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Groups > ger.ct > #466653 > unrolled thread

Kulturelle Aneignung

Started by"Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org>
First post2020-09-27 19:04 +0200
Last post2020-09-28 14:24 +0200
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Contents

  Kulturelle Aneignung "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2020-09-27 19:04 +0200
    Re: Kulturelle Aneignung Michael Bode <m.g.bode@web.de> - 2020-09-27 19:32 +0200
    Re: Kulturelle Aneignung Gerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de> - 2020-09-27 19:39 +0200
      Re: Kulturelle Aneignung "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2020-09-27 19:46 +0200
        Re: Kulturelle Aneignung Gerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de> - 2020-09-27 19:53 +0200
      Re: Kulturelle Aneignung Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2020-09-27 23:43 -0700
    Re: Kulturelle Aneignung Goetz Schultz <ng.expire1220@goetz.co.uk> - 2020-09-27 18:43 +0100
    Re: Kulturelle Aneignung Herwig Huener <herwig.huener@t-online.de> - 2020-09-27 14:56 -0700
    Re: Kulturelle Aneignung Rainer Knaepper <rainerk@smial.prima.de> - 2020-09-28 00:14 +0200
      Re: Kulturelle Aneignung Herwig Huener <herwig.huener@t-online.de> - 2020-09-28 02:43 -0700
      Re: Kulturelle Aneignung Hartmut Ott <hottm@arcor.de> - 2020-09-28 14:00 +0200
        Re: Kulturelle Aneignung Rainer Knaepper <rainerk@smial.prima.de> - 2020-09-28 23:19 +0200
          Re: Kulturelle Aneignung Hartmut Ott <hottm@arcor.de> - 2020-09-30 14:47 +0200
        Re: Kulturelle Aneignung Martin Gerdes <martin.gerdes@gmx.de> - 2020-09-28 23:46 +0200
      Re: Kulturelle Aneignung Hermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de> - 2020-09-29 09:28 +0200
    Re: Kulturelle Aneignung hc.ahlmann@gmx.de (HC Ahlmann) - 2020-09-28 06:28 +0200
    Re: Kulturelle Aneignung Ruediger Lahl <ruediger.lahl@gmx.de> - 2020-09-28 07:34 +0200
      Re: Kulturelle Aneignung "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2020-09-28 08:15 +0200
        Re: Kulturelle Aneignung Gerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de> - 2020-09-28 08:24 +0200
          Re: Kulturelle Aneignung Dietz Proepper <dietz-usenet@rotfl.franken.de> - 2020-09-28 09:22 +0200
    Re: Kulturelle Aneignung Dietz Proepper <dietz-usenet@rotfl.franken.de> - 2020-09-28 09:18 +0200
      Re: Kulturelle Aneignung Ulf.Kutzner@web.de - 2020-09-28 01:19 -0700
        Re: Kulturelle Aneignung Matthias Wendt <wendt2@schumann-ga.de> - 2020-09-28 17:10 +0200
          Re: Kulturelle Aneignung Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2020-09-28 08:29 -0700
            Re: Kulturelle Aneignung Peter McD <peter.posts@gmx.net> - 2020-09-28 18:15 +0200
              Re: Kulturelle Aneignung Johannes Leckebusch <jlnospam@johannes-leckebusch.de> - 2020-09-28 20:03 +0200
                Re: Kulturelle Aneignung Ulf.Kutzner@web.de - 2020-09-28 12:33 -0700
                  Re: Kulturelle Aneignung Dietz Proepper <dietz-usenet@rotfl.franken.de> - 2020-09-28 21:56 +0200
                    Re: Kulturelle Aneignung Ulf.Kutzner@web.de - 2020-09-28 13:04 -0700
                    Re: Kulturelle Aneignung Sebastian Wolf <invalid@invalid.com> - 2020-09-28 23:06 +0200
              Re: Kulturelle Aneignung Johannes Leckebusch <jlnospam@johannes-leckebusch.de> - 2020-09-28 22:15 +0200
        Re: Kulturelle Aneignung Dietz Proepper <dietz-usenet@rotfl.franken.de> - 2020-09-28 21:55 +0200
          Re: Kulturelle Aneignung Ulf.Kutzner@web.de - 2020-09-28 13:02 -0700
          Re: Kulturelle Aneignung Diedrich Ehlerding <diedrich.ehlerding@t-online.de> - 2020-09-29 08:16 +0200
            Re: Kulturelle Aneignung Dietz Proepper <dietz-usenet@rotfl.franken.de> - 2020-09-29 08:57 +0200
              Re: Kulturelle Aneignung Diedrich Ehlerding <diedrich.ehlerding@t-online.de> - 2020-09-29 09:19 +0200
                Re: Kulturelle Aneignung Wolfgang Kynast <wky@gmx.de> - 2020-09-29 09:25 +0200
                  Re: Kulturelle Aneignung "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2020-09-29 09:48 +0200
                    Re: Kulturelle Aneignung Ulf.Kutzner@web.de - 2020-09-29 02:51 -0700
                  Re: Kulturelle Aneignung Ulf.Kutzner@web.de - 2020-09-29 02:49 -0700
                Re: Kulturelle Aneignung Ulf.Kutzner@web.de - 2020-09-29 02:47 -0700
            Re: Kulturelle Aneignung Ulf.Kutzner@web.de - 2020-09-29 00:15 -0700
    Re: Kulturelle Aneignung Lothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de> - 2020-09-28 00:35 -0700
      Re: Kulturelle Aneignung Andreas Bockelmann <xotzil@gmx.de> - 2020-09-28 16:06 +0200
    Re: Kulturelle Aneignung Lars Gebauer <lgebauer@live.de> - 2020-09-28 14:24 +0200

