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Datenbank geleakt - Chinesische Firma erstellt Profile von Millionen Ausländern

Message-ID <9944bd4f478adeab7bf5da5700ba3610@dizum.com> (permalink)
Date 2020-09-19 22:46 +0200
Newsgroups alt.testing.testing
From Jack.Ryan@dizum.com
Subject Datenbank geleakt - Chinesische Firma erstellt Profile von Millionen Ausländern

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Es ist noch nicht ganz klar, welchem Zweck die Datensammlung der Firma Shenzhen Zhenhua dienen 
könnte. Sicherheitsexperten sind besorgt.

Die chinesische Firma Shenzhen Zhenhua Data Technology soll in einer Datenbank detaillierte 
Informationen von Millionen Ausländern gesammelt haben. Das berichten der US-Wissenschaftler 
Christopher Balding und der australische Sicherheitsexperte Robert Potter in einem fünfseitigen 
Papier vom 13. September 2020. Potters Sicherheitsfirma Internet 2.0 
[https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3691999] soll etwa zehn Prozent der 2,4 
Millionen Datenbankeinträge rekonstruiert haben. Sie sollen Politiker, Wissenschaftler, Diplomaten, 
Militärs, Geschäftsleute, Ingenieure und Journalisten betreffen. Aber auch viele Namen der 
Organisierten Kriminalität seien zu finden.

Einem Bericht des australischen Senders ABC zufolge [https://www.abc.net.au/news/2020-09-14/chinese-
data-leak-linked-to-military-names-australians/12656668] betreffen die rekonstruierten Profile 
unter anderem 52.000 US-Bürger, 35.000 Australier, 10.000 Inder, 9.700 Briten und 5.000 Kanadier. 
Wie viele Bundesbürger sich in der Datenbank wiederfinden, ist bislang unklar.

Nur "Datenintegration"

Auf Anfrage des britischen Guardian [https://www.theguardian.com/world/2020/sep/14/zhenhua-data-
full-list-leak-database-personal-details-millions-china-tech-company]wies das Unternehmen die 
Vorwürfe zurück. Der Bericht sei falsch. "Unsere Daten sind alles öffentliche Daten aus dem 
Internet. Wir sammeln keine Daten. Dies ist nur eine Datenintegration. Unser Geschäftsmodell und 
unsere Partner sind unsere Geschäftsgeheimnisse. Es gibt keine Datenbank mit zwei Millionen 
Menschen", sagte ein Unternehmensvertreter dem Blatt.

Laut Balding und Potter wurde die sogenannte Overseas Key Information Database (OKIDB) aus mehreren 
bestehenden Datensammlungen zusammengeführt, darunter die Datenbank Factiva 
[https://professional.dowjones.com/factiva/] des US-Unternehmens Dow Jones. Auch aus sozialen 
Medien wie Twitter, Facebook, Linkedin, Instagram oder Tiktok stammten die Daten. Medienberichte, 
Strafregister und Firmenvergehen seien ebenfalls ausgewertet worden. Aber auch vertrauliche 
Angaben, die aus Bankunterlagen, Bewerbungsschreiben, psychologischen Profilen oder dem Darknet 
stammen könnten, seien in den Profilen zu finden. Das sollen 10 bis 20 Prozent der Daten sein.

Spekulationen über Hintergründe

Zu welchem Zweck die Datenbank erstellt wurde, ist nicht ganz klar. Balding, der früher an der 
Universität in Peking gelehrt hat, und Potter schreiben dazu: "Die Daten scheinen verwendet worden 
zu sein, um chinesische Geheimdienste, Militärs, Sicherheits- und staatliche Behörden beim 
Informationskrieg oder gezielter Beeinflussung zu unterstützen." Einen direkten Beweis für die 
Verwendung der Datenbank zu solchen Zwecken sei aber nicht gefunden worden. Zhenhua Data sagte 
hingegen dem Guardian, dass es keine Verbindung zum Militär oder zur Regierung habe. Die Kunden 
seien Forschungsorganisationen und Unternehmensgruppen. Allerdings bestätigte das Unternehmen die 
Existenz von OKIDB.

