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Groups > ger.ct > #617858 > unrolled thread

Die Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen

Started byLars Gebauer <lgebauer@live.de>
First post2024-03-22 01:54 +0100
Last post2024-03-24 17:03 +0000
Articles 12 — 8 participants

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Contents

  Die Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-22 01:54 +0100
    Re: Die Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen "F. W." <me@home.invalid> - 2024-03-22 06:56 +0100
      Re: Die Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-03-22 07:39 +0100
        Re: Die Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen Georg Gruber <g.gruber_hauwech@gmx.net> - 2024-03-22 10:34 +0100
          Re: Die Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen Dietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de> - 2024-03-22 19:40 +0100
            Re: Die Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen Ned Kelly <ned.kelly@nefkom.net> - 2024-03-22 21:45 +0100
      Re: Die Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-22 12:02 +0100
      Re: Die Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen Hartmut Ott <hottm@arcor.de> - 2024-03-22 12:54 +0100
        Re: Die Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2024-03-22 13:15 +0100
        Re: Die Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen Fidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de> - 2024-03-22 23:21 +0100
          Re: Die Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen Hartmut Ott <hottm@arcor.de> - 2024-03-24 15:09 +0100
      Re: Die Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen Michael Strauß  <netnews-es@mail.mszet.de> - 2024-03-24 17:03 +0000

#617858 — Die Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen

FromLars Gebauer <lgebauer@live.de>
Date2024-03-22 01:54 +0100
SubjectDie Lage ist ernst aber: Mutter Erde tut alles, um uns zu helfen
Message-ID<utikra$2hb3h$1@dont-email.me>
https://www.zeit.de/wissen/2024-03/klimaforscher-johan-rockstroem-resilienz-klimakrise-planetare-grenzen

| Rockström: Ja, man könnte sagen: Die Erde tut alles, um uns zu helfen.
| So ähnlich wie eine Mutter, die ihre Kinder beschützen will.
| Allerdings ist diese Mutter jetzt selbst schwer krank.

| ZEIT: Um im Bild zu bleiben: Wie lautet ihre Diagnose für Mutter Erde?​
|
| Rockström: Wir müssten die Patientin sofort auf die Intensivstation
| verlegen. Die meisten Menschen glauben immer noch, sie habe eine
| leichte Grippe, dabei ist es eher eine Krebserkrankung. Da braucht es
| eine drastische Therapie.


| Johan Rockström 58, gehört zu den bekanntesten Erdsystemforschern der
| Welt. Er hat das Konzept der planetaren Grenzen mitentwickelt und ist
| Co-Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

-- 
"Es wäre einfach so hilfreich, wenn Taylor Swift mit einem Klimaforscher 
zusammen wäre."
https://twitter.com/Luisamneubauer/status/1757821938271924578

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#617859

From"F. W." <me@home.invalid>
Date2024-03-22 06:56 +0100
Message-ID<utj6i0$1lt3d$1@solani.org>
In reply to#617858
Am 22.03.2024 um 01:54 schrieb Lars Gebauer:

> | Rockström: Ja, man könnte sagen: Die Erde tut alles, um uns zu helfen.
> | So ähnlich wie eine Mutter, die ihre Kinder beschützen will.
> | Allerdings ist diese Mutter jetzt selbst schwer krank.

Es gibt sie immer noch: die alte Einstellung aus der Steinzeit, dass 
jemand die Natur um den Menschen herum gestaltet hat.

Die Natur funktioniert andersherum: der Mensch hat sich der Natur 
angepasst, nicht die Natur dem Menschen.

Folgerichtig braucht es keinen Gott.

FW

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#617865

FromDietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de>
Date2024-03-22 07:39 +0100
Message-ID<20240322073938.7262d055.dietz.usenet@rotfl.franken.de>
In reply to#617859
"F. W." <me@home.invalid> wrote:

> Am 22.03.2024 um 01:54 schrieb Lars Gebauer:
> 
> > | Rockström: Ja, man könnte sagen: Die Erde tut alles, um uns zu
> > | helfen. So ähnlich wie eine Mutter, die ihre Kinder beschützen
> > | will. Allerdings ist diese Mutter jetzt selbst schwer krank.  
> 
> Es gibt sie immer noch: die alte Einstellung aus der Steinzeit, dass 
> jemand die Natur um den Menschen herum gestaltet hat.