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#466653 — Kulturelle Aneignung

From"Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org>
Date2020-09-27 19:04 +0200
SubjectKulturelle Aneignung
Message-ID<rkqgnn$a0q$1@solani.org>
Kulturelle Aneignung ist etwas ausserordentlich Übles und Verwerfliches,
konnte man unlängst lernen. Als Indianer will sagen Native American
verkleiden im Fasching. Oder in albernster wenn auch sicher ernst
gemeinter Weise einen unpassenden Maori Kriegstanz "Haka" aufführen.

https://www.mopo.de/news/panorama/-querdenker--maori-vertreter-entsetzt-ueber--haka--der-deutschen-corona-schwurbler-37302988

Echte Trottel.

So weit so gut.

Aber was mach ich denn jetzt? Darf ich als in Bayern aufgewachsener  und
da lebender  nur mehr Schuahplattler tanzen, schenkelklopfend, und diese
unsäglichen Schnadahüpferl singen? (so ein komischer schräger Reim mit
persistent falscher holpriger Betonung aller unwichtigen Silben).

Und nicht mal das darf ich, denn damit bin ich nicht groß geworden, das
ist nicht mein genuiner Kulturkreis. Was macht man wenn beide Eltern
Kriegs-Vertriebene waren, der Vater Sudetendeutscher, die Mutter
Donauschwäbin, deren Vorfahren irgendwann vor 200 Jahren die Donau und
Theiss hinunterzogen. Czardas tanzen und dazu  Woidler-Märchen von
Rübezahl aus dem Erzgebirge rezitieren? Passt irgendwie auch nicht.

Das wird schwierig wenn man keine Fremdeinflüsse mehr aufnehmen darf.
Bisschen engstirnig kommt es mir ja auch vor. Weltoffen ist was anderes.

Was dürft Ihr denn noch machen? Stefan kann ja Wiener Walzer tanzen,
immerhin.
Was macht man in den neuen Bundesländern, was im Norden und Westen der
Republik?

