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Hirnschäden durch Cannabis

Started by"Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org>
First post2021-06-28 17:02 +0200
Last post2021-06-28 22:36 +0200
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  Hirnschäden durch Cannabis "Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> - 2021-06-28 17:02 +0200
    Re: Hirnschäden durch Cannabis Stephan Bumberger <bumberger@gmx.de> - 2021-06-28 17:47 +0200
    Re: Hirnschäden durch Cannabis Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-06-28 10:35 -0700
    Re: Hirnschäden durch Cannabis Ulf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de> - 2021-06-28 10:43 -0700
    Re: Hirnschäden durch Cannabis Bernd <very.strange.matter@inboxclean.com> - 2021-06-28 22:36 +0200

#506925 — Hirnschäden durch Cannabis

From"Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org>
Date2021-06-28 17:02 +0200
SubjectHirnschäden durch Cannabis
Message-ID<sbco9v$onb$1@solani.org>
Interessanter Artikel. Weil ja häufig die Unbedenklichkeit des 
Cannabiskonsums als Mantra immer wieder vorgetragen wird.

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910110?src=WNL_mdplsfeat_210628_mscpedit_de&uac=181545HT&impID=3471908&faf=1

Ich versuche es mal komplett zu zitieren, falls es nicht frei verfügbar 
ist für Euch:


================================================

Für Jugendliche unter 25 Jahren, deren Gehirn noch nicht vollständig 
ausgereift ist, ist der Konsum von Cannabis besonders gefährlich. Das 
haben in der Vergangenheit bereits einige Studien gezeigt. Nun ist 
Wissenschaftlern mithilfe von MRT-Bildern erstmals der ganz konkrete 
Nachweis gelungen, welche bleibenden negativen Effekte die Droge im 
Gehirn von Heranwachsenden haben kann.
Wie das Team um Dr. Matthew Albaugh, klinischer Psychologe in der 
Abteilung für Psychiatrie am University of Vermont Medical Center, in 
JAMA Psychiatry berichtet, ist bei Jugendlichen, die Cannabis mehr oder 
weniger regelmäßig konsumieren, die Hirnrinde im Bereich des 
präfrontalen Kortex auffällig verdünnt [1]. Der beobachtete Effekt war 
umso stärker, je mehr Cannabis die Jugendlichen nach eigenen Angaben zu 
sich genommen hatten.
PET-Aufnahmen zeigten zudem, dass Veränderungen besonders deutlich an 
Stellen auftraten, die viele Cannabinoid-Rezeptoren vom Typ 1 (CB1) 
aufweisen. Hirnmorphologische Effekte von Cannabis beeinflussten der 
Studie zufolge auch das Verhalten der Jugendlichen. Ihre Aufmerksamkeit 
sei reduziert und die Impulsivität erhöht gewesen, schreiben Albaugh und 
seine Kollegen.
Ausdünnung der Hirnrinde im präfrontalen Kortex

„Das ist eine qualitativ hochwertige und somit auch verdient hochrangig 
publizierte Studie“, kommentiert Prof. Dr. Maximilian Gahr, Oberarzt an 
der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie III des 
Universitätsklinikums Ulm, im Gespräch mit Medscape. Gahr, der sich 
ebenfalls wissenschaftlich mit den Folgen des Cannabiskonsums bei 
Jugendlichen beschäftigt, nennt vor allem 2 Stärken der Untersuchung: 
die Größe der Kohorte und der Einsatz bildgebender Verfahren.

„Frühere Studien hatten bereits darauf hingedeutet, dass der Gebrauch 
von Cannabinoiden insbesondere bei Adoleszenten möglicherweise zu 
anhaltenden kognitiven Beeinträchtigungen führt – die selbst dann weiter 
bestehen, wenn der Konsum beendet wird“, sagt Gahr. Die aktuelle Studie 
bestätige dies nun und zeige darüber hinaus die wahrscheinliche Ursache 
der geistigen Veränderungen auf: eine Ausdünnung der Hirnrinde im 
präfrontalen Kortex.
„Dieser Bereich des Gehirns ist ganz wesentlich an kognitiven 
Fähigkeiten wie Impulskontrolle, Planen, Problemlösen, Priorisieren und 
Fokussieren beteiligt“, erläutert Gahr. Zugleich sei das Frontalhirn ein 
Bereich, dessen Entwicklung erst sehr spät abgeschlossen sei – bei 
Frauen mit Mitte 20, bei Männern vermutlich noch später. „Das ist 
möglicherweise der Grund, warum das Gehirn von Heranwachsenden so 
besonders empfindlich auf Drogen und andere Störungen von außen 
reagiert“, sagt der Psychiater.