Ihr beiden Sonderspezialexperten. Die euch angetragenen Forschungs- und
Lehraufträge habt ihr beide ausgeschlagen weil man weiß ja wie die
sind, gell.

Soviel Soderkompetenz auf einem Haufen. Unglaublich.

-- 
+++ATH

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#617871

FromGeorg Gruber <g.gruber_hauwech@gmx.net>
Date2024-03-22 10:34 +0100
Message-ID<141FEEB635953BFD@ggruber793.news.solani.org>
In reply to#617865
Am 22.03.2024 um 07:39 schrieb Dietz Proepper:
> "F. W." <me@home.invalid> wrote:
> 
>> Am 22.03.2024 um 01:54 schrieb Lars Gebauer:
>>
>>> | Rockström: Ja, man könnte sagen: Die Erde tut alles, um uns zu
>>> | helfen. So ähnlich wie eine Mutter, die ihre Kinder beschützen
>>> | will. Allerdings ist diese Mutter jetzt selbst schwer krank.
>>
>> Es gibt sie immer noch: die alte Einstellung aus der Steinzeit, dass
>> jemand die Natur um den Menschen herum gestaltet hat.
> 
> Ihr beiden Sonderspezialexperten. Die euch angetragenen Forschungs- und
> Lehraufträge habt ihr beide ausgeschlagen weil man weiß ja wie die
> sind, gell.
> 
> Soviel Soderkompetenz auf einem Haufen. Unglaublich.

Das Wort ist Suderkompetenz.

-- 
LG Georg

Löwen föhnen ist keine TikTok-Challenge.

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#617904

FromDietz Proepper <dietz.usenet@rotfl.franken.de>
Date2024-03-22 19:40 +0100
Message-ID<20240322194040.78934d70.dietz.usenet@rotfl.franken.de>
In reply to#617871
Georg Gruber <g.gruber_hauwech@gmx.net> wrote:

> Am 22.03.2024 um 07:39 schrieb Dietz Proepper:
> > Soviel Soderkompetenz auf einem Haufen. Unglaublich.  
> 
> Das Wort ist Suderkompetenz.

Einigen wir uns auf Sudelkompetenz :-)

-- 
+++ATH

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#617915

FromNed Kelly <ned.kelly@nefkom.net>
Date2024-03-22 21:45 +0100
Message-ID<utkqlf$1moot$1@solani.org>
In reply to#617904
Am 22.03.2024 um 19:40 schrieb Dietz Proepper:
> Georg Gruber <g.gruber_hauwech@gmx.net> wrote:
> 
>> Am 22.03.2024 um 07:39 schrieb Dietz Proepper:
>>> Soviel Soderkompetenz auf einem Haufen. Unglaublich.
>>
>> Das Wort ist Suderkompetenz.
> 
> Einigen wir uns auf Sudelkompetenz :-)

Söderkonferenz?

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#617876

FromLars Gebauer <lgebauer@live.de>
Date2024-03-22 12:02 +0100
Message-ID<utjofr$2saeo$1@dont-email.me>
In reply to#617859
Am 22.03.2024 um 06:56 schrieb F. W.:
> Am 22.03.2024 um 01:54 schrieb Lars Gebauer:
>> | Rockström: Ja, man könnte sagen: Die Erde tut alles, um uns zu helfen.
>> | So ähnlich wie eine Mutter, die ihre Kinder beschützen will.
>> | Allerdings ist diese Mutter jetzt selbst schwer krank.
> 
> Es gibt sie immer noch: die alte Einstellung aus der Steinzeit, dass 
> jemand die Natur um den Menschen herum gestaltet hat.

Über die Vorstellungen der Menschen in der Steinzeit ist nichts bekannt. 
Schriftliche Überlieferungen gibt es nicht und die paar erhaltenen 
Artefakte lassen keine Deutungen abseits von Spekulationen zu.

Rockströms Motiv entstand so in der 2. Hälfte, gegen Ende des 18. Jh. 
und genoß insbesondere innerhalb des Adels eine gewisse Popularität. Es 
geriet aber wieder in Vergessenheit bis es in der 2. Hälfte, gegen Ende 
des 19. Jh., erneut aufgewärmt wurde.

Ab da entfaltete es aber durchaus eine gewisse Wirkmacht. Diesmal 
insbesondere, weil es von weiten Teilen des Bildungs-Bürgertums 
aufgegriffen wurde. Denen erschien diese romantizistische Vorstellung 
durchaus plausibel und das äußerte sich konkret auch darin, daß weite 
Teile der Lebensreform-Bewegung sie zu ihrem Leitbild machten. Freilich 
in gewissen Varianten - aber im Kern immer gleich.