Nicht komplett ernst gemeinte Grüße zum Sonntagabend

Joachim

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#466656

FromMichael Bode <m.g.bode@web.de>
Date2020-09-27 19:32 +0200
Message-ID<htc0m2FbvvkU1@mid.individual.net>
In reply to#466653
"Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> writes:

> Kulturelle Aneignung ist etwas ausserordentlich Übles und Verwerfliches,

Ich hab mich auch richtig kulturell ausgebeutet gefühlt, als ich in
Hongkong Anfang Oktober Weihnachstdeko in den Shopping Malls gesehen
habe.

Was erlaube Chinese?!

-- 
Sent from my Galaxy Tab

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#466658

FromGerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de>
Date2020-09-27 19:39 +0200
Message-ID<rkqioa$dnv$1@news.bawue.net>
In reply to#466653
On 9/27/20 7:04 PM, Dr. Joachim Neudert wrote:
> Kulturelle Aneignung ist etwas ausserordentlich Übles und Verwerfliches,
> konnte man unlängst lernen.

Sagt wer? Eigenschaften anderer Kulturen wurden schon immer übernommen 
wenn sie gefielen und/oder vorteilhaft waren. Das ist nicht nur im 
Westen so sondern überall.


  Gerrit

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#466660

From"Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org>
Date2020-09-27 19:46 +0200
Message-ID<rkqj5d$c3d$1@solani.org>
In reply to#466658
Am 27.09.20 um 19:39 schrieb Gerrit Heitsch:
> On 9/27/20 7:04 PM, Dr. Joachim Neudert wrote:
>> Kulturelle Aneignung ist etwas ausserordentlich Übles und Verwerfliches,
>> konnte man unlängst lernen.
> 
> Sagt wer? Eigenschaften anderer Kulturen wurden schon immer übernommen
> wenn sie gefielen und/oder vorteilhaft waren. Das ist nicht nur im
> Westen so sondern überall.
> 
> 
>  Gerrit
> 

"Mit einer anderen Akzentuierung wird kulturelle Aneignung (englisch
cultural appropriation) in der US-amerikanischen
Critical-Whiteness-Bewegung genutzt. Die Critical Whiteness Bewegung
entstand, in den 1960er Jahren aus der Bewegung gegen Rassentrennung
heraus. Critical Whiteness bezieht sich auf die Privilegien, die weiße
Menschen, oft unbewusst, im Alltag erleben und als selbstverständlich
erachten.[2] Der Begriff Kulturelle Aneignung dient hier u. a. zur
Reflexion von Macht- und Diskriminierungsverhältnissen, auf deren
Grundlage traditionelle Gegenstände der materiellen Kultur verschiedener
Ethnien als Substrat für Kommerzialisierungsprozesse instrumentalisiert
werden. Diese Form kultureller Aneignung wird kritisiert, da die
betroffenen Kulturen verloren gehen oder verfälscht werden könnten.
Zudem kann die externe Kommerzialisierung die wirtschaftliche Betätigung
in den betroffenen Ethnien beeinträchtigen."




"Cultural appropriation, at times also phrased cultural
misappropriation,[1][2][3] is the adoption of an element or elements of
one culture or identity by members of another culture or identity. This
can be controversial when members of a dominant culture appropriate from
disadvantaged minority cultures.[4][1][2]"

https://en.wikipedia.org/wiki/Cultural_appropriation


Dir als Angehörigem der dominanten westlichen Kultur, insbesondere in
der Ausprägung als älterer weisser Mann, steht das also genau überhaupt
nicht zu.

So ist die Lesart heute. Die USA mögen sensibler sein. Ein Maori-Haka
Tanz jedenfalls ist nichts was Du zum Ausdruck deiner Position einsetzen
darfst.

Einen Schuahplattler auch nicht!