In einem persönlichen Statement [https://www.baldingsworld.com/2020/09/14/personal-statement-on-
shenzhen-zhenhua-data-leak/] erklärte Balding, die Datenbank von chinesischen Aktivisten erhalten 
zu haben, die mit dem Unternehmen China Revival in Verbindung stünden. Methoden wie Hacking oder 
Phishing seien nicht verwendet worden, um an die Daten zu gelangen.

"Die Breite und Tiefe des chinesischen Überwachungsstaates und dessen weltweite Ausdehnung sind 
nicht zu unterschätzen", warnt Balding. Dem ABC-Bericht zufolge ist Balding, der eigentlich an der 
Fulbright-Universität in Vietnam lehrt, aus Sicherheitsgründen in die USA zurückgekehrt. Die 
Datenbank wurde laut ABC mit Medien aus den USA, Kanada, Großbritannien, Italien, Deutschland und 
Australien geteilt.
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[2020.09.16 19:09:01]
From: Jack Ryan <jack.ryan@ryan.invalid>
Chain: iria,*,*,frell; Copies=4
To: mail2news@neodome.net,mail2news@dizum.com
Mime-Version: 1.0
Content-Transfer-Encoding: 8bit
Content-Type: text/plain; charset=utf-8; format=flowed
Newsgroups: de.soc.datenschutz
Subject: Messenger-Dienste sind anfällig für Crawling-Angriffe

Privatsphäre und Nutzerdaten von über einer Milliarde Menschen potenziell gefährdet

Von wegen Datenschutz: Messenger-Apps wie WhatsApp, Telegram oder Signal schützen die Daten ihrer 
Nutzer nur unzureichend, wie deutsche IT-Forscher in einem Test aufgedeckt haben. Durch einen 
einfachen Trick konnten sie die Kontaktdaten und Profile von zahlreichen Nutzern dieser Anwendungen 
abfragen. Sie schätzen, dass rund eine Milliarde Nutzer weltweit potenziell durch solche Angriffe 
gefährdet sein könnten.

Dass Smartphone-Apps jede Menge persönliche Daten über uns sammeln und sie häufig auch an Dritte 
weitergeben, ist nichts Neues. Auch Smartwatches oder Fitnesstracker sind wahre Datenkraken. Das 
Problem dabei: Selbst wenn die Daten unvollständig oder anonymisiert sind, lässt sich durch die 
Kombination verschiedener Datensätze relativ leicht ein umfangreiches Profil unserer Bewegungen, 
Gewohnheiten und Kontakte erstellen.

Schwachstelle Kontaktermittlung

Noch eklatanter ist der mangelnde Datenschutz allerdings bei Messenger-Apps, wie sich nun erneut 
zeigt. Christoph Hagen von der Universität Würzburg und seine Kollegen hatten für ihre Studie 
untersucht, wie anfällig die von den Messenger-Diensten WhatsApp, Signal und Telegram gespeicherten 
Kontaktdaten für einen unbefugten Zugriff sind. Diese Apps greifen – die Erlaubnis des Nutzers 
vorausgesetzt – auf die Adressbücher der Handys zu und nutzen die dort enthaltenen Kontaktdaten, um 
den Austausch von Nachrichten zu vereinfachen.

Das Problem jedoch: Diese Kontaktdaten bleiben nicht lokal, sondern werden auf die Server des 
Anbieters hochgeladen. Viele Messenger-Apps wie WhatsApp senden dafür regelmäßig das gesamte 
Adressbuch, etwas stärker auf die Privatsphäre ausgerichtete Dienste wie Signal übertragen nur 
verschlüsselte Telefonnummern.

