Path: csiph.com!fu-berlin.de!uni-berlin.de!individual.net!not-for-mail From: Thomas Heger Newsgroups: de.sci.electronics Subject: Re: Murks-nein-danke Date: Sat, 28 May 2016 07:32:27 +0200 Lines: 131 Message-ID: References: <1oiopyjugir0i.dlg@news.bartheld.net> Mime-Version: 1.0 Content-Type: text/plain; charset=ISO-8859-1; format=flowed Content-Transfer-Encoding: 8bit X-Trace: individual.net l9B6DX9MuW/sLzZ5r9MPpgt2s9tkHjJ2qEdj5K78n1HPeRvSjV Cancel-Lock: sha1:pRoKUGuihJGW377OIIeSz2C7r8g= User-Agent: Mozilla/5.0 (Windows NT 5.1; rv:8.0) Gecko/20111105 Thunderbird/8.0 In-Reply-To: Xref: csiph.com de.sci.electronics:208636 Am 27.05.2016 17:08, schrieb Martin Gerdes: > Holger schrieb: > >>> Mein Reden seit anno dunnemals. Kennst Du Holger Bruns? Der hat immer >>> gleich Schaum vor dem Mund, wenn er meinen Namen liest, weil ich genau >>> diese Äußerung sinngemäß immer wieder tue: Viele Reparaturen sind etwas >>> für Spezialisten, die für ihre Arbeit dann auch bezahlt werden möchten. >>> Das macht viele Reparaturen -- die man nicht selbst ausführen kann -- >>> unrealistisch. > >> Warum bringst du eigentlich immer wieder Namen von Leuten ins Spiel, die >> hier nicht schreiben? > > Meinst Du diesbezüglich etwa Holger.invalid.invalid, der > verblüffenderweise meine Darstellung ziemlich vollumfänglich bestätigt? > > Der schreibt hier, wie jeder lesen kann. > >> Was die Reparaturen abbelangt, da bleibe ich dabei: Kein Wort mehr >> darüber. > > Außer diesem Posting natürlich. > >> Ich habe keine Zeit dafür. Ich halte meine Sachen in Schuß, >> wasche meine Wäsche, putze meine Teller und Tassen und dusche mich >> zweimal am Tag, morgens und abends. Und falls mir mal was kaputt geht, >> repariere ich mir das eben. Am Arsch durchgerittene Jeanshosen tausche >> ich übrigens aus. > > Hoppala! Die kann man sehr wohl reparieren, wenngleich eher mit der > Nähmaschine als dem Lötkolben und dem Schraubenzieher. Denk mal an > unsere arme Umwelt! > >> Auf was ich keinen Bock habe: Anderen Leuten ihre Zahnbürsten und ihre >> Jubelelektronik zu flicken, Windows zu flicken, immer wieder für lau >> oder nur kleines Geld anderer Murkser Kram in Schuß zu bringen. Kriegst >> du das nicht hin, wegen fehlender Ersatzteile, oder wegen langer >> Lieferzeiten, wirst du nicht etwa für deine Geduld gelobt, sondern >> gleich mal dumm angemacht. > > Eben, eben. Ganz meine Rede. > >> Nein, danke. Ich bin keine Servicewerkstatt. > > Eben. Es mag in "Repaircafés" Hilfswillige geben, die anderen Leuten die > Elektrogeräte reparieren. Dabei geht es aber oft mehr um die > Geselligkeit als die Wirtschaftlichkeit. Es sind immer die gleichen > Leute, die helfen (können), und es ist meist lediglich eine Frage der > Zeit, wann diese Leute sich ausgenutzt vorkommen. > Ich hatte mich in letzter Zeit häufiger mit dem Thema Repair-Cafe beschäftigt und den Leuten erklärt, daß die Idee so nicht funktionieren kann. Nehmen wir mal ein etwas komplizierteres Gerät aus dem Bereich Consumer-Elektronik, welches nicht mehr tut, was es soll. Der Besitzer von so einem Gerät hat nun folgende Reparatur-Möglichkeiten: 1) er geht zu einer Profi-Werkstatt und läßt es reparieren. Kosten u.U. höher als der Neupreis. 2) er bastelt selber daran herum und bekommt es evtl. wieder hin (Kosten: nur Ersatzteile und Zeit) 3) er fragt jemanden, der so eine Reparatur hin bekommt, aber kein Profi ist. Das hat idR 'soziale Kosten', etwa im Sinne von erwarteten Gegenleistungen. Außerdem muß man natürlich noch die Ersatzteile bezahlen. So wären Repair-Cafes evtl. eine Möglichkeit, wenn es pensionierte Radio-und-Fernsehtechniker mit Zusatzausbildung in Haushaltsgeräte-Wartung en mass gäbe, die für lau gerne an anderer Leute Schrott herumschrauben. Aber warum sollten die das tun? Wenn sie schon noch arbeiten wollen und das auch können, dann werden sie vielleicht etwas für ihre Arbeit haben wollen. Z.B. könnten sie Interesse an dem reparierten Gerät haben, das vor der Reparatur ja eigentlich Schrott bzw. Sondermüll war, aber nach der Reparatur wieder funktioniert und dann einen gewissen Wert hat. Dieser Wert steht nämlich nicht dem Vorbesitzer zu bzw. nur zum Teil, da es nicht er war, der das Teil repariert hat. Außerdem wird meist das Ersatzteil-Problem unterschätzt. Meist sind nämlich Teile defekt, die zwar im Prinzip beschaffbar wären, aber natürlich nicht kostenlos. Typischer Fall: motherboard im Laptop, welches sich in Folge von BGA-Entlötung verabschiedet hat. Neubreis eines Ersatz-motherboards beim Original-Hersteller idR knapp oberhalb der Preises für ein komplettes Notebook neuerer Bauart. Ebay bietet solche motherboards evtl. auch für - sagen wir mal- 140 Euro. Bei einem Marktwert für vergleichbare heile Notebooks von unter 100 Euro ist die Reparatur auch nicht mehr wirtschaftlich. Die einzige Möglichkeit für eine wirtschaftlich vertretbare Reparatur in derartigen Fällen wäre also, aus verschiedenen Schrott-Geräten ein heiles Gerät zu machen. Das könnten Rapair-Cafes auch durchaus tun. Aber nun die gute Frage: wer bekommt das reparierte Gerät? Antwort: das Repair-Cafe, natürlich! Aber dann müßten die Einlieferer von Schrott auch was bekommen, denn sonst haben sie keine Motivation, ihre defekten Geräte dort abzuliefern. Das ginge auch, wenn sie reparierte Geräte bekommen, aber von in etwa dem Wert, den auch ihr Schrott noch hat. Das wäre etwa ein Toaster für ein kaputtes Notebook (oder ähnliches). TH