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#466661

FromGerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de>
Date2020-09-27 19:53 +0200
Message-ID<rkqjj9$e37$1@news.bawue.net>
In reply to#466660
On 9/27/20 7:46 PM, Dr. Joachim Neudert wrote:
> Am 27.09.20 um 19:39 schrieb Gerrit Heitsch:
>> On 9/27/20 7:04 PM, Dr. Joachim Neudert wrote:
>>> Kulturelle Aneignung ist etwas ausserordentlich Übles und Verwerfliches,
>>> konnte man unlängst lernen.
>>
>> Sagt wer? Eigenschaften anderer Kulturen wurden schon immer übernommen
>> wenn sie gefielen und/oder vorteilhaft waren. Das ist nicht nur im
>> Westen so sondern überall.
>>
>>
> 
> So ist die Lesart heute. Die USA mögen sensibler sein. Ein Maori-Haka
> Tanz jedenfalls ist nichts was Du zum Ausdruck deiner Position einsetzen
> darfst.

Den der das behauptet sollte man fragen wie er dazu kommt arabische 
(eher indische) Zahlen und das lateinische Alphabet zu verwenden. Alles 
nur geklaut!

https://www.youtube.com/watch?v=yMR45cZbvDw

  Gerrit


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#466691

FromLothar Frings <Lothar.Frings@gmx.de>
Date2020-09-27 23:43 -0700
Message-ID<1505b913-6a38-4b36-84fc-6990945186d0o@googlegroups.com>
In reply to#466658
Gerrit Heitsch tat kund:

> On 9/27/20 7:04 PM, Dr. Joachim Neudert wrote:
> > Kulturelle Aneignung ist etwas ausserordentlich Übles und Verwerfliches,
> > konnte man unlängst lernen.
> 
> Sagt wer? Eigenschaften anderer Kulturen wurden schon immer übernommen 
> wenn sie gefielen und/oder vorteilhaft waren. Das ist nicht nur im 
> Westen so sondern überall.

<https://de.wikipedia.org/wiki/Ironie>

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#466659

FromGoetz Schultz <ng.expire1220@goetz.co.uk>
Date2020-09-27 18:43 +0100
Message-ID<rkqj07$r42$1@dont-email.me>
In reply to#466653
On 27/09/2020 18:04, Dr. Joachim Neudert wrote:
> Kulturelle Aneignung ist etwas ausserordentlich Übles und Verwerfliches,
> konnte man unlängst lernen. Als Indianer will sagen Native American
> verkleiden im Fasching. Oder in albernster wenn auch sicher ernst
> gemeinter Weise einen unpassenden Maori Kriegstanz "Haka" aufführen.
> 
> https://www.mopo.de/news/panorama/-querdenker--maori-vertreter-entsetzt-ueber--haka--der-deutschen-corona-schwurbler-37302988
> 
> Echte Trottel.
> 
> So weit so gut.
> 
> Aber was mach ich denn jetzt? Darf ich als in Bayern aufgewachsener  und
> da lebender  nur mehr Schuahplattler tanzen, schenkelklopfend, und diese
> unsäglichen Schnadahüpferl singen? (so ein komischer schräger Reim mit
> persistent falscher holpriger Betonung aller unwichtigen Silben).
> 
> Und nicht mal das darf ich, denn damit bin ich nicht groß geworden, das
> ist nicht mein genuiner Kulturkreis. Was macht man wenn beide Eltern
> Kriegs-Vertriebene waren, der Vater Sudetendeutscher, die Mutter
> Donauschwäbin, deren Vorfahren irgendwann vor 200 Jahren die Donau und
> Theiss hinunterzogen. Czardas tanzen und dazu  Woidler-Märchen von
> Rübezahl aus dem Erzgebirge rezitieren? Passt irgendwie auch nicht.
> 
> Das wird schwierig wenn man keine Fremdeinflüsse mehr aufnehmen darf.
> Bisschen engstirnig kommt es mir ja auch vor. Weltoffen ist was anderes.
> 
> Was dürft Ihr denn noch machen? Stefan kann ja Wiener Walzer tanzen,
> immerhin.
> Was macht man in den neuen Bundesländern, was im Norden und Westen der
> Republik?
> 
> Nicht komplett ernst gemeinte Grüße zum Sonntagabend
> 
> Joachim
> 


Klasse Artikel. Warte mal bis das anders rum ist und "Deutsches 
Kulturgut" (meinethalben auch Deine Bajuwarische Hopserei) irgendwo 
genutzt wird und sich ein Deutscher drüber beschwert. Dann wird der 
schon an der Quelle still geschaltet.

