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Groups > de.sci.physik > #139121 > unrolled thread

Re: Das blaue Licht des Morgens?

Started byCarla Schneider <carla_sch@yahoo.com>
First post2021-11-14 22:39 +0100
Last post2021-11-18 21:46 +0100
Articles 9 — 6 participants

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Contents

  Re: Das blaue Licht des Morgens? Carla Schneider <carla_sch@yahoo.com> - 2021-11-14 22:39 +0100
    Re: Das blaue Licht des Morgens? Hans-Peter Diettrich <DrDiettrich1@aol.com> - 2021-11-15 07:57 +0100
      Re: Das blaue Licht des Morgens? Rolf Bombach <rolfnospambombach@invalid.invalid> - 2021-11-16 12:41 +0100
        Re: Das blaue Licht des Morgens? Sebastin Wolf <invaild@invaild.net> - 2021-11-16 13:09 +0100
        Re: Das blaue Licht des Morgens? Hans-Peter Diettrich <DrDiettrich1@aol.com> - 2021-11-17 19:47 +0100
          Re: Das blaue Licht des Morgens? Leo Baumann <ib@leobaumann.de> - 2021-11-17 19:56 +0100
    Re: Das blaue Licht des Morgens? Thomas 'PointedEars' Lahn <PointedEars@web.de> - 2021-11-18 21:14 +0100
      Re: Das blaue Licht des Morgens? Thomas 'PointedEars' Lahn <PointedEars@web.de> - 2021-11-18 21:18 +0100
      Re: Das blaue Licht des Morgens? Sebastin Wolf <invaild@invaild.net> - 2021-11-18 21:46 +0100

#139121 — Re: Das blaue Licht des Morgens?

FromCarla Schneider <carla_sch@yahoo.com>
Date2021-11-14 22:39 +0100
SubjectRe: Das blaue Licht des Morgens?
Message-ID<6191821A.516B5164@yahoo.com>
Stefan Ram wrote:
> 
> ram@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) writes:
> >Einige Quellen sagen, daß der Mensch am Morgen durch das
> > Licht geweckt werde, welches zu diesem Zeitpunkt so blau
> >sei wie sonst nie am Tag.
> 
>   Ich danke für die (bisherigen) Antworten!
> 
>   Zur Illustration kopiere ich hier einmal
>   einen Text aus dem World-Wide Web:
> 
> |Während das natürliche Morgenlicht mehr blaue Strahlung
> |enthält, befinden sich im Abendlicht vor allem rote
> |Strahlungsanteile. Einige Rezeptoren reagieren auf blaues
> |Licht besonders empfindlich und sendet Nervenimpulse an
> |Kernbereiche des Hypothalamus im Zwischenhirn, den
> |suprachiasmatischen Nukleus (SCN). Dadurch wird dieser
> |inneren Uhr des Menschen signalisiert, dass es Zeit ist,
> |aufzuwachen.
> 
>   .

Waehrend man das Abendlicht voll bewusst durch das Auge sieht,
muesste man das Morgenlicht mit geschlossenen Augen sehen koennen.
Wie man mit Leuchtdioden unschwer ausprobieren kann ist rotes Licht 
auch mit geschlossenen Augen noch wahrnehmbar, blaues aber sehr viel schwerer...

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#139123

FromHans-Peter Diettrich <DrDiettrich1@aol.com>
Date2021-11-15 07:57 +0100
Message-ID<iveep0Fdc3rU1@mid.individual.net>
In reply to#139121
On 11/14/21 10:50 PM, Stefan Ram wrote:

>    meist lese ich so etwas in dem Sinne, daß
>    das "blaue Morgenlicht" den Schlafrhythmus synchronisiere,
>    indem es den Körper richtig wach mache, /nachdem/ man am
>    Morgen schon die Augen geöffnet hat.

Man soll die Augen also erst *nach* dem Morgenrot öffnen? Sehr 
vernünftig! ;-)

Derzeit mache ich einen Kompromiss. Vom Bett aus schaue ich mir die oft 
wunderschönen Sonnenaufgänge an, dann überlege ich, ob ich aufstehen 
oder weiterschlafen soll.

