Antwort geben, die dessen Geschäftsmodell ernsthaft gefährdet. Neu ist das alles nicht. Die Informatiker der Siebzigerjahre kannten den Satz: Garbage in, garbage out. Müll rein, Müll raus – nur schöner formatiert. Eine KI ist, genau besehen, eine gigantische, sekündlich neu berechnete Meinungsumfrage über ihre eigenen Trainingsdaten. Wer die Datenbasis kontrolliert, bestimmt das Umfrageergebnis. Was folgt daraus? Nicht, die Werkzeuge wegzulegen, das wäre töricht. Sondern sie zu behandeln als das, was sie sind: Textwerkzeuge mit Herkunft. Medienkompetenz hieß immer schon, zu wissen, wer spricht. Geben Sie sich nie mit der ersten Antwort zufrieden, fragen Sie nach den stärksten Argumenten der Gegenseite und nach dem, was fehlt. Fordern Sie nachprüfbare Quellen ein, denn eine Zusammenfassung ohne Quelle ist keine Information, sondern eine Behauptung in gutem Deutsch. Und vergleichen Sie die Systeme: Dort, wo die Antworten auseinanderlaufen, verläuft die Naht zwischen Rechnung und Haltung. Künstliche Intelligenz ist Menschenwerk. Hinter jeder Antwort stehen Menschen, die Daten ausgewählt, Filter programmiert und Interessen verfolgt haben. Die Antwort einer KI ist deshalb nie ein Abbild der Wirklichkeit, sondern ein Spiegelbild derer, die sie gebaut haben. Das ist kein Grund zur Panik, wohl aber zur Wachsamkeit. Wer weiß, dass ein System gefiltert ist, kann es benutzen, ohne von ihm benutzt zu werden. Wer es nicht weiß, hält den Spiegel für ein Fenster. Behalten Sie Ihr eigenes Urteil. Es ist das Einzige, was keine Maschine für Sie ausrechnen kann." Quelle: https://clubderklarenworte.de/ Willi -- "There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning." Warren Buffett im Interview mit Ben Stein, New York Times, 26.11.2006
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| From | "Wendelin Uez" <wuez@online.de> |
|---|---|
| Date | 2026-08-03 13:58 +0200 |
| Message-ID | <114pvsf$t5a7$2@solani.org> |
| In reply to | #670034 |
Stell dir vor, es ist sogar ein gewolltes Verhalten mancher KI-Modelle, auf dieselbe Frage - selbst an dieselbe KI gestellt - nicht dieselbe Antwort zu geben.
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