Mein Gott, soll er sich doch freuen, dass die Kultur auch woanders 
angenommen wird. Die Schotten geifern ja auch nicht rum wenn einer 
Dudelsack flötet und den Schwertertanz hoppelt. Immer erst mal ruhig 
durchatmen ....

-- 
Cheers
    G.

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#466680

FromHerwig Huener <herwig.huener@t-online.de>
Date2020-09-27 14:56 -0700
Message-ID<f39160cc-21d1-404f-8dc6-a64af64c53e0o@googlegroups.com>
In reply to#466653
2020-09-27 23:57:00 +0200

> ...

> Aber was mach ich denn jetzt? Darf ich als in Bayern aufgewachsener  und
> da lebender  nur mehr Schuahplattler tanzen, schenkelklopfend, und diese
> unsäglichen Schnadahüpferl singen?

Du bist mit Deinen ideologischen Problemen nicht allein:

https://www.youtube.com/watch?v=HxqIHhYPAoo

Herwig

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#466684

FromRainer Knaepper <rainerk@smial.prima.de>
Date2020-09-28 00:14 +0200
Message-ID<FHjJji8irLB@smial.prima.de>
In reply to#466653
neudert@5sl.org (Dr. Joachim Neudert)  am 27.09.20 um 19:04:

> Das wird schwierig wenn man keine Fremdeinflüsse mehr aufnehmen
> darf.

> Was dürft Ihr denn noch machen?

Hierzugegend ist manches anders. Die ist seit 150 Jahren und länger
Einwanderungsgebiet, quasi seit Anbeginn der Industrialisierung.

Das ist nie irgendwie gesteuert gewesen oder gar mit Begleitung durch
Politik, Forschung und Wissenschaft, sondern immer weitgehend
chaotisch gelaufen, keineswegs unproblematisch, frei von Konflikten
und Vorurteilen, und mit oft chaotischen Ergebnissen.

Wenn hier mal historisches landschaftliches Brauchtum flächendeckend
vorhanden gewesen sein sollte, dann war das schon in meiner Kindheit
weitgehend verschüttet. Abgesehen vom Kirchenjahr und der
Pflaumenkirmes im Nachbardorf. Und, klar, (Bürger-)Schützenvereine.

Eine traditionelle landschaftliche Eigenheit ist freilich noch
gelegentlich zu finden, und das sind Nachnamen. In einer Form, die
heutige EDV, Führerscheinstellen und Einwohnermeldeämter gelegentlich
zum Wahnsinn treiben, und das sind zweiteilge Nachnamen.

Es war gängige Praxis, dass Söhne des Bauers Johann sich irgendwann
Große Johann und der andere Kleine Johann nannten oder genannt wurden
und sich dieser Name festsetzte. Deren Nachkommen hießen dann
weiterhin Hans Große Johann, Hilde Große Johann oder Wilhelm Kleine
Johann. Noch schöner ist die Variante mit dem eingebauten "genannt",
einem gültigen Namesbestandteil, wie beispielsweise "Anna Krämer,
genannt Peuckmann"(1). Findet sich so oder ähnlich reihenweise in
Kirchenbüchern und wurde so auch häufig übernommen, als das
preussische Meldewesen eingeführt wurde.

Ein Glück, daß damals angeheiratete Doppelnamen wohl noch nicht üblich
waren, denn wenn nun so eine Anna Krämer, genannt Peuckelmann einen
Hinrich Kleine Brügge geheiratet und auf dem heutigen Recht auf
Doppelnamen bestanden hätte...

