Path: csiph.com!fu-berlin.de!uni-berlin.de!individual.net!not-for-mail From: Michael Bode Newsgroups: ger.ct Subject: Re: Spiegel zu Regen Date: Thu, 11 Jul 2024 21:05:27 +0200 Lines: 152 Message-ID: References: Mime-Version: 1.0 Content-Type: text/plain; charset=utf-8 Content-Transfer-Encoding: 8bit X-Trace: individual.net SNGAG0rD+Ew06ZMCR5epyAxfyoK3iPJuFUZKRC0U0H7cCSi5kB Cancel-Lock: sha1:PydVqeHH049JRKcykrsgeiyWmoM= sha256:kWxq+qg1aGGgow3AnkjEC049qrdW7Xep1/h9340/ABk= User-Agent: Gnus/5.13 (Gnus v5.13) Xref: csiph.com ger.ct:623655 Dr. Joachim Neudert writes: > Fidel Sebastián Hunrichse-Lara > wrote: >> Salve allerseits, >> >> Dr. Joachim Neudert schrieb: >>> >>> Hinter Paywall. Kommt jemand ran und kann den Text hier posten? >>> >> +--- --- >> | Bald kommt »Frieda«, das nächste Tief. Vom Atlantik her wird es nach >> | Deutschland ziehen und dem Minisommer der vergangenen Tage vielerorts >> | endgültig den Garaus machen. Meteorologen prophezeien vielen Regionen >> | Sturmböen, Hagel sowie jede Menge Regen. Schon wieder. >> | >> | Regenwetter, Regenwetter, Regenwetter: Das ist mehr als nur ein Eindruck >> | von Millionen Menschen in Deutschland. Die Statistik gibt ihnen recht. >> | Seit Beginn der Messungen im Jahr 1881 ist auf dem Gebiet der heutigen >> | Bundesrepublik nicht so viel Niederschlag gefallen wie in den >> | vergangenen zwölf Monaten – so hat es der Deutsche Wetterdienst (DWD) >> | unlängst verkündet. >> | >> | Ob in Köln oder Hamburg, München oder Frankfurt: Überall ist es nass wie >> | lange nicht mehr. Der Sommer 2024 kommt vielerorts nicht recht in >> | Schwung; in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland >> | standen im Mai und Juni ganze Regionen nach Starkregen unter Wasser. Wie >> | kann das sein, angesichts des Klimawandels und so mancher Dürreperiode >> | in den vergangenen Jahren? >> | >> | *Hohe Temperaturen bedeuten mehr Verdunstung* >> | >> | »Wir haben in Deutschland seit Mitte vergangenen Jahres viele >> | Westwetterlagen erlebt: Tiefdruckgebiete, die vom Atlantik über >> | Deutschland gezogen sind«, sagt Janek Zimmer, Meteorologe bei >> | Kachelmannwetter. »Die zahlreichen Tiefs in Kombination mit dem warmen >> | Atlantikwasser bringen uns eine Menge Regen.« >> | >> | Dass es mehr regnet, wird zudem durch den Klimawandel wahrscheinlicher. >> | »Ein wärmer werdendes Klima bringt in Deutschland insgesamt auf lange >> | Sicht mehr Niederschlag«, sagt Frank Kaspar vom DWD. Dahinter stecke ein >> | physikalischer Zusammenhang: »Wenn es wärmer ist, verdunstet an der >> | Meeresoberfläche mehr Wasser. Und wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit >> | aufnehmen.« Mit jedem Grad Celsius Erwärmung kann die Atmosphäre >> | ungefähr sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen, heißt es im >> | Weltklimabericht. Diese Feuchtigkeit kommt früher oder später als >> | Niederschlag wieder nach unten. >> | >> | Das dürfte sich künftig dramatisch verschärfen, denn der CO₂-Gehalt der >> | Atmosphäre steigt ungebrochen. Erst im Mai hat das Mauna Loa Observatory >> | im Tagesdurchschnitt CO₂-Werte von über 427 ppm gemeldet. Höhere Werte >> | hat es zuletzt vor Jahrmillionen gegeben, lange vor der Entstehung des >> | Menschen. Die weltweite Durchschnittstemperatur lag laut dem >> | Copernicus-Klimawandeldienst in den vergangenen zwölf Monaten um 1,64 >> | Grad Celsius über der des vorindustriellen Zeitalters. >> | >> | *Welche Niederschlagtrends sich abzeichnen und welche Unsicherheiten es* >> | *noch gibt* >> | >> | »Der weltweite Wasserkreislauf intensiviert sich durch den Klimawandel«, >> | sagt Fred Hattermann, Hydrologe vom Potsdam-Institut für >> | Klimafolgenforschung (PIK). »Entscheidend ist, wo die Wolken sich >> | künftig vermehrt abregnen, und deshalb sind Niederschlagsprojektionen >> | auch deutlich schwieriger als etwa Temperaturprojektionen.