Path: csiph.com!fu-berlin.de!uni-berlin.de!individual.net!not-for-mail From: Dieter Heidorn Newsgroups: de.sci.physik Subject: Re: Reisedauer zum Alpha Centauri Date: Sun, 1 Jan 2017 22:41:02 +0100 Lines: 68 Message-ID: References: <4fde73b0-e723-4a3c-acbb-47c65ce6f2c8@googlegroups.com> <585E3124.60B505AB@yahoo.com> <585EFD94.1B0DE7C6@yahoo.com> <585F7FBC.D142294@yahoo.com> <585F9C07.A6CAB50F@yahoo.com> <5868DA0E.9D18CCFA@yahoo.com> <8315355e-c540-4b5a-a8ec-5e7357bd2fa7@googlegroups.com> Mime-Version: 1.0 Content-Type: text/plain; charset=UTF-8; format=flowed Content-Transfer-Encoding: 8bit X-Trace: individual.net 9sda78j9io9+3YLlREuklgV8nGy3FoGujEl1owQH32Sf0AF7ul Cancel-Lock: sha1:5+naQ+dnXag5a6psaB3ghEgtIdQ= User-Agent: Mozilla/5.0 (Windows NT 6.3; WOW64; rv:43.0) Gecko/20100101 Firefox/43.0 SeaMonkey/2.40 In-Reply-To: <8315355e-c540-4b5a-a8ec-5e7357bd2fa7@googlegroups.com> Xref: csiph.com de.sci.physik:101662 Manfred Ullrich schrieb: > Am Sonntag, 1. Januar 2017 19:03:34 UTC+1 schrieb Hans-Bernhard Bröker: >> Am 01.01.2017 um 11:29 schrieb Carla Schneider: >> >>> Du verwendest als Geschwindigkeit >>> https://en.wikipedia.org/wiki/Proper_velocity >>> Leider gibts da keinen deutschen Wikipedia-Eintrag, so weiss ich nichtmal >>> was "proper velocity" auf Deutsch heisst. >> >> Die direkte, wörtliche Übersetzung ist "Eigengeschwindigkeit". Gemeint >> ist damit der Betrag der Vierergeschwindigkeit, definiert als Ableitung >> des Ortes (im Ruhesystem der Strecke) nach der Eigenzeit des Reisenden. >> Sie unterscheidet sich von der Geschwindigkeit des Reisenden (von der >> Strecke aus gemessen), um den Gamma-Faktor der Zeitdilatation. >> >>> Und dann gibts da noch: >>> https://en.wikipedia.org/wiki/Proper_acceleration >> >> In diesem Artikel findet sich übrigens auch die Antwort auf die >> Ausgangsfrage: ca. 3.65 Jahre Schiffszeit dauert die Reise. > > Also tatsächlich weniger Zeit, als ohne relativistische Effekte sich mit > s = 1/2 * g * t² ergeben würde, nämlich 4,1 Jahre. > Wenn du mit "s = 1/2 g t^2" rechnest, dann hast du (implizit) folgende Annahmen getroffen: * Im Bezugssystem der Erde wird eine Rakete mit konstanter Beschleunigung a = g in Richtung Alpha Centauri in der Entfernung d = 4,34 Lj bewegt. * Es darf nach der klassischen Newtonschen Mechanik gerechnet werden. Wenn die Beschleunigung längs der Hälfte der Strecke zwischen Erde und Alpha Centauri erfolgt (und auf der zweiten Hälfte mit a = g abgebremst wird), dann ergibt sich die Zeit für die halbe Entfernung: d/2 = 1/2 g t^2 t = sqrt(d / g) = 6,47e7 s = 2,05 a In klassischer Newtonscher Mechanik ist dann folgende Geschwindigkeit erreicht: v = ds/dt = g t = 6,347e8 m/s = 2,12 c also etwas mehr als doppelte Lichtgeschwindigkeit. Nun ergibt sich ein Problem: c ist eine Grenzgeschwindigkeit, d.h. es gibt keine größere Geschwindigkeit als die Vakuum-LG c. Also muss in den Annahmen etwas falsch gewesen sein. Es darf nicht nach der klassischen Newtonschen Mechanik gerechnet werden. > Rein intuitiv erscheint mir das nicht glaubhaft. > Unsere "Intuition" ist durch unsere Alltagserfahrung geprägt - und in dieser treten nur Geschwindigkeiten auf, die sehr klein gegen die LG sind. Der Bereich von Geschwindigkeiten in der Nähe der LG ist außerhalb unseres alltäglichen Erfahrungsbereiches, daher erscheinen die Ergebnisse der Relativitätstheorie eben nicht "intuitiv" zu sein. Und mit "glaubhaft" ist das auch so eine Sache ... ;-) In der Physik zählen Messungen, nicht das Glauben - und Messungen zeigen (bis heute), dass es keine größere Geschwindigkeit als c gibt. Dieter Heidorn