Da platzt doch jeder Behördenrechner ;-)

Und die Sabine wäre neidisch :-))))

Btw: Was macht man bei Musikstilen? Keine weßen Blues-Musiker mehr?
Alle alten Platten einstampfen, bei denen weiße und schwarze
Bluesmusiker zusammengespielt haben? Die komplette "weltmusik"
verbieten? "Embryo", die in Deutschland damals sehr früh darauf
einstiegen und zu führenden Protagonisten wurden, alle einbuchten?

Rainer

1) Meine Nachbarin, mittlerweise gut über 80, trägt so einen Namen.
Natürlich einen ganz anderen, mein Beispiel ist nur nach demselben
Muster konstruiert

-- 
Auf den Boards kann meinetwegen Milka oder Moulinex stehen...
solange sie funktionieren wenn man sie braucht.
(C. Tiepermann in dchc+mm)

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#466713

FromHerwig Huener <herwig.huener@t-online.de>
Date2020-09-28 02:43 -0700
Message-ID<47d72d10-e6e0-4d79-8f52-7298cb59f5f6o@googlegroups.com>
In reply to#466684
2020-09-28 11:43:00 +0200

> ...

> Es war gängige Praxis, dass Söhne des Bauers Johann sich irgendwann
> Große Johann und der andere Kleine Johann nannten oder genannt wurden
> und sich dieser Name festsetzte. Deren Nachkommen hießen dann
> weiterhin Hans Große Johann, Hilde Große Johann oder Wilhelm Kleine
> Johann. ...

   Lille Claus og Store Claus

zum Beispiel.

Herwig

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#466742

FromHartmut Ott <hottm@arcor.de>
Date2020-09-28 14:00 +0200
Message-ID<hte4i0FpsksU1@mid.individual.net>
In reply to#466684
Hej,

Am 28.09.20 um 00:14 schrieb Rainer Knaepper:



> Johann. Noch schöner ist die Variante mit dem eingebauten "genannt",
> einem gültigen Namesbestandteil, wie beispielsweise "Anna Krämer,
> genannt Peuckmann"(1). Findet sich so oder ähnlich reihenweise in
> Kirchenbüchern und wurde so auch häufig übernommen, als das
> preussische Meldewesen eingeführt wurde.


Bis die dann 18hundertschießmichtot verfügten, dass die Bezeichnung
"genannt Schultze oder wie auch immer der Name ist" nicht mehr zu führen
ist, wie aus einem Kirchbucheintag hervorgeht, wo der Pastor das
nachträglich zum Geburtseintag des uneheliches Kindes hinzugefügt hat.



-- 
--
mfg
Hartmut Ott

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#466790

FromRainer Knaepper <rainerk@smial.prima.de>
Date2020-09-28 23:19 +0200
Message-ID<FHjL36SirLB@smial.prima.de>
In reply to#466742
hottm@arcor.de (Hartmut Ott)  am 28.09.20 um 14:00:

> Bis die dann 18hundertschießmichtot verfügten,

Meine Nachbarin ist um die 80, nicht 280 Jahre alt.

Anscheinend ist dann und wann was durchgerutscht.

Rainer

-- 
Wenn in 2000 Jahren jemand etwas von unserer Zivilisation
finden will, wird er vermutlich nur Makrolonstaub finden
und ahnungslos wegpinseln.
(Carsten Kurz in maus.technik.elektronik)

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#467055

FromHartmut Ott <hottm@arcor.de>
Date2020-09-30 14:47 +0200
Message-ID<htjeb4Ftc7pU7@mid.individual.net>
In reply to#466790
Hej,

Am 28.09.20 um 23:19 schrieb Rainer Knaepper:
> hottm@arcor.de (Hartmut Ott)  am 28.09.20 um 14:00:
> 
>> Bis die dann 18hundertschießmichtot verfügten,
> 
> Meine Nachbarin ist um die 80, nicht 280 Jahre alt.
> 
> Anscheinend ist dann und wann was durchgerutscht.

