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Groups > de.sci.physik > #154453
| From | ram@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) |
|---|---|
| Newsgroups | de.sci.physik |
| Subject | Das Messproblem |
| Date | 2024-03-29 19:56 +0000 |
| Organization | Stefan Ram |
| Message-ID | <Messproblem-20240329204812@ram.dialup.fu-berlin.de> (permalink) |
Heute von mir für eine andere News-Hierarchie geschrieben: Was mit "Meßproblem" gemeint ist: In der Quantentheorie kann ein Quantensystem Q in einer "Überlagerung" aus zwei verschiedenen Zuständen |A> und |B> sein. Man schreibt für den Zustand des Quantensystems Q dann: (|A>+|B>)/sqrt(2). Man kann sich das so vorstellen, wie ein "X" eine Überlagerung aus zwei Schrägstrichen ist. (Das "X" müßte allerdings grau sein, da beide Schrägstriche nicht mit voller Intensität, sondern nur mit 1/sqrt(2) an der Überlagerung teilhaben.) Man muß sich vorstellen, daß noch nie jemand ein "X" beobachtet hat, sondern immer nur "/" oder "\". Das "X" ist ein Zustand, der nicht direkt beobachtbar ist. Versucht man dennoch eine Beobachtung, so erhält man mit gleicher Wahrscheinlichkeit "/" oder "\". Wird nun mit einem Meßgerät M gemessen, ob das Quantensystem Q im Zustand |A> ist, so findet man mit einer /Wahrscheinlichkeit/ von 50 % den Zustand |A>, und, falls man |A> gemessen hat, ist das Quantensystem Q danach im Zustand |A>. Es ist also eine neue Information entstanden: Vor der Messung wußten wir noch nicht, ob sich |A> oder |B> ergeben wird, nach der Messung wissen wir es. Solange keine Messung stattfindet, entwickelt sich der Zustand eines Quantensystems hingegen "unitär", das heißt: ohne daß neue Information entsteht. Bis hier ist das noch kein Problem. Jetzt kommt das Problem: Man darf nach den Regeln der Quantenphysik das Quantensystem Q und das Meßgerät M genauso als ein einziges System S ansehen (für dessen Zustand |S> dann gelten würde |S> = |Q> (x) |M>). Tut man dies, so wird die Messung aber jetzt durch eine unitäre Zeitentwicklung beschrieben, bei der /keine/ neue Information entstehen kann - im Gegensatz zu der zuvor gegebenen Beschreibung, bei der durch die Messung neue Information entsteht. Da es nur eine Welt geben sollte, sollten quantentheoretisch zulässig Beschreibungen dieser Welt sich aber nicht in ihren Ergebnissen unterscheiden oder widersprechen (also: einmal entsteht neue Information und einmal nicht). /Das/ ist das Meßproblem!
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