Seit dem ist der Quatsch eigentlich nicht mehr wegzudenken und treibt 
immer neue, teils immer skurrilere Blüten. Bis in die Gegenwart, wie 
Rockström zeigt.

> Die Natur funktioniert andersherum: der Mensch hat sich der Natur 
> angepasst, nicht die Natur dem Menschen.

Zuerst einmal muß klar sein, daß "die Natur" völlig unabhängig vom 
Menschen existiert, nichtsdestotrotz der Mensch aber auch ein Teil 
dieser Natur ist. Der Planet existiert auch ganz gut ohne den Menschen, 
umgekehrt sieht das schon trüber aus. Was der Mensch macht oder tut ist 
aber nicht etwa "unnatürlich" (auch wenn manch' Spinnerte das gerne 
behaupten), sondern Teil einer natürlichen Anpassungsleistung an von der 
Natur gegebene Umstände.

> Folgerichtig braucht es keinen Gott.

Na offensichtlich aber schon, denn Religionen entstanden schließlich 
nicht ohne Grund. Deren Entstehung als Erklärung des Unerklärbaren zu 
deuten ist zwar nicht falsch, greift aber viel zu kurz.

Tatsächlich wurden um die größeren Religionen herum komplexe 
philosophische Systeme (teils pro, teils contra) entwickelt - und genau 
die sind es, an denen der Mensch Bedarf hat. Eine Gott ablehnende 
Einstellung kann es schließlich nur geben, weil es auch eine Gott 
zustimmende Einstellung gibt. Und umgekehrt. Das treibt dann eine 
reflektive Dynamik voran, ohne die eigentlich keine Entwicklung denkbar ist.

-- 
„Wenn Sie für Ihr Experiment Statistiken brauchen, dann sollten Sie 
lieber ein besseres Experiment machen.“
                             --Ernest Rutherford

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#617880

FromHartmut Ott <hottm@arcor.de>
Date2024-03-22 12:54 +0100
Message-ID<l659rcF8k37U1@mid.individual.net>
In reply to#617859
Hej,

Am 22.03.24 um 06:56 schrieb F. W.:
> Am 22.03.2024 um 01:54 schrieb Lars Gebauer:
> 
>> | Rockström: Ja, man könnte sagen: Die Erde tut alles, um uns zu helfen.
>> | So ähnlich wie eine Mutter, die ihre Kinder beschützen will.
>> | Allerdings ist diese Mutter jetzt selbst schwer krank.
> 
> Es gibt sie immer noch: die alte Einstellung aus der Steinzeit, dass
> jemand die Natur um den Menschen herum gestaltet hat.
> 
> Die Natur funktioniert andersherum: der Mensch hat sich der Natur
> angepasst, nicht die Natur dem Menschen.


Ja, der Mensch hat sich der Natur angepasst und dann begonnen die Natur 
zu ändern. Oder ist das abholzen ganzer Wälder etwa eine Anpassung an 
die Natur? Oder wie es die nordamerikanischen Indianer machten, die 
Umformung der Landschaft in eine, die die Jagd auf Tiere begünstigt, 
wofür auch Bäume gefällt werden mussten.


> Folgerichtig braucht es keinen Gott.


Lt. dem Spiegel Artikel begann der heute christliche Gott mal als 
Vulkangott. Menschen schaffen sich die Götter und glauben dann daran, 
jedenfalls recht viele.


-- 
--
mfg
Hartmut Ott
--

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#617882

FromLars Gebauer <lgebauer@live.de>
Date2024-03-22 13:15 +0100
Message-ID<utjsov$2svin$2@dont-email.me>
In reply to#617880
Am 22.03.2024 um 12:54 schrieb Hartmut Ott:
> Am 22.03.24 um 06:56 schrieb F. W.:
>> Die Natur funktioniert andersherum: der Mensch hat sich der Natur
>> angepasst, nicht die Natur dem Menschen.
> 
> Ja, der Mensch hat sich der Natur angepasst

Der Mensch ist *Teil* der "Natur". So, wie jedes andere Tier oder jede 
Pflanze auch. Der Mensch ist nix irgendwie Bösartiges, was von 
irgendwoher außerhalb über die arme Erde hergefallen ist.

> und dann begonnen die Natur zu ändern.

