Path: csiph.com!fu-berlin.de!uni-berlin.de!individual.net!not-for-mail From: Thomas Heger Newsgroups: de.sci.physik,de.talk.tagesgeschehen,de.soc.umwelt Subject: Re: Die globale Erwaermung und die Konfrontation des Westens mit derWelt Date: Wed, 12 Jun 2024 08:09:19 +0200 Lines: 162 Message-ID: References: <1wiack20fwhrd$.dlg@pappnase.invalid> <20231118214020.0dcc5218@Achmuehle.WOR> <1njrtxnltjir.dlg@pappnase.invalid> <30pu24jal826.dlg@pappnase.invalid> <20240610212258.389ac86d@Achmuehle.WOR> <20240611205923.11856a5d@Achmuehle.WOR> Mime-Version: 1.0 Content-Type: text/plain; charset=UTF-8; format=flowed Content-Transfer-Encoding: 8bit X-Trace: individual.net 2+kV/vqwVpw1hWw52l69hAUuAlNslyMW+ct4EPdqLriTaxEDao Cancel-Lock: sha1:TAiEiQsaU3Y3mSPoTOWWQogDDBw= sha256:CiFnNszcIze408FrBes+creGW61HkSMUb+sWHxiOLmc= User-Agent: Mozilla Thunderbird Content-Language: de-DE In-Reply-To: <20240611205923.11856a5d@Achmuehle.WOR> Xref: csiph.com de.sci.physik:155468 de.talk.tagesgeschehen:1010682 de.soc.umwelt:222541 Am Dienstag000011, 11.06.2024 um 20:59 schrieb Sieghard Schicktanz: >> Außerdem folgt aus dem Resourcenverbrauch in Westeuropa keineswegs Armut >> in der 3ten Welt. > > So? ??? Eine Tatbeteiligung erfordert irgendeine Beteilligung. Wenn man hier in Deutschland heizt und z.B. mit Heizöl aus der Nordsee, wie kommt dann 'Elend in der 3. Welt' ins Spiel? Es fehlt dir hier ein Argument, wodurch sich der hierzulande heizende an der Verelenddung der 3. Welt beteilligt und inwiefern das vorwerfbar ist. >> Das liegt daran, dass 'Westeuropa' und 'dritte Welt' in verschiedenen >> Gegenden liegen. Daher müßtest du erst begründen, wie die Wirkung des >> hiesigen Ressourcenverbrauchs auf die andere Seite des Globus gelangt. > > Was nicht ausschließt, daß ein _erheblicher_ Teil der hier genutzen > Resourcen gerade _aus_ dieser "3. Welt" (wo ist eigentlich die 2.?) kommt, > dort abgebaut / geerntet / hergestellt wird und dann auf langen Wegen mit > viel (weiterem) Resourcen-Verbrauch zu uns geschippert wird. Wo es dann oft > nach relativ kurzzeitigem Gebrauch oder unverbraucht auf dem Abfall landet. ???? What ? Wenn ich einem Bauern in sagen wir mal Indien einen Sack Reis abkaufe, dann hat der Bauer Geld und ich Reis. Der wird dann per Schiff oder Flugzeug oder Eselskarren hier her gebracht und dann haben die Transporteure auch noch etwas Geld. An welcher Stelle siehst du hier 'Verelendung'. Preise entstehen bei Gütern und Dienstleistungen übrigens durch Angebot und Nachfrage. Das gilt hierzulande genauso wie im internationalen Handle mit Reissäcken. Ich muß also bei meinem Kauf den jeweils üblichen Preis zahlen, welcher folglich für mich ein Datum ist. Über die Berechtigung solcher Preise könnte man u.U. streiten, wenn einem langweillig ist. Aber ich werde die üblichen Preise wohl zahlen müssen, wenn ich meinen Sack Reis bekommen möchte. Also liegt nirgends etwas vorwerfbares vor, wenn ich wie gesagt, den üblichen Preis auch wirklich bezahle. >> Das ginge vielleicht sogar, wäre aber keineswegs evident, also >> offensichtlich und selbsterklärend, sondern bräuchte eine Begründung. > > _Die_ Begründung hättest Du Dir kinderleicht selber geben können, wenn Du > nicht so verbohrt wegschautest. > >> Das Argument, welches