Gahr selbst veröffentlichte Ende 2020 gemeinsam mit seinem Ulmer 
Kollegen Prof. Dr. Carlos Schönfeldt-Lecuona im Journal of Clinical 
Psychopharmacology eine Studie, der zufolge die Zahl cannabisinduzierter 
Psychosen bei Jugendlichen in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist 
– vermutlich aufgrund des immer höheren THC-Gehalts moderner 
Cannabiszüchtungen. THC (Tetrahydrocannabiol) ist der wichtigste 
psychoaktiv wirkende Inhaltsstoff der Hanfpflanze.


„Die aktuelle Studie von Albaugh und seinem Team liefert Fakten, die uns 
Behandler stark motivieren, die Betroffenen davon zu überzeugen, ihren 
Cannabiskonsum zu beenden“, sagt Schönfeldt-Lecuona gegenüber Medscape. 
Die Folgen eines längeren Cannabiskonsums seien für die Entwicklung des 
Gehirns fatal und manchmal irreversibel. „Das sind Argumente, die man 
bei der Motivationsbehandlung stets aufgreifen sollte“, betont 
Schönfeldt-Lecuona.

Fast 1.600 MRT-Bilder ausgewertet

Albaugh und seine Kollegen werteten für ihre Untersuchung Daten der 
IMAGEN-Studie aus, die derzeit an 8 europäischen Standorten durchgeführt 
wird. Ziel ist, mithilfe bildgebender Verfahren und genetischer 
Untersuchungen neue Möglichkeiten zur Prävention und Therapie 
psychischer Störungen zu entwickeln. Das Team um Albaugh nutzte 
Verhaltens- und Neuroimaging-Daten von 799 IMAGEN-Probanden, die zu 
Beginn der Studie angegeben hatten, bislang kein Cannabis konsumiert zu 
haben. 56,3% von ihnen waren weiblich.


Die Basisdaten der Längsschnittstudie wurden vom 1. März 2008 bis zum 
31. Dezember 2011 und die Folgedaten vom 1. Januar 2013 bis zum 31. 
Dezember 2016 erhoben. Das mittlere Alter der Probanden lag zu Beginn 
der Studie bei 14,4 Jahren und beim 5-Jahres-Follow-up bei 19 Jahren. 
Der Cannabiskonsum der Teilnehmer wurde zu beiden Zeitpunkten mit dem 
„European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs“ erfasst.
Untersuchungen per MRT und PET

Insgesamt wertete das Team um Albaugh 1.598 MRT-Bilder der Teilnehmer 
aus. Wie die Forscher berichten, war zum Zeitpunkt des Follow-ups bei 
denjenigen Probanden, die in den vergangenen 5 Jahren begonnen hatten, 
Cannabis zu konsumieren, die Hirnrinde sowohl im rechten als auch im 
linken präfrontalen Bereich signifikant verdünnt. Die kortikalen 
Veränderungen waren umso stärker, je mehr Cannabis die Probanden zu sich 
genommen hatten.
Keine signifikanten Assoziationen habe es hingegen zwischen dem 
Lebenszeit-Cannabiskonsum bei der 5-Jahres-Nachbeobachtung und der 
kortikalen Ausgangsdicke gegeben, schreiben die Forscher. Das deute 
darauf hin, dass die beobachteten neuroanatomischen Unterschiede nicht 
schon vor dem Beginn des Cannabiskonsums aufgetreten seien.
In einem nächsten Schritt verglichen Albaugh und seine Kollegen das 
räumliche Muster der kortikalen Ausdünnung mit einer – bei einer 
separaten Stichprobe von Teilnehmern – per 
Positronen-Emissions-Tomographie (PET) gewonnenen Karte, auf der die 
Verteilung der Cannabinoid-Rezeptoren vom Typ 1 sichtbar war. Die 
Analyse habe ergeben, dass die Ausdünnung besonders stark an Stellen 
gewesen sei, die reich an CB1-Rezeptoren seien, schreiben die 
Wissenschaftler.

