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Der Untergang der Stadt Passau

From Dr. Joachim Neudert <neudert@5sl.org>
Newsgroups ger.ct
Subject Der Untergang der Stadt Passau
Date 2022-01-16 19:47 +0000
Message-ID <ss1sou$3b2$1@solani.org> (permalink)

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https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Untergang_der_Stadt_Passau

Hab ich schon damals, ca. 1977, gelesen. Aber wohl nicht recht verstanden.
Das Thema erschließt sich einem heute, auf allen Ebenen, wohl besser.

"Der Untergang der Stadt Passau ist ein 1975 veröffentlichter
postapokalyptisch-dystopischer Science-Fiction-Roman des deutschen
Schriftstellers Carl Amery. Er war sein größter schriftstellerischer
Erfolg.

Der Roman wird retrospektiv aus dem Jahr 2112 erzählt. Der Hauptteil der
Handlung spielt allerdings 2013 fast ausschließlich in Passau und dessen
unmittelbarer Umgebung.

1981 hat eine nicht näher spezifizierte „Seuche“, von der die wenigen
Überlebenden nicht wissen, ob es sich um eine „Strafe Gottes“ handelte oder
ob sie ein „verrückter Wissenschaftler“[1] verschuldet hat, fast die
gesamte Menschheit ausgelöscht. Nur noch etwa 50.000 Menschen leben in
Europa. Auf dem Gebiet des ehemaligen Deutschland sind es nur kleine
Gruppen von „Bauern“ oder „Nomaden“, in der Regel jeweils weniger als 50
Personen. Die Städte sind verwüstet, das Land meist verwildert und
unbestellt. Die einzige größere Siedlung ist die Stadt Passau. Sie ist die
einzige noch halbwegs „funktionierende“ Stadt[2], denn sie hat eine
Verwaltung und einen Bürgermeister. In der Stadt gibt es sogar
Elektrizität, ein paar noch fahrbereite Traktoren und Lebensmittel –
scheinbar – im Überfluss. Die nächstgrößere Gruppe Menschen (weniger als
50) lebt in Rosenheim sowie „in Ungarn“.

Passaus Bürgermeister wird von allen „Scheff“ genannt[3] und kam 1983, zwei
Jahre nach der Katastrophe, in die Stadt. Seither gilt dort eine neue
Zeitrechnung. Er regiert Passau autokratisch und führt eine Art
feudalistischen Hofstaat. Im Bestreben, seine Macht auszuweiten und Passau
mächtiger zu machen, wirbt er unter den Bauern und Nomaden des Umlandes
darum, in die Stadt zu ziehen.[4] Der wahre Grund ist jedoch, dass die
Stadt allein nicht mehr lange (über-)lebensfähig sein wird, denn sie zehrt
seit der Seuche von den noch brauchbaren Resten der Zivilisation. Die Stadt
benötigt immer mehr Lebensmittel und andere Ressourcen, die sie aber selbst
nicht in der Lage ist zu produzieren. Das Wenige, das Handwerker in Passau
herstellen, wird teuer an die Bauern der Umgebung verkauft, um an das
Lebensnotwendige zu gelangen. Die Bauern leben in einer Art
Subsistenzwirtschaft weitgehend autark, leiden aber unter den Städtern.
Passaus scheinbarer Wohlstand steht auf tönernen Füßen; denn die Bauern der
Umgebung werden von der Stadtbevölkerung ausgebeutet, die in vergleichbarem
Wohlstand – aber eben auf Kosten der Landbevölkerung – leben will. Der
„Scheff“ entschließt sich, das Umland in weitem Umkreis zu plündern und
systematisch zu zerstören, um alles Verwertbare (vor allem Salz, das die
Rosenheimer besitzen) in der Stadt einzulagern.[5]

Zwei „Gesandte“ dessen, was einst die Stadt Rosenheim war, haben sich nach
Passau aufgemacht, um „die Herrlichkeit der Stadt“ zu sehen, und werden vom
„Scheff“ empfangen. Ein Bankett, das scheinbar ihnen zu Ehren gegeben wird,
entpuppt sich jedoch als lebensgefährliche Falle; die Rosmer sollen
beseitigt werden, damit die Passauer an deren Salzvorkommen gelangen
können. Die beiden Gesandten können gerade noch entkommen. In den folgenden
100 Jahren eskaliert der Konflikt sowohl zwischen Passau und Rosenheim als
auch innerhalb der Stadt zwischen den „Schulsii“ und „Gernothari“,
Nachkommen des „Scheffs“ und anderer. Im Jahr 2112 schließlich führt dies
zur „Schlacht um Passau“. Reiter mit Pfeil und Bogen, Rosnemer und
nomadisierende „Ungarn“, erobern die Stadt und schleifen sie schließlich.

Erzählstruktur

Der Roman hat drei Handlungsebenen und beginnt mit der Chronik Magnalia Dei
per Gentem Rosmerium („Die Großtaten Gottes durch das Volk der Rosmer“) des
Kaplans Egid, die er Anno Domini 2112, was auch gezählt wird als das Jahr
131 APP („Post Pestilentiam“, will sagen nach der Seuche)[6] verfasste, um
die Ereignisse zu schildern. Diese Chronik, eigentlich in „verwegenem
Latein“ geschrieben, das an die Chronisten der Merowinger des 7.
Jahrhunderts erinnert, unterscheidet sich nicht nur optisch vom Rest des
Romans, denn ihr Text ist in Fraktur gedruckt, sondern auch sprachlich,
denn die Chronik ist (für den Roman) in eine Art „neumittelalterliches“
Deutsch (mit dialektalem Pseudo-Bairisch) übertragen worden.[7] Der
Hauptteil des Romans spielt hingegen im Jahr 2013. Dieser wird immer wieder
durch kurze Einschübe unterbrochen, die die Hintergrundgeschichten der
Hauptpersonen erläutern, ausgehend vom Ausbruch der Seuche im Jahr 1981.


-- 
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