DoDi

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#139138

FromRolf Bombach <rolfnospambombach@invalid.invalid>
Date2021-11-16 12:41 +0100
Message-ID<sn05do$al2$2@dont-email.me>
In reply to#139123
Hans-Peter Diettrich schrieb:
> On 11/14/21 10:50 PM, Stefan Ram wrote:
> 
>>    meist lese ich so etwas in dem Sinne, daß
>>    das "blaue Morgenlicht" den Schlafrhythmus synchronisiere,
>>    indem es den Körper richtig wach mache, /nachdem/ man am
>>    Morgen schon die Augen geöffnet hat.
> 
> Man soll die Augen also erst *nach* dem Morgenrot öffnen? Sehr vernünftig! ;-)
> 
> Derzeit mache ich einen Kompromiss. Vom Bett aus schaue ich mir die oft wunderschönen Sonnenaufgänge an, dann überlege ich, ob ich aufstehen oder weiterschlafen soll.

Die Philosophie "einstellige Tageszeiten sind Teufelswerk" ist selbst
bei den MaschIng-Studenten an der ETH weit verbreitet. Wie ich aus
erster Hand erfahren durfte.

-- 
mfg Rolf Bombach

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#139139

FromSebastin Wolf <invaild@invaild.net>
Date2021-11-16 13:09 +0100
Message-ID<sn072l$1vgr$1@gioia.aioe.org>
In reply to#139138
Am 16.11.2021 um 12:41 schrieb Rolf Bombach:
> Hans-Peter Diettrich schrieb:
>> On 11/14/21 10:50 PM, Stefan Ram wrote:
>>
>>>    meist lese ich so etwas in dem Sinne, daß
>>>    das "blaue Morgenlicht" den Schlafrhythmus synchronisiere,
>>>    indem es den Körper richtig wach mache, /nachdem/ man am
>>>    Morgen schon die Augen geöffnet hat.
>>
>> Man soll die Augen also erst *nach* dem Morgenrot öffnen? Sehr 
>> vernünftig! ;-)
>>
>> Derzeit mache ich einen Kompromiss. Vom Bett aus schaue ich mir die 
>> oft wunderschönen Sonnenaufgänge an, dann überlege ich, ob ich 
>> aufstehen oder weiterschlafen soll.
> 
> Die Philosophie "einstellige Tageszeiten sind Teufelswerk" ist selbst
> bei den MaschIng-Studenten an der ETH weit verbreitet. Wie ich aus
> erster Hand erfahren durfte.


Bei den Amis wäre das noch viel extremer...


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#139157

FromHans-Peter Diettrich <DrDiettrich1@aol.com>
Date2021-11-17 19:47 +0100
Message-ID<ivl127Flg5eU1@mid.individual.net>
In reply to#139138
On 11/16/21 12:41 PM, Rolf Bombach wrote:
> Die Philosophie "einstellige Tageszeiten sind Teufelswerk" ist selbst
> bei den MaschIng-Studenten an der ETH weit verbreitet. Wie ich aus
> erster Hand erfahren durfte.

Selbst Schulkinder sollen aufnahmefähiger sein, wenn sie länger 
ausschlafen dürfen. Die Kopplung der Schulzeiten an die übliche 
Arbeitszeit ist rein ökonomisch bedingt, nicht physiologisch.

DoDi

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#139158

FromLeo Baumann <ib@leobaumann.de>
Date2021-11-17 19:56 +0100
Message-ID<sn3j9r$3jl$1@solani.org>
In reply to#139157
Am 17.11.2021 um 19:47 schrieb Hans-Peter Diettrich:
> Die Kopplung der Schulzeiten an die übliche Arbeitszeit ist rein 
> ökonomisch bedingt, nicht physiologisch.

