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Groups > de.sci.ing.misc > #7516
| Message-ID | <b08b3d271bcb341fced24fc80281280f@wxp-nb-01.mouse.local> (permalink) |
|---|---|
| Subject | Re: Zellstof-/Papierherstellung und Hefe |
| Newsgroups | de.sci.ing.misc |
| References | <10epuvj.10ag.1@msgid.suchanek.de> |
| From | Andreas Bockelmann <xotzil@gmx.de> |
| Organization | Virtual Simulation <-> Life |
| Date | 2025-11-10 06:23 +0100 |
Sebastian Suchanek schrieb:
> Meine Frage an Euch: welchen Zusammenhang könnte es zwischen
> Zellstoffherstellung (oder evtl. Papierherstellung) und Hefe
> geben?
Ich habe Deine Frage mal an die Zwillinge[*] weitergereicht, das habe sie
geantwortet:
---------------
đ§ Zusammenhang zwischen Zellstoffherstellung und Hefe
Der wahrscheinlichste und historisch bedeutendste Zusammenhang zwischen der
Zellstoffherstellung (speziell dem Sulfitverfahren) und einer lokalen
Bezeichnung wie "Hefefabrik" oder "Hefelabor" liegt in der Verwertung der
Sulfitablauge als NĂ€hrboden fĂŒr Hefe.
đ§Ș Verwertung der Sulfitablauge
Die Zellstoffproduktion nutzte in der Vergangenheit oft das Sulfitverfahren
(SchwefligsÀure-Verfahren), bei dem die holzeigenen Lignine mithilfe von
schwefliger SÀure und Sulfiten herausgelöst werden, um die reine Zellulose
(Zellstoff) zu gewinnen.
Abfallprodukt: Bei diesem Prozess fĂ€llt als groĂes Nebenprodukt die
sogenannte Sulfitablauge an.
Inhaltsstoffe: Diese Ablauge enthÀlt neben LigninsulfonsÀuren auch einen
betrÀchtlichen Anteil an Kohlenhydraten (Zucker), die aus dem Holz gelöst
wurden.
Nutzung als NĂ€hrlösung: Diese Kohlenhydrate waren ein idealer und gĂŒnstiger
NĂ€hrboden fĂŒr die ZĂŒchtung von Hefe.
VergÀrung (Ethanol): Durch Fermentation der Sulfitablauge mit Hefe (meist
BÀckerhefe oder spezielle StÀmme) konnte Ethanol (sog. Sulfitsprit oder
Holzalkohol) gewonnen werden.
Verhefung (Futterprotein): Die gekĂŒhlte und neutralisierte Ablauge wurde
unter BelĂŒftung zur Zucht von Futterhefe (z.B. der Stamm Torula utilis oder
Candida utilis) eingesetzt. Diese Hefe wurde dann als eiweiĂreiches
Futtermittel (Hefeprotein) fĂŒr die TierernĂ€hrung getrocknet.
Da Ihre Fabrik vor den 1960er Jahren nur Zellstoff produzierte, passt das
Sulfitverfahren und die damit verbundene Verwertung der Ablauge zeitlich gut
zur architektonischen Einordnung des GebÀudes in die 1920er bis 1930er
Jahre, da diese Verfahren zur Ablauge-Nutzung in dieser Zeit und kurz danach
entwickelt bzw. etabliert wurden.
đ Mögliche Funktion des GebĂ€udes
Das als "Hefefabrik" oder "Hefelabor" bezeichnete GebÀude könnte somit ein
Bauwerk gewesen sein, das zur DurchfĂŒhrung eines oder beider Schritte diente:
HefezĂŒchtung/Produktion: Es könnte die Anlage zur Fermentation (GĂ€rbehĂ€lter)
und/oder zur Separierung und Trocknung der Hefe aus der Sulfitablauge
beherbergt haben.
Labor/Forschung: Die Bezeichnung "Hefelabor" könnte darauf hindeuten, dass
dort die QualitÀt der Ablauge analysiert und die Hefezucht-Prozesse
(Kontrolle der StĂ€mme, Optimierung der NĂ€hrlösung) erforscht und ĂŒberwacht
wurden.
Die Bezeichnung ist also sehr wahrscheinlich ein lokaler Hinweis auf diese
spezifische Nebenproduktion oder Abfallverwertung im Rahmen des
ursprĂŒnglichen Zellstoffwerks.
--------------
[*] gemini.google.com
--
Mit freundlichen GrĂŒĂen
Andreas Bockelmann
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Zellstof-/Papierherstellung und Hefe Sebastian Suchanek <sebastian.suchanek@gmx.de> - 2025-11-09 11:46 +0100 Re: Zellstof-/Papierherstellung und Hefe Andreas Bockelmann <xotzil@gmx.de> - 2025-11-10 06:23 +0100 Re: Zellstof-/Papierherstellung und Hefe Dr Engelbert Buxbaum <engelbert_buxbaum@hotmail.com> - 2025-11-14 10:39 +0100
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