Oder es galt nur für uneheliche Kinder, adoptiert war es auch weiterhin
üblich, wie man an Mannstein sehen kann.


-- 
--
mfg
Hartmut Ott

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#466792

FromMartin Gerdes <martin.gerdes@gmx.de>
Date2020-09-28 23:46 +0200
Message-ID<nbi4nf5eu8ubcd9ukv19gv0uk2int2llm5@4ax.com>
In reply to#466742
Hartmut Ott <hottm@arcor.de> schrieb:

>> Noch schöner ist die Variante mit dem eingebauten "genannt",
>> einem gültigen Namesbestandteil, wie beispielsweise "Anna Krämer,
>> genannt Peuckmann"(1). Findet sich so oder ähnlich reihenweise in
>> Kirchenbüchern und wurde so auch häufig übernommen, als das
>> preussische Meldewesen eingeführt wurde.

> Bis die dann 18hundertschießmichtot verfügten, dass die Bezeichnung
> "genannt Schultze oder wie auch immer der Name ist" nicht mehr zu führen
> ist, wie aus einem Kirchbucheintag hervorgeht, wo der Pastor das
> nachträglich zum Geburtseintag des uneheliches Kindes hinzugefügt hat.

Die Leute haben sich davon aber nicht beeindrucken lassen. Es gibt hier
in der Gegend Dörfer, in denen die Häuser den Namen tragen (vermutlich
vom ursprünglichen Erbauer). Wer in so ein Haus hineinheiratet, bekommt
den Hausnamen verpaßt. Da mag dann im Ausweis stehen "Doris Meier", man
nennt und kennt die Frau im Dorf aber als "Frau Hackenberg". Auch ein
Mann übernimmt den Namen des Hauses, wenn er hineinheiratet oder es
erwirbt.

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#466816

FromHermann Riemann <nospam.ng@hermann-riemann.de>
Date2020-09-29 09:28 +0200
Message-ID<htg60sF8dtaU1@mid.individual.net>
In reply to#466684
Am 28.09.20 um 00:14 schrieb Rainer Knaepper:

> Da platzt doch jeder Behördenrechner ;-)

Hatschi Halef Omar bin Hatschi ..

Hermann
    an Steuererklärung und Bestellformulare
    im internet denkend.

-- 
http://www.hermann-riemann.de

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#466686

Fromhc.ahlmann@gmx.de (HC Ahlmann)
Date2020-09-28 06:28 +0200
Message-ID<1oxeqoi.uw5ah1hmhekhN%hc.ahlmann@gmx.de>
In reply to#466653
Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org> wrote:

> Kulturelle Aneignung ist etwas ausserordentlich Übles und Verwerfliches,
> konnte man unlängst lernen.

"Ja, unbedingt", muss ich als Norddeutscher im Rheinland antworten, es
bewahrt mich vor Teilnahme an der
Glassplitter-Kamelle-Asphaltierungswoche.
-- 
Munterbleiben
HC

<http://hc-ahlmann.gmxhome.de/> geht am 19.11.2020 offline

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#466687

FromRuediger Lahl <ruediger.lahl@gmx.de>
Date2020-09-28 07:34 +0200
Message-ID<rks3m6.20g.1@privat.lahls.de>
In reply to#466653
*Dr. Joachim Neudert* schrieb:

