Path: csiph.com!fu-berlin.de!uni-berlin.de!individual.net!not-for-mail From: Herbert Albrecht Newsgroups: de.soc.verkehr,de.etc.bahn.eisenbahntechnik,de.sci.electronics Subject: =?UTF-8?Q?Re=3a_Lades=c3=a4ulen_mit_1_MW?= Date: Mon, 1 Nov 2021 14:09:30 +0100 Lines: 80 Message-ID: References: Mime-Version: 1.0 Content-Type: text/plain; charset=UTF-8; format=flowed Content-Transfer-Encoding: 8bit X-Trace: individual.net Fj1BMHfZ2jLej94KRWdgcACf2r4tIxrzS3EnuC/lJfcVtA+hiq Cancel-Lock: sha1:+jJMJxL87Kl3kqUDEAnZGVm5RmY= User-Agent: Mozilla/5.0 (Windows NT 10.0; Win64; x64; rv:91.0) Gecko/20100101 Thunderbird/91.2.1 In-Reply-To: Xref: csiph.com de.soc.verkehr:30114 de.etc.bahn.eisenbahntechnik:13289 de.sci.electronics:312808 Am 31.10.2021 um 15:27 schrieb Hanno Foest: > On 31.10.21 15:05, Herbert Albrecht wrote: > >>> wurden die Strecken systematisch kaputtgespart und der Verkehr >>> ausgedünnt, bis die Kunden wegblieben und die Strecke mangels >>> Nachfrage endlich stillgelegt werden konnte. >> >> Ein oft gehörter Vorwurf an die Bahn, aber woher kommt er? >> >> Gab es da niemanden, der rechnen kommte? > > Ist das nach Stuttgart 21 wirklich noch eine Frage? Das Projekt Stuttgart 21 bzw. die hysterische Diskussion darüber, in deren bis jetzt 26-jährigem Verlauf die Kosten entsprechend gestiegen sind, kann ich mir auch nicht erklären. Ich gehe davon aus, dass die Bahn mit dem alten Stuttgarter Bahnhof Probleme hatte und die lösen wollte. Das ihr dann um die Ohren geflogen, aber warum? > >> Ich vermute, gerade, weil man rechnen konnte und bei den Rechnungen >> herauskam, dass sich für die immer weniger werdenden Fahrgäste der >> Aufwand, Züge fahren zu lassen nicht lohnte. > > Es ist die Frage, warum sich etwas "lohnen" sollte, könnte oder müßte, > was im Konkurrenz zu einem anderen, hochsubventionierten Verkehrsmittel > steht. Die Behauptung, das 'andere Verkehrsmittel' wäre 'hochsubventioniert' lasse ich mal dahingestellt. Als 1988 das UPI die erste Kostenbilanz des Kraftfahrzeugverkehrs veröffentlichte, wurde das zum Thema im usenet. Damals habe ich noch mitdiskutiert, aus meiner Erinnerung heraus konnten die Verteidiger dieser Rechnung individuelle und statistische Kosten und konkrete und prognostizierte Kosten nicht trennen und leugneten den Beitrag des Kraftfahrzeugverkehrs zur Volkswirtschaft. Am Schluß kam dann immer das Vorschlaghammerargument von der Parlamentshoheit über den Haushalt, ich könne soviel Steuern zahlen, wie ich wollte, es wäre eh nie genug. Eod. Wichtiger und interessanter ist deine Frage, ob der Bahnverkehr rentabel sein sollte. Ich meine: Ja. Alles, was wir tun, sollte auf Kosteneffizienz hin überprüft werden. Ich kenne die Gegenposition (wir sind ein reiches Land und dafür sollte Geld da sein) für hunderte kleinerer und größerer Ausgaben und lehne sie ab. Unsere Belastung durch Steuern, Sozialabgaben, Gebühren und staatlichen Entgelten ist ohnehin schon so hoch, dass ich ehrlich gesagt staune, wie gut (im Vergleich zu Konkurrenten) wir noch dastehen. Eine unrentable Bahn, die dauerhaft die Volkswirtschaft und den Staatshaushalt belasten würde, könnte zum wirtschaftlichen Abstieg Deutschlands beitragen. Volkswirtschaftlich dürften noch ein paar andere Überlegungen > eine Rolle spielen, wie Umweltschutz oder Attraktivität von Wohnräumen > mit/ohne (gute) Bahnanbindung. > Ja, dieser Aspekt wird meistens übersehen. In den letzten Jahrzehnten sind millionen Menschen aus den bahnhofsnahen Massensiedlungen (hier in Hamburg beispielhaft Mümmelmannsberg) ausgezogen und haben sich im Umland niedergelassen. Wenn der Autoverkehr abgewürgt werden sollte (wie jetzt hier in Hamburg) werden diese Häuser langfristig leer stehen und verfallen. Und wir brauchen neue Mümmelmannsberge. > Aber die Bahn mußte von den Markt-Taliban auf Teufel komm raus > privatisiert werden. Von diesem Versuch hat sie sich bis jetzt nicht > wieder erholen können. Da verwechselt du was: Der Beschluß, die Bahn 'an die Börse zu bringen' fiel in Folge der deutschen Vereinigung und ihrer Finanzierung mit zig Milliarden zusätzlicher Staatsschulden. Damals hoffte man noch, diese irgendwann zurückzahlen zu können. Dafür wurden die staatlichen Wohnungsgesellschaften 'privatisiert' und dazu sollten die Verkaufserlöse für die Bahn beitragen. Die Bahnprivatisierung fiel dann aus infolge der Finanzkrise. > > Aber es haben sicher ein paar Reiche davon profitieren können, und das > ist ja im Kapitalismus das Wichtigste, ne. Nö. Herbert