Die cannabisbedingte Ausdünnung im rechten präfrontalen Kortex war zudem 
mit Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten der Teilnehmer bei der 
Nachuntersuchung assoziiert: Die betroffenen Probanden reagierten 
impulsiver als andere und hatten größere Schwierigkeiten, sich auf eine 
bestimmte Aufgabe zu konzentrieren.
Jüngere Konsumenten – schwerwiegendere Folgen

„Nach unserem Wissen stellt die vorliegende Untersuchung die bisher 
größte longitudinale Neuroimaging-Studie zum jugendlichen Cannabiskonsum 
dar“, schreiben die Forscher in ihrem Fazit. „Die Ergebnisse deuten 
darauf hin, dass Cannabiskonsum während der Adoleszenz mit einer 
veränderten Neuroentwicklung verbunden ist – insbesondere in Kortizes, 
die reich an Cannabinoid-1-Rezeptoren sind.“ Zudem würden ihre Resultate 
zeigen, wie wichtig weitere Längsschnittstudien zum jugendlichen 
Cannabiskonsum seien, vor allem angesichts zunehmender Trends zur 
Legalisierung des Freizeitkonsums von Cannabis.
Unklar ist beispielsweise noch, auf welche hirnmorphologischen 
Veränderungen das erhöhte Psychoserisiko zurückgehen könnte – das dem 
Ulmer Psychiater Gahr zufolge selbst bei einem gelegentlichen, manchmal 
sogar einmaligen Cannabiskonsum zu beobachten sei. „Als gesichert gilt 
hingegen, dass das Risiko für negative Langzeitfolgen des 
Cannabisgebrauchs umso größer ist, je jünger die Konsumenten sind“, sagt 
Gahr. „Und nach allem, was man bisher weiß, müssen wir grundsätzlich 
davor warnen, die vermeintlich so harmlose Freizeitdroge außerhalb 
ärztlicher Verordnungen zu konsumieren.“

MEHR
Cannabis-Konsum als kardiovaskuläres Risiko: 2 Studien liefern Daten, 
warum Sie KHK-Patienten warnen sollten
Freizeitdroge Cannabis: Warum die American Heart Association speziell 
Herzpatienten vor der „Tüte“ warnt
Konsum von Jugendlichen: Weniger Tabak, weniger Alkohol, mehr Cannabis – 
setzt die BzGA aufs falsche Pferd?
Einmal kann einmal zu viel sein: Schon nach dem ersten Joint können 
psychotische Symptome auftreten

======================



-- 
Bitt um Vrzihung, di Tast " " klmmt manchmal...

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#506931

FromStephan Bumberger <bumberger@gmx.de>
Date2021-06-28 17:47 +0200
Message-ID<sbcqu7$m4o$1@tota-refugium.de>
In reply to#506925
Am 28.06.2021 um 17:14 schrieb Hanno Foest:
> Am 28.06.21 um 17:02 schrieb Dr. Joachim Neudert:
> 
>> Interessanter Artikel. Weil ja häufig die Unbedenklichkeit des 
>> Cannabiskonsums als Mantra immer wieder vorgetragen wird.
> 
> "Alles ist Gift, die Menge macht's." -  Theophrastus Bombastus von Hohenheim

... und starb an einer Überdosis Quecksilber.

-- 
Stephan

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#506947

FromUlf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de>
Date2021-06-28 10:35 -0700
Message-ID<6d1007a5-6e6c-476a-a63e-34f71ef767a6n@googlegroups.com>
In reply to#506925
Dietz Proepper schrieb am Montag, 28. Juni 2021 um 18:47:35 UTC+2:
> "Dr. Joachim Neudert" <neu...@5sl.org> wrote: 
> 
> > Interessanter Artikel. Weil ja häufig die Unbedenklichkeit des 
> > Cannabiskonsums als Mantra immer wieder vorgetragen wird. 
> > 
> > https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910110?src=WNL_mdplsfeat_210628_mscpedit_de&uac=181545HT&impID=3471908&faf=1 
> > 
> > Ich versuche es mal komplett zu zitieren, falls es nicht frei 
> > verfügbar ist für Euch: 
> > 
> > 
> > ================================================ 
> > 
> > Für Jugendliche unter 25 Jahren, deren Gehirn noch nicht vollständig 
> > ausgereift ist, ist der Konsum von Cannabis besonders gefährlich. Das 
> > haben in der Vergangenheit bereits einige Studien gezeigt. Nun ist 
> > Wissenschaftlern mithilfe von MRT-Bildern erstmals der ganz konkrete 
> > Nachweis gelungen, welche bleibenden negativen Effekte die Droge im 
> > Gehirn von Heranwachsenden haben kann.
> Gibt es eigentlich auch entsprechende Studien über die Folgen von 
> "mehr oder weniger regelmäßigem" Alkoholkonsum im Alter unter 25a? 
> 
> Und ich fasse mal zusammen, was der Herr Oberpsychater schreibt, "ey, 
> Jugendliche, nehmt euch von dem Teufelsgras in Acht. da wird man träge 
> und willenlos". 
> 
> Was der Herr Experte ebenfalls zu erwähnen vergisst ist, dass die 
> entsprechenden Veränderungen nur bei exzessivem Genuss auftreten und 
> reversibel sind. 

