Path: csiph.com!fu-berlin.de!uni-berlin.de!individual.net!not-for-mail From: Volker Staben Newsgroups: de.sci.electronics Subject: Re: Warum ist die (private) Fotovoltaik am Ende? Date: Thu, 27 Jan 2022 09:46:19 +0100 Lines: 97 Message-ID: References: <61EC43A9.BED1445A@Berger-Odenthal.De> <61EC79EA.1E1C1401@Berger-Odenthal.De> <20220123201019.d5c3367ddf59b322d047457e@SchS.de> <20220124210902.e46aaa313780d896363e459e@SchS.de> Mime-Version: 1.0 Content-Type: text/plain; charset=UTF-8; format=flowed Content-Transfer-Encoding: 8bit X-Trace: individual.net bDVLzkLTJp6W0EEVEDBs0Q23JUMmy1rvIFHA55b3BWUR1ZMdHco+23mzw= Cancel-Lock: sha1:yORGBiZOhACEcfgzrcYBJ4f1vNw= User-Agent: Mozilla/5.0 (Macintosh; Intel Mac OS X 10.15; rv:91.0) Gecko/20100101 Thunderbird/91.5.0 In-Reply-To: Xref: csiph.com de.sci.electronics:317130 Am 26.01.22 um 21:01 schrieb Christoph Müller: >> Du solltest Dir das Niederspannungsnetz nicht wie einen Behälter >> vorstellen, der irgendwann "voll" ist. Christophs nicht einmal >> dilettantischen Märchen von "Zuviel Strom" sind gequirlter Unsinn. > > Anders ausgedrückt: Du kannst nicht verstehen, was damit gemeint sein > könnte? Kannst du mit dem Begriff "überschüssiger Strom" was anfangen? Das Problem hast Du - nicht ich. Allerdings kann ich mit dem umgangssprachlichen Begriff "überschüssige Leistung" etwas anfangen. Dezentral erzeugte Energie, beispielsweise Solarenergie, wird hauptsächlich direkt in Mittel- bzw. Niederspannungsnetze eingespeist und deckt somit bereits einen Teil der Verbraucherlast. Da kann es natürlich auch zur Überdeckung kommen, dann findet natürlicherweise ein Vorzeichenwechsel des Lastflusses in die jeweils überlagerte Spannungsebene statt. Jede Einspeisung an jedem Ort und auf jeder Spannungsebene trägt ihren Teil zur summarischen Wirkleistungseinspeisung bei. Und jede Last auf jeder Spannungsebene trägt ihren Teil zur summarischen Netzlast bei (Netzverluste werden üblicherweise der summarischen Netzlast zugeschlagen, weil auch sie natürlich durch Einspeisung kompensiert werden). Die Differenz von summarischer Einspeisung und summarischer Netzlast wirkt sich im summarischen Netzmodell und ohne Berücksichtigung des Selbstregeleffekts in direkter Proportionalität auf die zeitliche Änderung der Netzfrequenz aus. Oder in Gleichungen ausgedrückt: mit P_zu summarische Wirkleistungseinspeisung P_ab summarische (Wirk-)Last incl. Netzverluste J summarisches Rotationsträgheitsmoment des Verbundnetzes w Kreisfrequenz aka Winkelgeschwindigkeit f Netzfrequenz, wie üblich ist w = 2 * pi * f gilt: P_zu - P_ab = J * dw/dt (1) Das Netz (ohne den Selbstregeleffekt) lässt sich also summarisch durch einen Integrator modellieren, der dw/dt zu w aufintegriert. Diesen Integrator kannst Du an zentraler Stelle in Bild 2.1 auf Seite 8 in der Dissertation von Tobias Weißbach sehen, wenn Du Dir irgendwann einmal die Mühe machen würdest, dazulernen zu wollen, statt lediglich gequirlten Unsinn zu verbreiten: https://elib.uni-stuttgart.de/bitstream/11682/1840/1/Diss_Weissbach.pdf Die Integrierzeit des Integrators hat Weißbach mit "T_an" bezeichnet. Zur Charakterisierung integrierenden Verhaltens gibt es verschiedene Konventionen - einen Integrator mit unterschiedlich wählbarer Integrierzeit oder ein Einheitsintegrator mit einer festen Integrierzeit von einer Sekunde, ergänzt durch einen vorangestellten Proportionalkoeffizienten wie das "J" in der obigen Gleichung (1). Nimmt man den Selbstregeleffekt hinzu, dann wird die summarische Last zu einem gewissen Anteil frequenzabhängig. Dies muss dann im Modell durch eine Rückführung vom Ausgang des Integrators auf P_ab berücksichtigt werden - das ist der Proportionalblock "k_pf" bei Weißbach. Kurzfristig wird also jede "überschüssige Wirkleistung" zu einer Änderung der Rotationsenergie der Summe aller synchron rotierenden Massen auf Einspeiser- wie Verbraucherseite führen. Ebenso wird jede negative "überschüssige Wirkleistung" kurzfristig aus dieser Rotationsenergie befriedigt - deswegen wird wird das Speicherphänomen der rotierenden Massen gern auch als "Momentanreserve" bezeichnet. Wird aus dieser Momentanreserve Energie "entnommen", sinkt die Netzfrequenz, die Primärregelung bzw. jeder an dieser teilnehmende Einspeiser "bemerkt das" und kompensiert dies durch Einspeisung positiver Regelleistung. Wird dieser Momentanreserve Energie "zugeführt", steigt die Netzfrequenz, die Primärregelung "bemerkt das" und kompensiert dies durch Einspeisung negativer Regelleistung. Die Netzfrequenz ist also der ideale, eindeutige und unmittelbare Indikator für ein Ungleichgewicht von P_zu und P_ab. _Das_ ist das, was _Du_ nicht verstehst. Obwohl es nicht wirklich kompliziert ist, mannigfaltigfach nachgelesen werden kann und vom Anspruchsniveau (je nach Detaillierungsgrad) so ungefähr auf Sekundarstufe 1 angesiedelt ist. _Dass_ Du das offensichtlich nicht verstehst, kann ich mir nicht mit mangelnder Intelligenz erklären. So viel kann einem Menschen nicht mangeln, dass er das nicht verstehen kann. Es fehlt Dir offensichtlich bereits auf allereinfachstem Niveau an der Bereitschaft, mit der Fakten der realen Welt und ihrer angemessenen modellhaften Betrachtung mit ingenieurwissenschaftlichen Methoden umzugehen. Stattdessen steckst Du im Framing Deiner Träume, blickst seit Jahrzehnten gegen die Wand am Ende Deiner Sackgasse und verbreitest als verkanntes Genie und unverstandener Weltverbesserer nichts als - nun ja: gequirlten Unsinn. Herr, lass Hirn regnen. V.