> Kulturelle Aneignung ist etwas ausserordentlich Übles und Verwerfliches,
> konnte man unlängst lernen. Als Indianer will sagen Native American
> verkleiden im Fasching. Oder in albernster wenn auch sicher ernst
> gemeinter Weise einen unpassenden Maori Kriegstanz "Haka" aufführen.
>
> https://www.mopo.de/news/panorama/-querdenker--maori-vertreter-entsetzt-ueber--haka--der-deutschen-corona-schwurbler-37302988
>
> Echte Trottel.
>
> So weit so gut.
>
> Aber was mach ich denn jetzt? Darf ich als in Bayern aufgewachsener  und
> da lebender  nur mehr Schuahplattler tanzen, schenkelklopfend, und diese
> unsäglichen Schnadahüpferl singen? (so ein komischer schräger Reim mit
> persistent falscher holpriger Betonung aller unwichtigen Silben).
>
> Und nicht mal das darf ich, denn damit bin ich nicht groß geworden, das
> ist nicht mein genuiner Kulturkreis. Was macht man wenn beide Eltern
> Kriegs-Vertriebene waren, der Vater Sudetendeutscher, die Mutter
> Donauschwäbin, deren Vorfahren irgendwann vor 200 Jahren die Donau und
> Theiss hinunterzogen. Czardas tanzen und dazu  Woidler-Märchen von
> Rübezahl aus dem Erzgebirge rezitieren? Passt irgendwie auch nicht.

Na du hast Probleme... Ich bin mütterlicherseits schwedisch und
väterlicherseits indisch. Was soll ich da machen? :-)

> Was dürft Ihr denn noch machen? Stefan kann ja Wiener Walzer tanzen,
> immerhin.

Ich bin zugezogener Rheinländer. Do is einfach jeder ne Jeck. Un jeder
Jeck is anders.
-- 
bis denne

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#466688

From"Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org>
Date2020-09-28 08:15 +0200
Message-ID<rkrv2o$859$1@solani.org>
In reply to#466687
Am 28.09.20 um 07:34 schrieb Ruediger Lahl:
> *Dr. Joachim Neudert* schrieb:

> Na du hast Probleme... Ich bin mütterlicherseits schwedisch und
> väterlicherseits indisch. Was soll ich da machen? :-)

Tja...

Irgendwie scheint mir in einer globalisierten und de facto mindestens
teilweise multikulturell angelegten Welt das Verbot der "kulturellen
Aneignung" etwas rückwärts gewandt zu sein?

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#466690

FromGerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de>
Date2020-09-28 08:24 +0200
Message-ID<rkrvj4$26r$1@news.bawue.net>
In reply to#466688
On 9/28/20 8:15 AM, Dr. Joachim Neudert wrote:
> Am 28.09.20 um 07:34 schrieb Ruediger Lahl:
>> *Dr. Joachim Neudert* schrieb:
> 
>> Na du hast Probleme... Ich bin mütterlicherseits schwedisch und
>> väterlicherseits indisch. Was soll ich da machen? :-)
> 
> Tja...
> 
> Irgendwie scheint mir in einer globalisierten und de facto mindestens
> teilweise multikulturell angelegten Welt das Verbot der "kulturellen
> Aneignung" etwas rückwärts gewandt zu sein?

Nicht einmal das. Man hat sich schon immer Dinge aus anderen Kulturen 
angeeignet. Das ist der Normalzustand!

  Gerrit

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#466694

FromDietz Proepper <dietz-usenet@rotfl.franken.de>
Date2020-09-28 09:22 +0200
Message-ID<20200928092200.2efa26e2.dietz-usenet@rotfl.franken.de>
In reply to#466690
Gerrit Heitsch <gerrit@laosinh.s.bawue.de> wrote:

> On 9/28/20 8:15 AM, Dr. Joachim Neudert wrote:
> > Am 28.09.20 um 07:34 schrieb Ruediger Lahl:  
> >> *Dr. Joachim Neudert* schrieb:  
> >   
> >> Na du hast Probleme... Ich bin mütterlicherseits schwedisch und
> >> väterlicherseits indisch. Was soll ich da machen? :-)  
> > 
> > Tja...
> > 
> > Irgendwie scheint mir in einer globalisierten und de facto
> > mindestens teilweise multikulturell angelegten Welt das Verbot der
> > "kulturellen Aneignung" etwas rückwärts gewandt zu sein?  
> 
> Nicht einmal das. Man hat sich schon immer Dinge aus anderen Kulturen 
> angeeignet. Das ist der Normalzustand!

Es gibt Dörfer in Neuengland ... (Gestern mal wieder Lovecraft gelesen
;-).)

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