Schönfeldt-Lecuona sagt: Teils, teils. Auch Gahr weist auf Hinweise
auf dauerhafte Wesens- und Leistungsfähigkeitsveränderungen hin.

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#506950

FromUlf Kutzner <Ulf.Kutzner@web.de>
Date2021-06-28 10:43 -0700
Message-ID<3c3bb63f-b39d-4feb-87b5-daf2c1841529n@googlegroups.com>
In reply to#506925
Panno Foest schrieb am Montag, 28. Juni 2021 um 17:14:05 UTC+2:
> Am 28.06.21 um 17:02 schrieb Dr. Joachim Neudert:
> > Interessanter Artikel. Weil ja häufig die Unbedenklichkeit des 
> > Cannabiskonsums als Mantra immer wieder vorgetragen wird.
> "Alles ist Gift, die Menge macht's." - Theophrastus Bombastus von Hohenheim 
> 
> > https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910110?src=WNL_mdplsfeat_210628_mscpedit_de&uac=181545HT&impID=3471908&faf=1 
> 
> Irgendwie fehlt mir da die Angabe, wie viel die Leute genommen haben.

Bei Alkoholika steht's auf der Verkaufsverpackung. Bei Schwarzmarktcannabis eher nicht.
 
> Und ein Vergleich zu Hirnschäden durch Alkoholkonsum im gleichen Alter. 

Der Alkohol geht wohl nicht auf die THC-Rezeptoren. Aber es gibt auch
alkoholbedingte Enzephalopathien, insgesamt vielleicht besser untersucht,
nicht notwendigerweise speziell für die hier betrachtete Altersgruppe.

Und dann gibt es noch Leute, die beide Stoffe simultan und/oder alternierend
konsumieren.

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#506963

FromBernd <very.strange.matter@inboxclean.com>
Date2021-06-28 22:36 +0200
Message-ID<87a6n9afr0.fsf@inboxclean.com>
In reply to#506925
"Dr. Joachim Neudert" <neudert@5sl.org> writes:
> Interessanter Artikel. Weil ja häufig die Unbedenklichkeit des
> Cannabiskonsums als Mantra immer wieder vorgetragen wird.

Das das so nicht stimmen kann ist klar.  Von dem, was ich aus dem Umfeld
so höre geht es den Leuten aber eigentlich eher um einen konsistenten
Umgang mit Cannabis (vergleiche Tabak).  Der Artikel selbst ist ganz
interessant, aber die drunter verlinkten Artikel sind etwas gewagt.

> Konsum von Jugendlichen: Weniger Tabak, weniger Alkohol, mehr Cannabis
> – setzt die BzGA aufs falsche Pferd?

Die kurze Antwort darauf ist "nein".  Die lange Antwort ist "nicht
solange Tabakwerbung bis heute allgegenwärtig ist".  Besonders gut an
dem Artikel ist auch der Absatz "Aufklärungsangebote nicht mehr
zeitgemäß?":

| Kritik kommt von Prof. Dr. Heino Stöver, Experte für
| sozialwissenschaftliche Suchtforschung an der Frankfurt University Of
| Applied Sience. Er hält die Aufklärungsarbeit der BZgA für nicht mehr
| zeitgemäß.  Das Rauchfrei-Kit der BZgA für Jugendliche bestehe unter
| anderem aus Pfefferminz-Bonbons und einem 100-Tage Kalender, sagt
| Stöver. „Das hat mit dem Lebensumfeld der jungen Leute wenig zu tun.“

Oh ja, die hochaktuellen Drogen-Aufklärungsprogramme für Jugendliche.
Da haben wir doch schon vor 20 Jahren drüber gelacht.
Ich sage nur: /How do you do, fellow kids?/

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