Spätestens ab dem Moment, wo die Menschen das Herumwandern satt hatten, 
sesshaft wurden und Felder anlegten. Teil der Anpassungsleistung, Teil 
der normalen Entwicklung.

-- 
„Wenn Sie für Ihr Experiment Statistiken brauchen, dann sollten Sie 
lieber ein besseres Experiment machen.“
                             --Ernest Rutherford

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#617916

FromFidel Sebastián Hunrichse-Lara <Fidel-Sebastian_Hunrichse_Lara@b.maus.de>
Date2024-03-22 23:21 +0100
Message-ID<utl098$368l7$1@dont-email.me>
In reply to#617880
Salve allerseits,

Hartmut Ott schrieb:
> Am 22.03.24 um 06:56 schrieb F. W.:
>> 
>> Folgerichtig braucht es keinen Gott.
> 
> Lt. dem Spiegel Artikel begann der heute christliche Gott mal als 
> Vulkangott. Menschen schaffen sich die Götter und glauben dann daran, 
> jedenfalls recht viele.
> 
+--- <hier abknabbern> ---
| Als Gott seiner Ehefrau müde geworden war, tat er, was Männer heute in
| der gleichen Situation auch tun würden: Er nahm sich einen Anwalt. Der
| Anwalt hieß Hosea und er lebte im 8. Jahrhundert vor Christus in Israel,
| dem nördlichen der beiden hebräischen Königreiche.
|
| Der Scheidebrief, den Hosea im Namen seines mächtigen Mandanten
| ausstellte, ist in den Prophetenbüchern der Bibel überliefert: „Sprecht
| das Urteil über eure Mutter. Sie sei nicht mein Weib und ich will sie
| nicht haben“ übersetzte Luther die entsprechende Stelle (Hosea 2,4). In
| der modernen katholischen Einheitsübersetzung heißt es: „Verklagt eure
| Mutter, verklagt sie! Denn sie ist nicht meine Frau, und ich bin nicht
| ihr Mann.“ Und der Kommentar der „Jerusalemer Bibel“ ergänzt: „Diese
| Wendungen sind für Mesopotamien als juristische Ehescheidungsformeln
| bezeugt; wahrscheinlich waren sie ebenso in Israel gebräuchlich.“
|
| *Gott macht seinem Volk den Prozess*
|
| Zweieinhalb Jahrtausende lang haben die Ausleger der Bibel diesen Text
| als ein bloßes rhetorisches Bild interpretiert. Gott, so sagen sie,
| mache seinem untreu gewordenen Volk Israel den Prozess, weil es wieder
| einmal Götzendienst und Hurerei betreibe.
|
| Aber trotz aller geistigen Anstrengungen können jüdische und christliche
| Interpreten doch die Tatsache nicht ignorieren, dass hier eindeutig ein
| Vater (Gott) gegenüber seinen Kindern (dem Volk Israels) über die
| Untreue ihrer Mutter klagt und die Brut auffordert, gefälligst nicht
| mehr mit der Untreuen solidarisch zu sein: „Heißt sie, ihre Hurerei von
| ihr wegtun und ihre Ehebrecherei von ihren Brüsten“ schrieb Luther.
| Deutlicher noch spricht es die Einheitsübersetzung aus: „Sie soll von
| ihrem Gesicht das Dirnenzeichen entfernen/ und von ihren Brüsten die
| Male des Ehebruchs.“
|
| „*Ihre Mutter ist eine Hure*“
|
| Wer aber war die Frau, über die der betrogene Ehemann Gott zetert, ihre
| Kinder seien „Hurenkinder und ihre Mutter ist eine Hure, und die sie
| getragen hat/ verhält sich schändlich und spricht: Ich will meinen
| Buhlen nachlaufen“?
|
| Die einzige ernstzunehmende Kandidatin ist die Göttin Aschera.
| Mittlerweile geht die Mehrheit der Forscher davon aus, dass diese Göttin
| sowohl in Israel als auch in Juda jahrhundertelang nicht nur neben dem
| biblischen Gott Jahwe verehrt wurde – sogar im Tempel zu Jerusalem ließ
| der König Manasse ihr Bildnis aufstellen (2. Kön., 21, 7) –, sondern
| dass sie im Bewusstsein der Menschen als Jahwes Frau oder doch zumindest
| als seine Gefährtin angesehen wurde. Auf Inschriften heißt es etwa: „Ich
| segne euch durch YHWH von Samaria und durch seine Aschera.“ oder
| „Gesegnet sei Uriyahu durch YHWH und von seinen Bedrängern hat er ihn
| gerettet durch seine Aschera.“
|
| *Eine Geschichte wie aus einem Dan-Brown-Roman*
|
| Gott soll also verheiratet gewesen sein? Und seit über 2500 Jahren
| versuchen christliche und jüdische Orthodoxe die Erinnerung an dieses