du benutzt, das findet sich so ähnlich übrigens in >> der Klimadeproblematik: > > Ja, da schauen auch viele sehr angestrengt weg, sosehr sie können, und > kommen mit dem vielen Händewedeln fast ins Flattern... Die 'Klima' Debatte ist anscheinend anlegt als 'Abzocke' im ganz großen Stil, wo denen Geld aus der Tasche gezogen werden soll, die überhaupt nichts für den Klimawandel können. Das kann man an solchen 'Schuld'-Zuschreibungen sehen wie du sie gebrauchst. Tatsächlich soll man sich hüten vor dem Jonglieren mit Schuld und die Unschuldigen nicht beschuldigen. Schuld kann beispielsweise nicht vererbt werden und wird auch nicht 'per Proxi' auf Unschuldige übertragen. 'Schuld per Proxi' meint 'Schuld durch Nähe'. Damit ist gemeint, dass Sanktionen auf Unbeteilligte ausgedehnt werden, die sich zufällig im Fokus der Verfolger befunden haben und nun mal zur Verfügung standen als Opfer, weil die eigentlichen Täter abgehauen sind. Sowas ist aber extrem verwerflich und nur der schlimmste Abschaum erwägt sowas überhaupt. Wenn man also bei irgendwas meint, da Schuldige suchen zu müssen, dann bitte dort, wo die auch sind. Andernfalls fehlt der rechtfertigende Grund für die Taten und man hätte nur noch (z.B.) vorsätzlichen Mord aus niederen Beweggründen. > ... >> Das ist in diesem Fall gut so, weil es die Schuld dort läßt wo sie >> hingehört, nämlich bei den lokalen Autoritäten und der jeweils lokalen >> Bevölkerung. > > Ahja. Besonders zur Zeit der Kolonialherrschaft, sicher. Deutschland hatte nicht gerade viele Kolonien und diese auch nicht besonders lange. Das liegt daran, dass Deutschland vor 1871 nicht existiert hatte und nach dem 1. WK keine Kolonien mehr besaß. Das sind insgesamt 48 Jahre und betraf imho nur vier rel. kleine Kolonien. Im Vergleich dazu war das Britische Weltreich absolut gigantisch und umfaßte die Hälfte der Weltbevölkerung im Maximum der Expansion. Auf dem Boden Deutscher Kolonien wurden meines Wissens übrigens auch keine Ernergieprodukte gefördert. Daher magst du mit deinem Vorwurf u.U. Recht haben, mußt dann aber Deutschland davon ausnehmen. > >> Dies ist (leider) auch historisch gemeint und bezieht sich auch auf >> lokale Autoritäten, die es dort mal vor langer Zeit gegeben hat. > > Z.B. Kolonialregierungen, Bergbaugesellschaften, Plantagen ... Kann schon sein. Aber bei ehemaligen Kolonialregierungen oder ehemals existierenden Unternehmen in früheren Kolonien ist meist nicht mehr vorhanden, was man für eine Strafverfolgung benötigt: die Täter. In Deutschland (und England, Frankreich etc.) haben beispielsweise mal die alten Römer gewütet. Das antike Rom war eine grausame Sklavenhaltergesellschaft und hat enormes Leid in seinen Kolonien verbreitet. Das ist schon wahr und eben Pech für die ehemaligen Kolonien, aber leider kann man die heutigen Römer nicht für die ehemals in Rom siedelnden antiken Römer haftbar machen. Man kann dergleichen zwar versuchen, sollte sowas aber sein lassen. In Deutschland gibt es speziell für derartige Fälle das Rechtsinstitut der Verjährung. Das besagt, dass Ansprüche nur während einer Generation angemeldet werden können und danach nicht mehr. Da aber das antike Rom schon viel länger zurück liegt, haben die ehemaligen Kolonien leider Pech gehabt. ... TH