Bei uns damals an der UNI waren die Klausur-Zeiten psychologisch gewählt 
- zum Glück - ich bin Morgenmuffel

:)

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#139178

FromThomas 'PointedEars' Lahn <PointedEars@web.de>
Date2021-11-18 21:14 +0100
Message-ID<2802195.e9J7NaK4W3@PointedEars.de>
In reply to#139121
Stefan Ram wrote:

> ram@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) writes:
>>Das stimmt, aber meist lese ich so etwas in dem Sinne, daß
>>das "blaue Morgenlicht" den Schlafrhythmus synchronisiere,
> 
>   Das folgende Programm für Python 3.7 mit der Bibliothek "Pillow"
>   liest jede Minute ein Bild von einer URI ein und gibt dann
>   den Quotienten des Blau- und Rotanteils aus. Als Eingabe kann
>   man beispielsweise eine jpeg-URI von einer Webcam verwenden.
> 
>   Ein Problem dabei besteht natürlich darin, daß viele Kameras
>   einen automatischen Weißabgleich und/oder eine Belichtungs-
>   nachführung vornehmen und/oder bei wenig Licht in einen
>   speziellen Nachtmodus schalten und allgemein solche Systeme
>   nicht auf Treuheit der Wiedergabe von Farbintensitäten
>   ausgerichtet ist. Vielleicht besitzt ja jemand eine geeignete
>   Meßkamera, die er mit diesem Programm verbinden kann.
> 
>   Weitere Störungen könnten im Falle der weiter unten
>   wiedergegebene Meßreihe dadurch entstanden sein, daß die
>   verwendete Kamera auch einige künstliche Lichtquellen erfaßte.
>   Und außerdem veränderte sich das Wetter und die Bewölkung
>   natürlich auch ständig während der Messung, so daß die
>   einmalige Meßreihe nur als ein Beispiel und zu verstehen
>   ist (man müßte über mehrere Meßreihen mitteln).
> […]
>   In diesem Fall zeigt sich tatsächlich, daß das stärkste
>   Blau-zu-Rot-Maximum 1.49 um 8.05 Uhr kurz nach Sonnenaufgang
>   auftrat, und die nächsten beiden Maxima 1.47 und 1.21 immer
>   kleiner werden und dann kurz vor Sonnenuntergang um 15.51 Uhr
>   der kleinste Blau-zu-Rot-Wert 0.91 gemessen wurde.

LOL.  Wer’s glaubt…

> [Messreihe, die *scheinbar* zeigt, dass der Blauanteil morgens am höchsten
> ist]

Die durch die grafische Darstellung schon auf den ersten Blick erkennbare, 
unerwartete Periodizität der Messreihe lässt direkt auf einen systematischen 
Messfehler schliessen.

Eine Möglichkeit dafür wäre eine wechselnde Bewölkung: Ausgerechnet an dem 
Ort, an dem die Messung wahrscheinlich durchgeführt wurde (Berlin) war die 
Sonnenscheindauer an dem Tag, an dem die Messung durchgeführt wurde (heute) 
nämlich 0 h (und zwar schon seit Montag), was ich zufällig vor dem Lesen des 
Postings professionell vom Dipl.-Meteorologen Sven Plöger durch das „Wetter 
vor acht“ (ca. 19:50 MEZ) im TV-Sender „Das Erste HD“ erfahren habe.

Die gepostete Messreihe ist schon deshalb nicht aussagekräftig.

Im allgemeinen dürfen Messungen aufgrund von immer auftretenden Messfehlern 
NICHT direkt als Grundlage für Schlussfolgerungen verwendet werden.

Unter anderem ist bei der Datenanalyse zunächst Folgendes zu tun:

1. Offensichtliche Ausreisser (grobe Messfehler) müssen eliminiert werden.

   Eine gängige Methode ist, die Messergebnisse auszuschliessen, die mehr
   als ein geeignet gewähltes Vielfaches der empirischen Standardabweichung
   vom Median der Daten abweichen.  Dazu kann der Median *mehrerer*
   Messergebnisse berechnet, und die Messergebnisse nach dem Absolutwert
   ihrer Differenz vom Median aufsteigend sortiert werden.  Der Messwert,
   der am nächsten an der empirischen Standardabweichung liegt, ist dann
   (unter der Annahme normalverteilter Messungen) der beim Element mit dem
   ganzzahligen Index, der in der unmittelbaren Nähe von 0.683 · n, wobei n
   die Anzahl der Messungen ist, liegt.