| Eheleben auszulöschen? Das klingt nach dem Szenario für einen neuen
| Dan-Brown-Roman. Der Amerikaner hat mit seinem Buch „Sakrileg“ und dem
| darauf beruhenden Film „Der Da-Vinci-Code“ Millionen Menschen in aller
| Welt mit der Legende vertraut gemacht, Maria Magdalena sei die Ehefrau
| von Jesus Christus gewesen und beide hätten sogar Kinder miteinander
| gehabt. Allen Gläubigen, die davon schockiert waren, muss man jetzt also
| sagen: Es kommt noch schlimmer.
|
| Denn die Idee eines einzigen Gottes ist relativ neu. Bis zum 7.
| Jahrhundert hatten die Völker von Israel und Juda kaum Schwierigkeiten
| damit, mehreren Göttern zu huldigen - genauso wie es Griechen, Römer,
| Phönizier, Ägypter, Babylonier und alle anderen Zeitgenossen des Alten
| Testaments taten. Der Prophet Hosea, der Aschera Gottes Scheidebrief
| zustellen wollte, blieb ein ziemlicher einsamer Rufer in der Wüste. Die
| Kinder Israels wollten ihr Mutter nicht verklagen und verstoßen. Erst
| der König Josia, der von 639-609 über das südliche Hebräer-Königreich
| Juda herrschte, beseitigte mit einer großen religiösen Reform alle
| Kulte, die nicht Jahwe huldigten.
|
| *König Josia will der Vielgötterei ein Ende setzen*
|
| Damals bekamen auch die vielfach umgeschriebenen Texte des Alten
| Testaments erst ihre heutige Gestalt. Josias Bibel-Redakteure bemühten
| sich, alle Hinweise auf die früher ganz alltägliche Vielgötterei zu
| eliminieren. Sie gingen noch weiter: Sie veröffentlichten ein angeblich
| im Tempel gefundenes uraltes Gesetzeswerk, das den strengen Monotheismus
| als ursprüngliche und einzig akzeptable Religion der Hebräer darstellte
| – wahrscheinlich handelte es sich bei diesem „wiedergefundenen“
| Gesetzbuch um das sogenannte „fünfte Buch Mose“, das Deuteronomium. Mit
| dessen Hilfe konnte die Verehrung von Gottheiten wie Aschera oder Baal
| als etwas beschrieben, das dem Volk Israels wesensfremd war und auch
| prompt von Jahwe grausam bestraft wurde.
|
| Doch Bernhard Lang, Autor von „Jahwe. Der biblische Gott“ schreibt dazu:
| „Israels Religion entstand in einer Welt des Polytheismus, und ihre
| früheste erkennbare Gestalt ist durch die Verehrung von vielen
| Gottheiten – Göttern und Göttinnen – gekennzeichnet. Diese frühe Phase
| der israelitischen Religion hat in der Bibel noch mancherlei Spuren
| hinterlassen, obgleich die Heilige Schrift alles zu unterdrücken pflegt,
| was der etablierten Lehre widerspricht.“
|
| *Aschera nahm die Gestalt eines Baumes an*
|
| Trotzdem taucht das Wort Aschera etwa vierzigmal in der Bibel auf.
| Häufig ist damit auch ein Kultpfahl gemeint, denn Aschera nahm oft die
| Gestalt eines Baumes an. Man darf sich den verliebten Jahwe also als
| Baumknutscher vorstellen. Erst als die Erinnerung an die Göttin
| allmählich verblasste, lebte ihr Name als Bezeichnung eines hölzernen
| Ritualgegenstands weiter.
|
| Wer war diese Aschera, die von einer derart herausgehobenen Position in
| der alten hebräischen Götterwelt in die totale Verdammnis
| herabgeschleudert wurde? Sie war eine Fruchtbarkeitsgöttin, deren
| Ursprung in der syrischen Steppe liegt, schreibt die amerikanische
| Forscherin Judith M. Hadley. Dort hieß sie Aratum, war die Gefährtin des
| Gottes Amurru. Später war sie die Hauptgöttin im Pantheon des
| Stadtstaats Ugarit (nahe der heutigen Hafenstadt Latakia in Syrien), der
| seine Blütezeit von etwa 1400 bis 1200 v. Chr. hatte.
|
| *Jahwe kann man sich also als Baumknutscher vorstellen*
|
| Der deutsche Forscher Christian Frevel nimmt auch an, dass Aschera als
| Ehefrau des Gottes El in den kanaanäischen Regionen Palästinas
| betrachtet wurde. Anders als die Bibel schreibt, hat es aber
| wahrscheinlich niemals eine Eroberung Kanaans durch die Hebräer unter
| ihrem König Josua gegeben. Alle archäologischen Funde sprechen vielmehr
