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Groups > de.sci.mathematik > #143789 > unrolled thread
| Started by | ram@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) |
|---|---|
| First post | 2026-07-08 11:02 +0000 |
| Last post | 2026-09-30 20:05 +0000 |
| Articles | 4 — 2 participants |
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Heute vor 33 Jahren ram@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) - 2026-07-08 11:02 +0000
Re: Heute vor 33 Jahren Joachim Pimiskern <JoachimPimiskern@web.de> - 2026-07-09 13:09 +0200
Re: Heute vor 33 Jahren ram@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) - 2026-07-09 13:05 +0000
Re: Heute vor 33 Jahren ram@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) - 2026-09-30 20:05 +0000
| From | ram@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) |
|---|---|
| Date | 2026-07-08 11:02 +0000 |
| Subject | Heute vor 33 Jahren |
| Message-ID | <Heute-20260708114816@ram.dialup.fu-berlin.de> |
Heute vor 33 Jahren hörte ich Donald Knuth, der am 1993-07-09 zu Gast im Berliner Mathematischen Kolloquium war, über "The Birth of A Giant Component" sprechen Ich weiß nicht, wieviel ich damals von dieser Arbeit Knuths verstanden hatte. Ich glaube, daß mir das Verständnis durch die viele Details des Vortrags erschwert wurde, während der Chatbot heute die Arbeit aus der Vogelperspektive übersichtlich schildern kann. | "The Birth of the Giant Component" ist eine bahnbrechende | mathematische Arbeit aus dem Jahr 1993, die im Journal Random | Structures & Algorithms veröffentlicht wurde. Zusammen mit Svante | Janson, Tomasz Łuczak und Boris Pittel liefert Donald Knuth hier eine | exakte Analyse eines Phasenübergangs in zufälligen Graphen. Knuth | bezeichnete diese Arbeit oft als die mathematische Leistung, auf die | er am stolzesten ist. | | Der Kern der Arbeit befaßt sich mit folgenden Konzepten: | | Der Phasenübergang (Die Schwelle) | | Die Ausgangslage Das Paper analysiert das klassische | Erdős-Rényi-Modell für Zufallsgraphen. Man startet mit n isolierten | Punkten (Knoten) und fügt nacheinander zufällige Linien (Kanten) | hinzu. | | Die magische Grenze Ein dramatischer Sprung passiert, wenn die | Anzahl der Kanten genau die Hälfte der Knotenanzahl erreicht (n/2). | | Vor der Schwelle Bei weniger als n/2 Kanten besteht der Graph nur | aus vielen kleinen, isolierten Clustern. | | Nach der Schwelle Sobald die Grenze überschritten wird, verschmelzen | diese Cluster schlagartig zu einer einzigen "Riesenkomponente" (Giant | Component), die den Großteil des Netzwerks verbindet. | | Mathematische Kernergebnisse | | Struktur der Komponenten Die Autoren bewiesen exakt, welche | Strukturen direkt am kritischen Übergangspunkt existieren. Der Graph | besteht dort fast nur aus einfachen Bäumen sowie Clustern mit maximal | ein oder zwei Schleifen (Zyklen). | | Entstehung des Chaos Die Arbeit zeigt über einen Markov-Prozeß, wie | komplexe Strukturen wachsen und wie der plötzliche Übergang von | Ordnung zu dichter Vernetzung abläuft. | | Exakte Wahrscheinlichkeit Sie berechneten die exakte | Grenzwahrscheinlichkeit von rund 93,25 %, daß ein Zufallsgraph an | dieser Schwelle nur aus diesen einfachen, dünn besiedelten Strukturen | besteht. | | Warum das wichtig ist | | Diese mathematische Arbeit erklärt, wie Vernetzung in der echten Welt | funktioniert. Die Formeln werden heute genutzt, um die Ausbreitung von | Epidemien, die Stabilität des Internets, soziale Netzwerke oder | Phasenübergänge in der Physik zu erforschen.
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| From | Joachim Pimiskern <JoachimPimiskern@web.de> |
|---|---|
| Date | 2026-07-09 13:09 +0200 |
| Message-ID | <nb9dquF312sU1@mid.individual.net> |
| In reply to | #143789 |
Am 08.07.2026 um 13:02 schrieb Stefan Ram: > Nach der Schwelle Sobald die Grenze überschritten wird, > verschmelzen diese Cluster schlagartig zu einer einzigen > "Riesenkomponente" (Giant Component), die den Großteil > des Netzwerks verbindet. Das erinnert mich an den Begriff Perkolation. Grüße, Joachim
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| From | ram@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) |
|---|---|
| Date | 2026-07-09 13:05 +0000 |
| Message-ID | <Perkolation-20260709140220@ram.dialup.fu-berlin.de> |
| In reply to | #143791 |
Joachim Pimiskern <JoachimPimiskern@web.de> schrieb oder zitierte: >Am 08.07.2026 um 13:02 schrieb Stefan Ram: >>Nach der Schwelle Sobald die Grenze überschritten wird, >>verschmelzen diese Cluster schlagartig zu einer einzigen >>"Riesenkomponente" (Giant Component), die den Großteil >>des Netzwerks verbindet. >Das erinnert mich an den Begriff Perkolation. Es gibt tatsächlich Ähnlichkeiten mit der Perkolationstheorie, die untersucht, ab wann lokale, zufällige Verbindungen kleinerer Einheiten ein großes, zusammenhängendes System bilden. In beiden Fällen gibt es Schwellen, ab denen das große System entsteht. Knuths Zufallsgraphen sind allerdings eher topologisch als geometrisch definiert - es gibt also keinen bestimmten Abstand zwischen zwei Punkten. Bei Knuth kann jeder Punkt mit jedem anderen verbunden werden, bei Perkolation nur benachbarte Punkte.
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| From | ram@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) |
|---|---|
| Date | 2026-09-30 20:05 +0000 |
| Message-ID | <Perkolation-20260930210428@ram.dialup.fu-berlin.de> |
| In reply to | #143791 |
Joachim Pimiskern <JoachimPimiskern@web.de> schrieb oder zitierte: >Am 08.07.2026 um 13:02 schrieb Stefan Ram: >>Nach der Schwelle Sobald die Grenze überschritten wird, >>verschmelzen diese Cluster schlagartig zu einer einzigen >>Riesenkomponente" (Giant Component), die den Großteil >>des Netzwerks verbindet. >Das erinnert mich an den Begriff Perkolation. Und nun hat Claude die Kozma-Nitzan-Vermutung bewiesen, wodurch die "Vermutung über die sterbende Perkolation" (theta(p_c)=0) für alle Dimensionen bewiesen ist. Ein Mensch würde dafür sehr wahrscheinlich die Fields-Medaille erhalten. Wikipedia: "Dying percolation conjecture"
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