   Das deutet ebenfalls an, dass es *bei weitem* NICHT ausreicht, *einmalig*
   eine Messung durchzuführen, und dass die oben gezogene Schlussfolgerung
   schlicht unzulässig ist.

   Da hier über einen Tag hinweg gemessen wurde, ist es hier nötig, an
   vielen Tagen (etwa Jahr lang oder sogar mehrere Jahre lang) zu gleichen
   Tageszeiten und unter ansonsten gleichen Bedingungen zu messen. 
   Weiterhin wird es hier nötig sein, mindestens an
   vielen verschiedenen Orten mit vielen verschiedenen Geräten zu messen;
   erfreulicherweise wurden immerhin die grundlegende Messmethode und die
   Messergebnisse veröffentlicht (leider nicht der Ort und die weiteren
   Umstände der Messung), so dass überprüft werden kann, ob die Ergebnisse
   reproduzierbar sind.

2. Es muss vor weiteren Schlussfolgerungen alles unternommen werden, um
   systematische Fehler auszuschliessen und zu berücksichtigen.

   Dies ist zum Beispiel mit einer Fourier-Analyse möglich, die periodische
   Schwankungen, die auf nicht berücksichtige natürliche Effekte
   zurückzuführen sein können, erkennbar macht.

Dies und Weiteres wird an meiner Uni (Universität Bern) in der Physik-
Vorlesung „Numerische Methoden der Physik“ gelehrt.  In den dazugehörigen 
Übungen sind wir angehalten, Python, konkret die Bibliothek NumPy, für die 
Datenanalyse zu verwenden.  Bei der gestern abzugebenden Übung war etwa
eine reale Zeitreihe des mittleren Meeresspiegels zu analysieren.


PointedEars
-- 
Q: What did the nuclear physicist post on the laboratory door
   when he went camping?  
A: 'Gone fission'.
(from: WolframAlpha)

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#139179

FromThomas 'PointedEars' Lahn <PointedEars@web.de>
Date2021-11-18 21:18 +0100
Message-ID<3139980.aeNJFYEL58@PointedEars.de>
In reply to#139178
Thomas 'PointedEars' Lahn wrote:

> Die durch die grafische Darstellung schon auf den ersten Blick erkennbare,
> unerwartete Periodizität der Messreihe lässt direkt auf einen
> systematischen Messfehler schliessen.
> 
> Eine Möglichkeit dafür wäre eine wechselnde Bewölkung: Ausgerechnet an dem
> Ort, an dem die Messung wahrscheinlich durchgeführt wurde (Berlin) war die
> Sonnenscheindauer an dem Tag, an dem die Messung durchgeführt wurde
> (heute) nämlich 0 h (und zwar schon seit Montag), was ich zufällig vor dem
> Lesen des Postings professionell vom Dipl.-Meteorologen Sven Plöger durch
> das „Wetter vor acht“ (ca. 19:50 MEZ) im TV-Sender „Das Erste HD“ erfahren
> habe.

Aufgezeichnet verfügbar unter

<https://www.daserste.de/information/nachrichten-wetter/wetter/videos/mit-sven-ploeger-video-422.html>

ab ca. 0 min 50 s.
 

PointedEars
-- 
Heisenberg is out for a drive when he's stopped by a traffic cop. 
The officer asks him "Do you know how fast you were going?" 
Heisenberg replies "No, but I know where I am."
(from: WolframAlpha)

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#139180

FromSebastin Wolf <invaild@invaild.net>
Date2021-11-18 21:46 +0100
Message-ID<sn6e3s$vg9$1@gioia.aioe.org>
In reply to#139178
Am 18.11.2021 um 21:14 schrieb Thomas 'PointedEars' Lahn:

> Dies und Weiteres wird an meiner Uni (Universität Bern) in der Physik-
> Vorlesung „Numerische Methoden der Physik“ gelehrt.



https://www.fortura.ch/de/Vulkan-Bern-74710.html

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