| dafür, dass das Volk Israel größtenteils im Lande entstanden ist und
| seine Religion zunächst nicht mehr als ein „Unterfall“ (Frevel) der
| syrisch-kanaanäischen Religionen war. Ursprünglich sei Jahwe
| wahrscheinlich ein Berggott des Hadad-Typus, also ein Wettergott aus
| Nordarabien mit Ausstrahlung ins südliche Palästina gewesen.
|
| Irgendwann, so nimmt Frevel an, sei dann El durch Jahwe abgelöst oder
| verdrängt worden – und dieser übernahm von jenem die Frau. Schon im 13.
| Jahrhundert wird Aschera möglicherweise von den Hebräern verehrt, ganz
| sicher jedoch vom 10. Jahrhundert an. Während der männliche Baal im
| Rahmen des hebräischen Polytheismus durchaus als Konkurrent Jahwes
| empfunden wurde, scheint die Paarung Jahwes mit Aschera jahrhundertelang
| keinen Anstoß erregt zu haben.
|
| *Die Göttin war normaler Bestandteil der Volksreligion*
|
| Laut Frevel war der Ascherakult ein „akzeptiertes Moment der
| vorexilischen Religion.“ Zwar wurde sie wahrscheinlich nicht im Tempel
| zu Jerusalem verehrt (sonst hätte das Bildnis, das Manasse dort
| aufstellen ließ, kaum Aufsehen erregt), aber sie war ganz normaler
| Bestandteil der Volksreligion, die bei den Hebräern von den Sippen und
| ihren Ältesten auf naturgegebenen Altären (den „Höhen“ in der biblischen
| Sprache) gepflegt wurde.
|
| Dafür spricht auch, dass die Propheten, wenn sie wieder und wieder
| irgendwelche Könige Israels und Judas wegen Abgötterei verdammen immer
| von Baal reden, aber fast nie von Aschera. Hadley hält die wenigen
| Formeln, in denen Baal und Aschera gemeinsam verdammt werden, für
| Versuche der Religionsreformer um Josia, den bis zum 7. Jahrhundert
| legitimen Kult der Göttin Misskredit zu bringen.
|
| *Monotheismus als Kriegslist*
|
| Doch warum entstand schließlich in Israel und Juda eine Bewegung, die
| nur noch einen einzigen Gott verehren wollte? Wahrscheinlich steckt
| dahinter ursprünglich ein Kriegsbrauch. Im Buch der Richter wird
| erzählt, wie die Hebräer sich während einer Bedrohung durch die
| Ammoniter ihrer sonstigen Götter entledigten: „Sie entfernten die
| fremden Götter aus ihrer Mitte und dienten Jahwe. Da konnte er das Elend
| Israels nicht länger ertragen.“ Doch Bernhard Lang ist sich sicher:
| Solche Pflicht zur Alleinverehrung galt nur für die Zeit des Krieges –
| danach durfte man sich wieder an die anderen Götter wenden. Es war
| gewissermaßen ein Trick, mit dem man vom launischen Jahwe das
| Kriegsglück erzwingen wollte.
|
| Auch andere alte semitische Gottheiten waren für solche Schmeicheleien
| empfänglich. So erzählt das 1700 v. Chr. entstandene babylonische
| Atramchasis-Epos eine ganz ähnliche Geschichte: Dort beschließen die
| Götter die Menschheit durch eine Dürre zu vernichten. Aber Enki rät
| ihnen, ausschließlich den Regengott Adad zu verehren. Dieser ist so
| geschmeichelt, dass er nachts Tau schickt und das Getreide wachsen kann.
| Die Menschheit ist gerettet.
|
| *Der längste Scheidungsprozess aller Zeiten*
|
| Genauso hofften die israelitischen Heerführer, sich Jahwes Beistand
| sichern zu können. In den Krisenzeiten des 8. und 7. Jahrhunderts – als
| die beiden hebräischen Königreiche Israel im Norden und Juda im Süden
| dem Ansturm der Assyrer und Babylonier zum Opfer fielen – seien diese
| Ausnahmeregelungen dann zur dauerhaften Norm erhoben worden, glaubt
| Bernhard Lang.
|
| Aber erst nachdem die hebräischen Eliten aus der Verschleppung ins
| babylonische Exil zurückgekehrt waren, wurde die Vielgötterei endgültig
| ausgerottet. Jahwe, so schreibt Christian Frevel, „ist wieder
| partnerlos, allerdings im Unterschied zur Frühzeit als ,Witwer‘.“
| „Witwer“ trifft es nicht ganz. Denn die Verstoßene war ja nicht [ganz]
| tot, und der Ascherakult führte noch eine Weile ein Schattendasein auf
| dem Lande.
+--- </hier abknabbern> ---