Angriff über getürkte Abfragen

Wie sicher diese Daten sind, haben Hagen und seine Kollegen nun in einem Test ermittelt. Dafür 
starteten sie einen sogenannten Crawling-Angriff auf WhatsApp, Signal und Telegram. Im Prinzip 
werden dafür einfach zufällige Telefonnummern bei den Kontaktermittlungs-Schnittstellen dieser 
Dienste abgefragt. Weil dabei die Chance groß ist, dass man eine existierende Nummer trifft, kann 
man sich so Zugriff verschaffen und auch andere persönliche Daten dieser Nutzer abgreifen.

„Wir gehen von einem Angreifer aus, der ein registrierter Nutzer dieser Dienste ist und daher die 
Kontaktermittlungs-Schnittstelle des Anbieters abfragen kann“, erklären Hagen und seine Kollegen. 
„Durch jede aus einer Liste von Telefonnummern bestehende Anfrage kann der Angreifer dann erfahren, 
welche der Nummern beim Dienst registriert sind, und bekommt auch zusätzliche Informationen über 
die Nutzer, beispielsweise Profilbilder.“

Auf diese Weise lassen sich nach und nach große Mengen an Nutzerdaten abfischen. Wie die 
Wissenschaftler erklären, liegt die nötige Rechen- und Speicherkapazität für einen solchen Crawling-
Angriff durchaus in dem Bereich, der Hackern mit halbwegs guter Hardwareausstattung zur Verfügung 
steht.

WhatsApp, Signal und Telegram „geknackt“

Bei ihrem Testangriff fragten die Forscher zehn Prozent aller Mobilfunknummern in den USA für 
WhatsApp ab und 100 Prozent für Signal. Auch der Dienst Telegram wurde auf diese Weise angegriffen. 
Sie nutzten dabei einen Pool von 118 Milliarden möglichen Nummern, um auf Basis der typischen 
Verschlüsselungsmethode entsprechende „Hashes“ – kodierte Daten – zu erzeugen und mit denen der 
Apps abzugleichen. Für das Ver- und Entschlüsseln der Hashes gibt es im Netz entsprechende 
Programme.

Das Ergebnis: Bei allen Messenger-Diensten konnten die Forscher persönliche Nutzerdaten sammeln, 
wie sie üblicherweise in den Nutzerprofilen gespeichert sind, inklusive Profilbilder, Nutzernamen, 
Statustexte und die zuletzt online verbrachte Zeit. Wenn die Daten mit sozialen Netzen und anderen 
öffentlichen Datenquellen abgeglichen werden, lassen sich mithilfe der erbeuteten Daten sogar 
detaillierte Verhaltensprofile der Nutzer erstellen. Interessant auch: Der Dienst Telegram gibt 
sensible Informationen selbst über die Besitzer von Telefonnummern preis, die nicht bei dem Dienst 
registriert sind.

Was kann man dagegen tun?

Die Forschenden haben ihre Erkenntnisse bereits den jeweiligen Dienstanbietern mitgeteilt. WhatsApp 
hat seine Schutzmaßnahmen daraufhin so verbessert, dass großangelegte Angriffe nun erkannt werden, 
und Signal hat die Anzahl möglicher Abfragen reduziert, um Crawling zu erschweren. Hagen und seine 
Kollegen schlagen weitere Techniken zum Schutz vor, inklusive eines neuen Verfahrens zur 
Kontaktermittlung, die sogenannte „Private Set Intersection“. Sie würde die Effizienz von Angriffen 
reduzieren, ohne die Nutzbarkeit negativ zu beeinflussen.

Für Menschen, die Messenger-Dienste nutzen, haben die Forscher diesen Rat: „Wir empfehlen bei der 
Verwendung von mobilen Messengern dringend, sämtliche Privatsphäre-Einstellungen zu überprüfen. 
Dies ist derzeit der effektivste Schutz gegen die untersuchten Crawling-Angriffe“, betonen 
Alexandra Dmitrienko von der Universität Würzburg und Thomas Schneider von der TU-Darmstadt. (28. 
Annual Network and Distributed System Security Symposium (NDSS), 2020; (PDF))

Quelle: Technische Universität Darmstadt

https://www.scinexx.de/news/technik/messenger-dienste-sind-anfaellig-fuer-crawling-angriffe/

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