Path: csiph.com!fu-berlin.de!uni-berlin.de!individual.net!not-for-mail From: Joerg Newsgroups: de.sci.electronics Subject: Re: Arm durch Arbeit Date: Sun, 10 Apr 2016 15:44:33 -0700 Lines: 102 Message-ID: References: <1ml4ji6.1cwryr1hc89wcN@marc.my-fqdn.de> <1ml56u3.1y18yll1hxcsg6N@marc.my-fqdn.de> <1ml8xlz.1qkmldh1t4yhkiN@marc.my-fqdn.de> Mime-Version: 1.0 Content-Type: text/plain; charset=windows-1252; format=flowed Content-Transfer-Encoding: 8bit X-Trace: individual.net Wi83P7IaXWEIbWJx2nekzAs6K3Tzq0iT6QcHq4P8yAREu2xsCA Cancel-Lock: sha1:mfrtdfT9RSdzpTNdnWm4fLjaCi0= User-Agent: Mozilla/5.0 (Windows; U; Windows NT 5.1; en-US; rv:1.8.1.6) Gecko/20070728 Thunderbird/2.0.0.6 Mnenhy/0.7.6.666 In-Reply-To: Xref: csiph.com de.sci.electronics:206531 On 2016-04-10 10:05, Gerrit Heitsch wrote: > On 04/10/2016 06:49 PM, Joerg wrote: >> Bush tat aehnliches, z.B. durch Schaffung von Health Savings Accounts, >> mit denen auch Selbststaendige Arztkosten vorsteuerlich bezahlen >> konnten. Dann kam Obama und es ging bergab, teilweise steil. > > Bush und die Republikaner kosteten die USA deutlich mehr als sie jemals > gutmachen konnten. Die zwei Kriege in Afghanistan und Irak, der letzte > vollkommen unnötig, waren nicht umsonst. Für den IS darf man sich auch > bei Bush und Konsorten bedanken. > Ja, ja, Bush ist auch schuld, wenn in China ein Sack Reis umfaellt und jemanden dabei verletzt. Mujaheddin gab es schon im 8.Jahrhundert, in der heutigen gewalttaetigen Form seit etwa 1830. Aber klar, das war natuerlich auch Bush schuld ... > >>>> Definitiv nein. Eher im Gegenteil. Wer z.B. seinen eigenen Arbeitsplatz >>>> schafft und dabei High-Tech entwickelt, der erzeugt im Domino-Effekt >>>> viel neue Arbeit fuer andere. >>> >>> Nein, wenn er die Automation vorantreibt vernichtet er Arbeitsplätze in >>> der Gesamtbetrachtung. >>> >> >> Das stimmt schlicht nicht. > > Doch, tut es, führ den Gedankengang mal bis zum Ende. Du kannst mehr > automatisieren. Die dazu nötigen Maschinen werden nur gekauft wenn sie > billiger sind als Arbeiter. Also müssen diese Maschinen Arbeitsplätze > vernichten denn sonst wären sie teurer als Arbeiter. > Schonmal ueberlegt, warum heutige Familien zwei bis vier Autos haben und vor 200 Jahren maximal ein Paar abgewetzte Schuhe pro Person und manchmal nich einmal das? Ach so, und in der Zeit hat die Bevoelkerung auch noch heftig zugelegt. Die Anzahl der Arbeitsplaetze, ob automatisierte oder nicht, in der KFZ Industrie lag 1816 ziemlich genau bei null. Dito bei Fernsehern, Waschmaschinen, Telefonen, Computern, und so weiter. > >>> Stell dir mal vor das mit den autonomen Lastwagen funktioniert. Damit >>> sind dann die ganzen LKW-Fahrer arbeitslos. Das sind garantiert mehr als >>> die neu entstehenden Arbeitsplätze im Umfeld dieser autonomen LKW. Wäre >>> es anders, wären autonome LKWs teurer und keiner würde sie kaufen. Also >>> netto ein Verlust von Arbeitsplätzen. >>> >> >> So, jetzt machen wir mal Butter bei die Fische. Das soll keine >> Selbstbeweihraeucherung sein, nur ein klassisches Beispiel, wie es geht: >> >> Ende der 90er uebernahm ich die Leitung der Imaging Division einer >> Medizintechnik Firma (Endosonics). Es ging der Firma zu der Zeit nicht >> gut, fast jedes Quartal Verluste und IMO weit zuviel Handarbeit in der >> Produktion. Also heuerte ich nach einigen anderen Umkrempelungen einen >> Produktionsleiter plus einige weitere Fachkraefte aus der >> Luftfahrtindustrie. Viele der fuehrenden Leute waren entsetzt "Aber die >> haben doch keinerlei Medizintechnikerfahrung!". Gemeinsam >> automatisierten wird die Produktion bis fast Oberkante Unterlippe. Das >> lief nun wie bei der Fertigung von Passagiermaschinen. Anfangs waren die >> Arbeiter sehr nervoes darueber. Ich hielt engen Kontakt zu ihnen und >> sagte immer wieder, dass sie lediglich lernbereit sein muessen, was >> Computer, Maschinen und dergleichen angeht. Im Gegenzug wuerden sie >> danach mehr verdienen. Im Ergebnis produzierten wir wieder profitabel, >> der Aktienkurs stieg, die Stueckzahl ging drastisch rauf, immer mehr >> Krankenhaeuser benutzten unsere nun bezahlbare Technik (die senkt das >> Komplikations- und Sterberisiko bei Cardio-Behandlungen) und die Zahl >> der Jobs ging deutlich nach oben. Ach so, dann fuehrten wir noch eine >> Beteiligung ueber Aktienoption fuer jeden Mitarbeiter ein, nicht nur >> fuer Ingenieure und aufwaerts, wie das bei anderen Firmen ueblich ist. >> Wer wollte, konnte darueber hinaus noch weitere Aktien zum Vorzugspreis >> erwerben. Auch unterstuetzten wir es finanziell, wenn jemand ueber die >> Erwachsenenbildung (Abendstudium) einen Ingenieurabschluss anstrebte. > > Und wieviele Leute haben dadurch ihren Arbeitsplatz verloren? Keiner. Wie ich schrieb, sind viele Arbeitsplaetze entstanden. > ... Die > dürftest du nicht wahrgenommen haben weil sie für andere Firmen arbeiteten. > Die einzigen Jobs, die spaeter verloren gingen, waren als die Firma HP gegen uns nicht mehr ankam und das Handtuch schmiss. Das geschah aber weit danach und war schlicht das Resultat daraus, dass unsere Firma das bessere Produkt hatte und dadurch diesen Marktanteil und auch Arbeitsplaetze teilweise an Land zog. Es gab in dem Markt nur drei Anbieter, jetzt sind es zwei. -- Gruesse, Joerg http://www.analogconsultants.com/