©<https://www.welt.de/kultur/article112208654/Gottes-geschiedene-Frau-heisst-Aschera.html>

	M.f.G.

-- 
Diese E-Mail-Adresse wird nur aus nostalgischen Gründen verwendet. Sie
wird praktisch nie gelesen.  Das MausNet ist nicht tot – es riecht nur
etwas komisch... ;-)

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#617952

FromHartmut Ott <hottm@arcor.de>
Date2024-03-24 15:09 +0100
Message-ID<l6aqh2F3jurU1@mid.individual.net>
In reply to#617916
Hej,

Am 22.03.24 um 23:21 schrieb Fidel Sebastián Hunrichse-Lara:


>> Lt. dem Spiegel Artikel begann der heute christliche Gott mal als 
>> Vulkangott. Menschen schaffen sich die Götter und glauben dann daran, 
>> jedenfalls recht viele.


> | Doch Bernhard Lang, Autor von „Jahwe. Der biblische Gott“ schreibt dazu:
> | „Israels Religion entstand in einer Welt des Polytheismus, und ihre
> | früheste erkennbare Gestalt ist durch die Verehrung von vielen
> | Gottheiten – Göttern und Göttinnen – gekennzeichnet. Diese frühe Phase
> | der israelitischen Religion hat in der Bibel noch mancherlei Spuren
> | hinterlassen, obgleich die Heilige Schrift alles zu unterdrücken pflegt,
> | was der etablierten Lehre widerspricht.“


Mein Großvater (Steinbildhauer/Steinmetz) hat beim Familiengrab ein 
Kreuz aufgestellt, Inschrift: Zuflucht ist beim alten Gott.

Steht ja auch so in der Bibel.


-- 
--
mfg
Hartmut Ott
--

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#617956

FromMichael Strauß <netnews-es@mail.mszet.de>
Date2024-03-24 17:03 +0000
Message-ID<l6b4niF5jdgU1@mid.individual.net>
In reply to#617859
>Es gibt sie immer noch: die alte Einstellung aus der Steinzeit, dass 
>jemand die Natur um den Menschen herum gestaltet hat.
>
>Die Natur funktioniert andersherum: der Mensch hat sich der Natur 
>angepasst, nicht die Natur dem Menschen.

Es ist scheißegal wie und was es war. Nun ist es so, dass der Mensch mit
 bald 12 Mrd. Exemplaren einen wesentlichen, vielleicht auch größten Anteil
 des lebenden Planeten ausmacht. Die Masse menschlicher (d.h. künstlicher)
 Artefakte übersteigt die Biomasse (einschließlich der menschlichen) bei
 weitem.

Wenn die Biosphäre in irgendeiner Weise überleben soll, kommt der Mensch
 nicht umhin sowohl sich selbst als auch seine Umwelt zu kontrollieren und
 passend zu manipulieren das heißt zu regulieren.

Das ist ein offener Prozess. Niemand weiss ob und wie das ausgeht.
Und es könnte dazu bereits zu spät sein.


>Folgerichtig braucht es keinen Gott.
Der Mensch ist sein eigener Gott. Aber da er nicht göttlich sondern
 beschränkt ist kann er nicht wissen, sondern muss glauben.

Grüße
Michael Strauß

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