« Dass es ein >> | Jahr lang in einigen Regionen überdurchschnittlich regnet, hält >> | Hattermann für wenig aussagekräftig. >> | >> | Einige Trends zeichnen sich aber bereits ab. Messungen des DWD zeigen, >> | dass die Niederschläge in Deutschland im Winter im langjährigen Mittel >> | zugenommen haben. Das dürfte sich verfestigen. >> | >> | Offensichtlich ist, dass Wetterextreme weltweit und natürlich auch in >> | Deutschland zunehmen. So könnte der Landregen, bei dem das Wasser >> | langsam in den Boden sickert, seltener werden. Zunehmen dürften hingegen >> | kurze Starkregenereignisse, wie sie im Sommer vor allem heftige >> | Gewitterfronten auslösen. Allein in diesem Jahr gab es in Deutschland >> | bereits mehrere Hochwasser mit Millionenschäden. >> | >> | Dieser langfristige Trend bedeutet nicht, dass mit steigenden >> | Temperaturen nun jedes neue Jahr Niederschlagsrekorde aufgestellt >> | werden. Auch Dürreperioden wird es wieder geben. Auf kurze Sicht hängt >> | vieles von aktuellen Wetterlagen ab. Zudem gibt es regional deutliche >> | Unterschiede in Deutschland. >> | >> | *Der Osten wird trockener* >> | >> | Die ergiebigen Niederschläge der vergangenen Monate haben zwar >> | vielerorts die Grundwasserspiegel wieder steigen lassen und Böden >> | durchfeuchtet. Doch es gibt Regionen, in denen der Untergrund immer noch >> | zu trocken ist: gerade im Osten. In Teilen Brandenburgs und Sachsens hat >> | es bislang nicht ausreichend geregnet. >> | >> | Die Klimakrise wird im Saarland andere Folgen haben als in der Lausitz. >> | So sind »einige Regionen in Ostdeutschland aufgrund ihrer Lage >> | prädestiniert dafür, dass sie trockener werden«, so Hattermann. Das >> | liege an den Böden, die schlechter Wasser speichern, sowie an den >> | geringeren Niederschlägen, die den Osten schlechter erreichen. >> | >> | Dass sich die Niederschläge so unterschiedlich verteilen, liegt an der >> | Geografie: »Den östlichen Rand Deutschlands erreicht weniger Wasser, da >> | sich dieses vom Atlantik kommend bereits an Mittelgebirgen wie dem Harz >> | abregnet«, sagt Luis Samaniego, Hydrologe am Leipziger Helmholtz-Zentrum >> | für Umweltforschung (UFZ) und Mitentwickler des von der Organisation >> | angebotenen Dürremonitors. Allgemein regne es an den Mittelgebirgen und >> | am Alpenrand deutlich häufiger als im Rest des Landes. Je nach >> | Windrichtung gebe es an Erhebungen Stauniederschläge, wenn warme, >> | feuchte Luft zunächst die Berge hinaufgleite, abkühle und dann abregne. >> | Hinter den Bergen bleibt vergleichsweise wenig Niederschlag übrig. >> | >> | In Baden-Württemberg, das mit dem Schwarzwald das größte Mittelgebirge >> | Deutschlands beherbergt, fallen so im langjährigen Mittel knapp 1000 >> | Liter Niederschlag pro Quadratmeter im Jahr, ähnlich viel ist es in >> | Bayern. Nordrhein-Westfalen kommt auf 875 Liter pro Quadratmeter. In >> | Sachsen-Anhalt und Brandenburg dagegen regnet es im Mittel weniger als >> | 600 Liter per annum. >> | >> | *Wird es insgesamt feuchter oder trockener*? >> | >> | Ob es hierzulande in den kommenden Jahrzehnten insgesamt feuchter oder >> | trockener wird, ist allerdings schwierig zu beantworten. »Wir >> | vergleichen die Ergebnisse von Dutzenden >> | >> | Besonders schwierig vorherzusagen sei der Niederschlag auch durch den >> | sogenannten Jetstream, meint der PIK-Hydrologe. Dieser funktioniere wie >> | ein Motor, der in der Atmosphäre die Hoch- und Tiefdruckgebiete über >> | Europa hinwegbewegt. Der Temperaturunterschied zwischen Äquator und >> | Arktis treibe ihn an. Durch die Klimakrise werde der »Motor« jedoch >> | schwächer, etwa weil sich die Arktis stärker erwärmt als die Tropen. >> | >> | Das führt zu sogenannten blockierenden Wetterlagen. »Dann regnet es >> | entweder sehr lange sehr viel, oder es ist über Wochen trocken und >> | heiß«, so der Klimaforscher. Klimamodelle könnten das jedoch nur ungenau >> | abbilden. Die meisten hätten etwa die Dürreperioden zwischen 2018 und >> | 2022 nicht gut wiedergegeben. »Das deutet darauf hin, dass wir solche >> | Extremereignisse eher unterschätzen«, glaubt Hattermann. >> | >> | Insgesamt gehe die Klimafolgenforschung aber davon aus, dass die Extreme >> | der vergangenen Jahre ein Vorgeschmack für die Witterungsverhältnisse >> | der Zukunft sind, mit steigender globaler Temperatur werden sie sogar >> | eher noch stärker ausfallen. >> +--- --- >> >> M.f.G. >> > > Danke. Das hatte ja tatsächlich etwas Substanz. Nichts, was man sich nicht > selbst längst zusammengereimt hat, aber schön daß es bestätigt wird, mit > dem Steigungsregen an den Höhenzügen und der vermehrten Verdunstung über > den Meeren und der höheren Wassertragekapazität wärmerer Luft. Zusammengefasst: es könnte mehr oder weniger regnen. Oder mal so, mal so, schwer zu sagen. Jedenfalls kommt es vom Klimawandel.